Gehaltsstudie
Manager werden nicht nach Leistung bezahlt

Ökonomen halten die Gehälter deutscher Manager für unverhältnismäßig. Wie viel ein Vorstand verdient, hängt weniger von seiner eigenen Leistung als von der seiner Kollegen ab. Oft bestimmt sogar der Zufall das Gehalt.
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Frankfurt/LondonFür Telekom-Chef René Obermann war 2011 kein besonders berauschendes Jahr: Um drei Prozent ist sein Jahreseinkommen gefallen. 3,27 Millionen Euro hat Obermann im vergangenen Jahr laut Telekom-Geschäftsbericht verdient - knapp 100 000 Euro weniger als 2010.

Solche Gehaltseinbußen sind für Topmanager eine echte Seltenheit. In der Regel kennt ihre Vergütung nur eine Richtung: nach oben. In den vergangenen 30 Jahren sind die Gehälter von Führungskräften in Deutschland wesentlich schneller gestiegen als die Einkommen von normalen Arbeitnehmern. Im Jahr 2010 war auch Obermanns Einkommen noch um stolze 23 Prozent gestiegen.

Oft lassen sich diese enormen Gehaltssprünge in den Vorstandsetagen allerdings nicht mit der Leistung der Manager erklären - zu diesem Schluss kommen die Ökonominnen Dalia Marin (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Francesca Fabbri (University of East Anglia, Norwich) in einer neuen Studie. "Die Gehälter in deutschen Vorständen folgen völlig falschen Anreizen", sagt Dalia Marin, derzeit Gastprofessorin an der US-Universität Harvard.

Die Wissenschaftlerinnen haben für die 500 größten deutschen Unternehmen ausgewertet, wie sich die Bezahlung der Vorstandsmitglieder seit 1977 entwickelt hat. Grundlage dafür waren detaillierte Daten der Beratungsgesellschaft Kienbaum, die einen bislang einzigartigen Einblick in die Lohnstrukturen der Topmanager geben.

Im Schnitt verdient ein Vorstandsmitglied heute mehr als dreimal so viel wie noch vor drei Jahrzehnten, stellen die Forscherinnen fest. Die Gesamtvergütung stieg pro Kopf von 1977 bis 2007 inflationsbereinigt von 200.000 Euro auf 700.000 Euro pro Jahr.

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  • Wie überall gibt es gute und weniger gute. Wer das Buch "Nieten in Nadelstreifen" mag selber beurteilen, wie viele Gute er benennen kann. Der Skandal dabei ist der goldene Abgang von grossen Nieten, die nichts positives geleistet haben.

  • Bei seriosen Studien geht es nicht darum irgendwelche Überraschungen zu präsentieren, sondern auf Basis empirischer Daten Zusammenhänge herauszuarbeiten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Bemerkenswert in diesem Fall ist, dass der weit verbreitete gefühlte Eindruck des Gegensatzes zwischen Managerleistungen und Managereinkommen mal wissenschaftlich untersucht und bestätigt wurde. Das Ergebnis überrascht dabei in keinster Weise.

  • Oder Hartz IV beantragen;-)

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