Führungspositionen
Was Feldversuche über Frauen verraten

Nur wenige Frauen steigen in Führungspositionen auf. Über die Gründe streiten Wissenschaftler schon seit Jahren. In einem aufwendigen Feldversuch konnten Forscher nun einen weiteren wichtigen Grund identifizieren: Frauen reagieren anders auf starken Wettbewerb.
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DÜSSELDORF. Echte oder vermeintliche Experten haben schon viele Gründe dafür ausgemacht, warum so wenige Frauen in Führungspositionen landen: Fehlendes Interesse für Macht, andere Prioritäten wie Familie oder einfach Diskriminierung. Das alles lässt sich wissenschaftlich nur schwer beweisen.

Jüngere ökonomische Forschungsarbeiten offenbarten noch einen weiteren Grund: Wettbewerb spornt Männer viel stärker an als Frauen. Und dieser Effekt ist für das Erreichen von Führungspositionen relevant. Wer in einem Unternehmen ganz nach vorne kommen will, muss sich immer wieder gegen Konkurrenten durchsetzen.

So beobachteten Ökonomen um Uri Gneezy, Professor an der Business School der University of California, San Diego: Jungen und Mädchen gehen schon im Alter von neun Jahren anders mit Konkurrenz um. Sportwettkämpfe spornten Jungen zu Höchstleistungen an, Mädchen nicht.

Dasselbe Phänomen konnten Gneezy und Kollegen in Laborexperimenten zeigen. Studenten mussten Computeraufgaben lösen; Frauen und Männer bewältigten ihre Aufgaben gleich gut, so lange es nichts zu gewinnen gab. Winkte dagegen ein Preis, steigerten männliche Probanden ihre Leistungen durch den Wettbewerb, weibliche nicht.

Reagieren Frauen zu wenig auf Konkurrenzsituationen? Lassen sie sich vielleicht sogar eher durch Wettbewerb abschrecken als anspornen? Vier Forscher aus den Niederlanden wollten das genauer wissen und kommen zu überraschenden Ergebnissen. Sie starteten einen Feldversuch in 128 Filialen einer Bekleidungseinzelhandelskette in den Niederlanden. Die Forscher konnten die Erfolge männlicher und weiblicher Führungskräfte mit ihren Teams in einer normalen Alltagssituation beobachten. Die rund 1 600 Mitarbeiter wussten nicht, dass sie Teil eines Experiments waren.

Die Ökonomen wollten wissen, wie weibliche und männliche Filialleiter darauf reagieren, wenn sie sich einem unternehmensinternen Wettbewerb der Filialen um das größte Umsatzwachstum stellen. Die Forscher notierten das jeweilige Geschlecht der Filialleiter und das ihrer im Schnitt zwölf Mitarbeiter. Anhand der Vorjahresumsätze wurden die Filialen in Fünfergruppen mit jeweils ähnlichen Umsätzen aufgeteilt. Diejenigen Manager und Mitarbeiter eines Shops, die innerhalb von sechs Wochen in ihrer Fünfer-Gruppe am besten abschnitten bekamen 75 Euro, die zweitbesten 35 Euro pro Person. Zunächst stellten die Forscher fest, dass durch den Wettbewerb die Umsätze in den Filialen deutlich stiegen, und zwar um fünf bis sieben Prozent. Doch die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Teamleitern waren keineswegs so eindeutig, wie es die Laborexperimente erwarten ließen.

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