Finanzkrise
Wirtschaftsweise warnt vor verfrühtem Nachdenken über Konjunktur-Programme

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro warnt davor, verfrüht über konjunkturstimulierende Programme für die deutsche Wirtschaft nachzudenken. "Die Diskussion sollte geführt werden, wenn es wirklich Anzeichen gibt, dass ein konjunktureller Einbruch vorliegt", sagte sie dem Handelsblatt.
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HB DÜSSELDORF. Beatrice Weder di Mauro gehört dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seit 2004 an. "Wenn wir jetzt über mögliche Inhalte eines solchen Pakets sprechen, besteht die große Gefahr, dass die Diskussion eine Eigendynamik entwickelt." Dann würden womöglich Begehrlichkeiten geweckt und Maßnahmen auch dann umgesetzt, wenn die Bedingungen, unter denen ein Konjunkturprogramm allenfalls Sinn haben könnte, gar nicht erfüllt seien.

"Der Zeitpunkt muss stimmen, und die Maßnahmen müssen zusätzlich, zielgenau und zeitlich beschränkt sein." Damit entfielen etwa neue Ausgabenprogramme. In Deutschland sei zudem nicht einmal die erste Bedingung erfüllt. "Doch selbst wenn alle erfüllt wären, darf man sich von einem Konjunkturprogramm nicht zu viel versprechen. Die Wirksamkeit der Finanzpolitik in der Konjunkturstimulierung ist ausgesprochen gering und in den letzten Jahren weiter gesunken", sagte Weder di Mauro dem Handelsblatt. In einer offenen Volkswirtschaft wie Deutschland sei sie noch weniger wirksam als in den USA, weil von jedem Euro an zusätzlicher Nachfrage ein größerer Teil ins Ausland fließt, argumentiert die Wirtschaftsweise.

Die Krise in den USA hält Weder di Mauro für "ernst", weil nicht nur Übertreibungen auf den Finanzmärkten, sondern auch bei den privaten Haushalten dahintersteckten. "Jahrelang ist die US-Wirtschaft vor allem wegen des starken privaten Konsums gewachsen, der allerdings durch zunehmende Verschuldung finanziert war." Da sei eine Korrektur unvermeidlich gewesen. "Und wenn die größte Volkswirtschaft der Welt deutlich an Wachstumstempo verliert, merken das wichtige Handelspartner wie Deutschland natürlich auch." Anzeichen für eine Rezession gebe es in Deutschland aber bislang keine. Die deutsche Wirtschaft mit einem Konjunkturprogramm zu stützen, sei daher "momentan absolut" falsch. "Warum sollte man einen gesunden Patienten, der allenfalls chronisch etwas schwach ist, mit den gleichen Medikamenten behandeln wie einen mit Verdacht auf akuten Herzinfarkt?", so die Mainzer Professorin.

Zum Abwarten rät sie der Bundesregierung allerdings keineswegs: "Erstens gibt es im eigenen Bankensystem einige Probleme zu lösen. Zweitens gilt es weiter, die chronischen Wachstumsprobleme anzugehen. Dazu kann neben einem flexibleren Arbeitsmarkt auch ein fitteres Bankensystem beitragen. Und vor allem sollten wirksame Reformen nicht zurückgedreht werden."

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