Finanzkrise
Zerreißprobe für die Geldpolitik

Moderne Geldpolitik steht heute vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits soll sie die Inflation bändigen, unter Beachtung des Wirtschaftswachstums. Andererseits muss sie drohenden Finanzmarktkrisen vorbeugen oder diese bei Ausbruch eindämmen. Doch die aktuellen Reaktionen der Notenbanken auf die Finanzkrise schaffen neue Risiken.
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MÜNCHEN. Fangen wir von vorne an: Die Aufgabe fester Wechselkurse im März 1973 hat den Notenbanken Handlungsspielraum zurückgegeben, den sie zur Sicherung von Preisstabilität nutzen woll(t)en und soll(t)en. Aber die Erdölpreiskrisen kurz danach haben gezeigt, dass dies nur teilweise der erwünschten Abschirmung vor externen Schocks dienen kann.

Die Globalisierung hat die internationalen Finanzmärkte in einem rasanten Tempo integriert, erwartete und vollzogene Leitzinsänderungen lösen an den Devisenmärkten sofort Anpassungsprozesse aus. Es wäre aber weit übertrieben, den wichtigsten Notenbanken der Industrieländer durchweg schlechtere Rahmenbedingungen für die Gestaltung ihrer Geldpolitik zu attestieren.

So macht die Asymmetrie in den Konjunkturzyklen der USA und Europas – dort droht der Abschwung schon in eine Rezession zu münden, hier kann höchstens von einer leichten Abkühlung gesprochen werden – nämlich die Stabilisierungspolitik für die EZB nicht schwieriger, sondern eher einfacher: Ist die Federal Reserve der EZB immer um ein gutes Drittel im Zyklus voraus, so werden ihre vergleichsweise niedrigen bzw. hohen Zinsen im Konjunkturtal oder Boom den Euro genau dann stärken bzw. schwächen, wenn dies der EZB für ihre eigene Politik nützlich ist.

Man benötigt demnach keineswegs eine völlige Synchronisierung der Konjunkturzyklen in Europa und in den USA, um die Wirkung der jeweiligen Geldpolitik verbessern zu können. Vielmehr verhält es sich gerade umgekehrt.

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