Gastkommentar
Es gibt keine Kreditverknappung!

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Weltweit besteht die Auffassung, dass die Krise auf dem US-Subprime-Markt eine Kreditverknappung zur Folge haben und die Aktienmärkte weltweit in eine Baisse führen wird. Unsinn! Lassen Sie sich nicht verunsichern, und verpassen Sie nicht die bevorstehende Herbstrally. Die Kurskorrektur könnte auch etwas länger dauern: Viele Aktienwerte legen eine rasante Achterbahnfahrt hin, ehe die eigentliche Rally beginnt. Die Aufwärtsbewegung wird jedoch kommen, und sie wird deutlich ausfallen.

Woher ich das weiß? Der Eintritt in einen Bärenmarkt unterscheidet sich stark von Bullenmarktkorrekturen. Bei Kurskorrekturen handelt es sich um kurze, heftige Kursverluste, ausgelöst durch eine angsteinflößende Story, die sich später als belanglos oder sogar töricht herausstellt – oder aber durch eine Katastrophe, die sich im letzten Moment abwenden ließ. Ganz ähnlich ist es jetzt, wobei das Unheil scheinbar in Form einer Kreditkrise droht, ausgelöst von Hypotheken für Kreditnehmer mit schlechter Bonität.

Manchmal reicht eine derartige Story, gefolgt von einer weiteren kurze Zeit später. Denken Sie nur an 1998. Zuerst die Währungskrise in Russland, gefolgt von der vermeintlichen LTCM-Krise (Long-Term Capital Management) – und weltweit kam es auf den Aktienmärkten zu Kurseinbrüchen von über 20 Prozent. Nur drei Monate später verzeichneten die globalen Aktienmärkte jedoch ein Plus von 23 Prozent für das Jahr 1998, das vollständig auf das letzte Quartal des Jahres zurückging, also nachdem die Auswirkungen der Kurskorrektur nachgelassen hatten.

Umgekehrt bewegen sich Bullenmärkte vor dem Übergang in einen neuen Bärenmarkt für eine Zeitspanne von etwa sechs bis acht Monaten mit wellenförmigen Kursschwankungen von rund acht Prozent um die Höchstwerte und sind von überschwänglicher Euphorie gekennzeichnet. Eine einzige Ausnahme bestätigt die Regel: 1987 begann und endete der Bärenmarkt so schnell, dass die genannten Zeitspannen nicht auszumachen waren. Im Jahr 2000 gab es für die amerikanischen Non-Tech-Werte eigentlich positive Prognosen, und der Dax war nur um fünf Prozent gefallen – das langsame Auf und Ab eines Markthöhepunkts. Fehlende Euphorie, gepaart mit einem steilen Kursverlust des Indexes wie in diesem Sommer, deutet auf eine klassische Kurskorrektur hin.

Wieso kann die Kreditkrise belanglos sein? Ganz einfach: Es gibt gar keine echte Krise! Eine wirkliche Kreditkrise manifestiert sich in den Credit-Spreads, der Renditedifferenz zwischen Anleihen derselben Laufzeit mit und ohne Ausfallrisiko. Die Differenz bestimmt die Risikoprämie, die ein Unternehmen dem Anleger zahlen muss. Je schlechter die Kreditqualität, desto teurer und schwieriger wird es, sich Geld zu leihen. Treten große Differenzen auf, was nicht immer der Fall sein muss, ist dies ein sicheres Warnzeichen für eine bevorstehende Baisse.

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