Folgen der Deregulierung: Die selbst gemachte Krise

Folgen der Deregulierung
Die selbst gemachte Krise

Per Gesetz befreite US-Präsident Bill Clinton die US-Banken von ihren lästigen Regulierungsfesseln. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Deregulierung eine der Kernursachen der Finanzkrise ist. Sie hat die US-Immobilienblase und die folgende Weltrezession erst möglich gemacht haben.
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LONDON. Es war ein historischer Augenblick, und Bill Clinton kostete ihn weidlich aus. Als der US-Präsident 1994 das neue Bankengesetz unterzeichnete, hatte er Top-Banker, Lobbyisten und Politiker zu einer Feierstunde in den prunkvollen Festsaal des Finanzministeriums geladen. Mit seiner Unterschrift beerdigte Clinton Gesetze aus den 20er-Jahren, die amerikanischen Banken bei ihren Geschäften Grenzen setzten. "Wir räumen überflüssige, von der Regierung aufgestellte Hürden aus dem Weg", schwärmte der Präsident. "Die neuen Regeln machen uns wirtschaftlich stärker und effizienter, sie sind gut für die Verbraucher", versprach er.

Eineinhalb Jahrzehnte später fällt die Bilanz anders aus. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Deregulierung der Finanzmärkte in den 80er- und 90er-Jahren eine der Kernursachen der Finanzkrise ist. Die exzessive Kreditvergabe in den USA, die Immobilienblase und der Beinahe-Zusammenbruch des gesamten Finanz-sektors im Herbst 2008 - all das hätte es ohne den Rückzug des Staates aus der Bankenbranche so wohl nicht gegeben. "Der Druck in Richtung einer bestimmten Form von Deregulierung war eine Triebfeder für die Finanzkrise", sagte Daron Acemoglu, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf der Jahrestagung der American Economic Association Anfang Januar in Denver.

Reformen gingen nach hinten los

Einen empirischen Beleg dafür liefern die Ökonomen Giovanni Favara vom Internationalen Währungsfonds und Jean Imbs von der Paris School of Economics. In einer Studie mit dem Titel "Credit Supply and the Price of Housing" zeigen die Forscher: Bill Clintons Bankenregulierung war ein zentraler Auslöser der Schulden- und Immobilienexzesse in den Vereinigten Staaten. "Die Deregulierung der Banken hat das Angebot an Hypothekenkrediten drastisch erhöht und damit die Hauspreise deutlich in die Höhe getrieben", lautet das Fazit der Forscher. Die Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt gilt als eine der wesentlichen Ursachen für die Wirtschaftskrise.

Favara und Imbs sind nicht die ersten Ökonomen, die einen Zusammenhang zwischen Finanzmarkt-Deregulierung und Wirtschaftskrise nachweisen. So zeigte ein Forscherteam um die Londoner Ökonomin Lucrezia Reichlin im Sommer 2010: Je lascher die staatliche Bankenaufsicht in einem Land war, desto stärker war es von der Finanzkrise betroffen.

Reichlin verglich die Finanzmarkt-Regulierung und das Ausmaß der Krise in 102 Volkswirtschaften und stellte fest: In Volkswirtschaften, in denen sich der Staat wenig in die Bankenlandschaft einmischte, brach die Wirtschaftsleistung in den Jahren 2008 und 2009 deutlich stärker ein. Über die Gründe dafür konnten Reichlin und ihre Koautoren allerdings nur spekulieren. Ihr methodisches Vorgehen ermöglichte keine Rückschlüsse auf die Kausalität. Unregulierte Banken, so vermuteten sie, gingen höhere Risiken ein und machten damit die gesamte Volkswirtschaft instabiler.

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  • Man lese nur Rudolf Hilferding`s "Das Finanzkapital" von 1910
    und es wird klar wie die Zusammenhänge wirklich sind. Die Bundesregierung könnte, bei richtigen Erkenntnisse, aus der Defensive in die Offensive kommen aber die Korruption beginnt eben im Kopf...
    Berthold Goergens, Frankfurt am Main

  • Man lese nur Rudolf Hilferding`s "Das Finanzkapital" von 1910
    und es wird klar wie die Zusammenhänge wirklich sind. Die Bundesregierung könnte, bei richtigen Erkenntnisse, aus der Defensive in die Offensive kommen aber die Korruption beginnt eben im Kopf...
    Berthold Goergens, Frankfurt am Main

  • [4] AndreAdrian,
    ...ergo decipiature!

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