Fortschritt trotz Ideenschutz
Jagd auf geistige Werte

Plagiate schaden der Wirtschaft, dies ist eine Tatsache. Doch die strikte Verschärfung des Urheberrechts allein ist keine Lösung. Unter zu strengen Regeln leidet zudem der Innovationsfluss. Der Schutz des geistigen Eigentums gerät in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung mehr und mehr zum Balanceakt.

Für Angela Merkel steht er im Zentrum ihrer Initiative für eine neue transatlantische Wirtschaftspartnerschaft: der Schutz des geistigen Eigentums. Damit weist die Bundeskanzlerin auf eine der Grundlagen jeder modernen Volkswirtschaft hin – Ideen. Unsere Regierungen sollten sich darum bemühen, dass wir in den beiden wichtigsten Wirtschaftsblöcken der Welt funktionierende, wirksame und effiziente Regeln für den Schutz von geistigem Eigentum haben. Denn international ist die Jagd auf sie eröffnet.

Allerdings sind Regierungschefs wie Frau Merkel, die dieses Thema anfassen, nur eine kleine Minderheit. Viele Politiker, aber auch die meisten Bürger reagieren darauf mit der Frage „Geistiges Was?“. Das ist eine Schande. Als ich im Auftrag von Gordon Brown, britischer Schatzkanzler und voraussichtlicher Nachfolger von Tony Blair, das Thema in einem umfangreichen Bericht untersucht habe, sind mir drei Dinge aufgefallen: erstens, dass dies für die meisten Menschen eine obskure und hoch spezialisierte Materie ist; zweitens, dass Debatten unter den wenigen Eingeweihten sofort hitzig werden, und drittens, dass geistiges Eigentum wichtiger denn je für entwickelte Volkswirtschaften ist, aber unter einem nie da gewesenen Druck steht, durch die vereinten Kräfte von Globalisierung, Digitalisierung und technologischem Wandel.

Nichts davon trifft ausschließlich auf das Vereinigte Königreich zu. Der Bericht, den die britische Regierung im vergangenen Jahr angenommen hat, enthält viele Botschaften, die für andere europäische Volkswirtschaften relevant sind und auch für die EU-Kommission, die gerade selber an dem Thema arbeitet. Anders könnte es auch gar nicht sein, denn Regeln für das geistige Eigentum (Intellectual Property, IP) zeichnet ein Paradox aus: Sie bilden ein wirklich globales Rechtssystem, das unglücklicherweise von nationalen Jurisdiktionen beschlossen, reguliert und durchgesetzt wird.

Was also macht IP-Rechte so wichtig? Und warum stehen sie so unter Druck? Die einfache Antwort auf beide Fragen lautet: wegen der Globalisierung. Sie bietet große Chancen für Unternehmen und Verbraucher, aber sie schafft auch neue Probleme. Copyrights, Patente, Warenzeichen und der Schutz von Design bilden einen unverzichtbaren Rahmen für die Innovation und Kreativität von Unternehmen und Künstlern.

Doch der Handel mit nachgeahmten oder gefälschten Produkten hat sich gewaltig ausgedehnt. Ideen zu entwickeln ist teuer, sie zu stehlen billig. Dank der Digitalisierung wird es immer einfacher, sie zu kopieren und zu vermarkten. Die Kosten dafür tendieren gegen null. Musik- und Filmindustrie büßen große Teile ihrer Umsätze durch die Piraten des File-Sharings, also des illegalen Herunterladens von Dateien, ein.

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