Finanzmärkte
Lobbyisten behindern Reform der Finanzmärkte

Die Neuordnung der Finanzmärkte ist durch den Einfluss von Lobby-Gruppen gefährdet. Das sagt zumindest der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Ottmar Issing. Die Politik müsse mehr gegen halten.
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HB BERLIN. Der Regierungsberater und ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, hat vor einer Verwässerung der Neuordnung der Finanzmärkte durch einflussreiche Lobbygruppen gewarnt. "Die Gefahr ist groß", sagte Issing in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit dem "Rheinischen Merkur". So sei es offenbar sehr schwierig, die Aufsicht über Ratingagenturen zu verbessern: "Die Arbeit der Lobbyisten ist spürbar." Hier müsse die Politik gegenhalten. Als Vorsitzender der Expertengruppe "Neue Finanzarchitektur" hatte Issing die Bundesregierung vor dem Weltfinanzgipfel in London Anfang April beraten.

Das Problem sei, dass die Finanzmärkte global seien und deshalb auch globale Spielregeln brauchten, sagte Issing. Ansonsten wiederhole sich, dass die Geschäfte wieder dorthin abwanderten, wo die Aufsicht am mildesten und die Regulierung am schwächsten sei. In London hatten sich die 20 großen Industrie- und Schwellenländer darauf verständigt, dass künftig kein Finanzplatz, -akteur oder-produkt unbeaufsichtigt sein soll.

"Entscheidend ist, dass sich die G-20-Mitglieder wirklich einig sind, sagte Issing. Allerdings gebe es an einigen Stellen, etwa bei der Regulierung von Hedgefonds, noch Meinungsverschiedenheiten. Zur Diskussion über eine mögliche Kreditklemme sagte er, dass die Kriterien für die Kreditvergabe der Banken in einer Konjunkturkrise schärfer seien als in besseren Zeiten, sei natürlich. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass auch Unternehmen in einer guten Marktposition keine Kredite mehr bekämen.

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