Forschungsnetzwerke
Das Prinzip „invitation only“

Jung, innovativ und nicht allein. Wer als Nachwuchsökonom international an die Spitze will, braucht vor allem eines: die Mitgliedschaft in einem renommierten Forschungsverbund. Doch bei der Aufnahme wird stark selektiert. Um das elitäre Niveau aufrechtzuerhalten, gilt „invitation only“.

DÜSSELDORF. Aus der Fülle der kleinen, mittleren und großen Netzwerke ragen vier besonders heraus: das US-amerikanische National Bureau of Economic Research (NBER), das britische Centre for Economic Policy Research (CEPR), das Research Network des CESifo aus München und das Netzwerk des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), das sich im Gegensatz zu den anderen drei weitgehend auf die Arbeitsökonomie beschränkt. Der Anspruch dieser Forschungsverbünde ist hoch: Die Topökonomen der Welt wollen sie unter ihrem Dach vereinen und dadurch die wissenschaftliche Zusammenarbeit ihrer Mitglieder fördern.

Gerade für junge, ehrgeizige Wissenschaftler wird vieles einfacher, sobald sie zu einem der vier großen Netzwerke gehören. Doch bei der Aufnahme wird stark selektiert. Um das elitäre Niveau aufrechtzuerhalten, gilt „invitation only“. Ohne offizielle Einladung bleibt der Zugang verwehrt – und die Auswahlverfahren sind nicht sehr transparent.

Drei große Vorteile bieten die Netzwerke ihren Mitgliedern: Sie laden regelmäßig zu Konferenzen, auf denen sich die Forscher mit guten Vorträgen in der Szene profilieren und neue Kontakte knüpfen können. Sie erleichtern den Zugang zu Forschungsmitteln. Und durch die Working-Paper-Serien können die Mitglieder ein großes Publikum auf ihre aktuellen Arbeiten aufmerksam machen, lange bevor sie in den ökonomischen Fachmagazinen veröffentlicht werden.

Michelle Tertilt ist erst seit wenigen Monaten Mitglied bei CEPR und NBER und vom regen Feedback angetan. „Ich habe ein Paper eingestellt und war erstaunt, wie viele Leute es gelesen haben“, schwärmt die junge Ökonomin, die an der US-Universität Stanford forscht. Sie habe auf einer Konferenz reges Feedback bekommen, und auch per E-Mail gab es Anregungen. „Ich habe Kommentare bekommen wie: ,Dieses Paper hast du gar nicht zitiert, obwohl es relevant ist. Schau es dir doch noch mal an.’ Das ist sehr hilfreich“, sagt Tertilt.

Zwar sind die Netzwerke vor allem an renommierten Mitgliedern interessiert, um so den eigenen Marktwert zu steigern. Dennoch öffnen sie sich auch vielversprechenden Nachwuchsforschern, die erst in etwa zehn Jahren zu den besten der Welt gehören könnten. Um diese Abstufung kenntlich zu machen, gibt es klare Hierarchien, die – je nach Netzwerk – leicht variieren. In der Regel sehen sie so aus: Junge Ökonomen werden als sogenannte Affiliates eingeladen und müssen sich innerhalb einer gewissen Zeitspanne profilieren. Beim CEPR haben die Neuen sieben Jahre, beim CESifo vier Jahre Zeit, um sich durch gute Veröffentlichungen und Engagement für das Netzwerk einen Namen zu machen. Danach entscheidet eine Kommission über den Aufstieg zum Research Fellow. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, muss gehen.

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