Georg von Krogh
Der große Blonde aus dem Norden liebt die Schweiz

Georg von Krogh geht gerne fremd - natürlich rein akademisch. Für seine Forschung überspringt der Spezialist für Strategie- und Innovationsforschung die Grenzen seiner Disziplin. Seiner Universität ist der gebürtige Norweger dagegen treu: Trotz zahlreicher Angebote aus dem angelsächsischen Ausland möchte er Zürich nicht verlassen.
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ZÜRICH. Wenn Georg von Krogh aus dem Fenster blickt, schaut er auf den Uetliberg. Der ist zwar für die nahe gelegenen Alpen ein Zwerg, aber mit seinen 871 Metern immerhin die größte Erhebung rund um Zürich. Der Blick auf den kleinen Gipfel vor der Haustür ist offenbar ein Ansporn für den ehrgeizigen Professor der Betriebswirtschaftslehre: „Die Forschung macht mir Spaß, und ich will ganz vorne mit dabei sein“, sagt von Krogh. Ganz vorne ist er im neuen BWL-Handelsblatt-Ranking zwar noch nicht. Aber mit Platz elf gehört der gebürtige Norweger zu den international erfolgreichsten Forschern im deutschsprachigen Raum.

Von Krogh zeigt zwar Verständnis dafür, dass viele seiner Fachkollegen mit ihren Lehrverpflichtungen so beschäftigt sind, dass nur wenig Zeit für die Forschung bleibt. „Die Lehre ist im deutschen Sprachraum stark verwurzelt“, sagt er. Außerdem habe die BWL es mit enormen Studentenzahlen zu tun. Dennoch hat der 46-jährige Spezialist für Strategie- und Innovationsforschung es geschafft, seinen Alltag so zu organisieren, dass er genügend Freiraum hat. „Ich reserviere drei bis vier Tage pro Woche nur für die Forschung“, berichtet er. Sein Institut an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich bietet ihm dafür ideale Bedingungen. Auf etwa 560 Studenten kommen insgesamt 17 Professoren. An den deutschen Massen-Unis müssen sich BWL-Professoren oft um tausend Studenten kümmern.

Der Norweger, der bereits an der italienischen Top-Uni Bocconi in Mailand und an der Managerschmiede St. Gallen gelehrt und geforscht hat, weiß die Bedingungen an der ETH zu schätzen. Zwar habe es immer wieder mal Angebote aus dem angelsächsischen Ausland gegeben. Dort sei die Spezialisierung größer, und die Forschungsbedingungen seien noch besser. So gebe es an einer US-Universität allein für das Gebiet Strategie bis zu 20 Professoren. „Ich liebe jedoch die Schweiz und habe sehr gute Kollegen in Deutschland“, sagt der gelernte Ingenieur. Außerdem genieße er den intensiven Austausch mit seinen europäischen Kollegen. Etwas, das im stärker wettbewerbsorientierten Amerika keineswegs selbstverständlich sei.

An der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis fühlt sich von Krogh am wohlsten. „Ich bin einer der wenigen, die nicht nur empirisch arbeiten, sondern auch pure Theorie machen“, sagt der groß gewachsene Blonde aus dem Norden. Dabei überspringt er auch gerne mal die Grenzen seiner Disziplin und tummelt sich in fremden Forschungsrevieren. „Ein Viertel meiner Veröffentlichungen in den vergangenen fünf Jahren ist im Handelsblatt-Ranking gar nicht berücksichtigt“, erklärt er. Diese Arbeiten seien in naturwissenschaftlichen oder technischen Zeitschriften erschienen.

Obwohl der Norweger ein Freund der interdisziplinären Forschung ist, verteidigt er die Eigenständigkeit der Betriebswirtschaftslehre. So sei die Zusammenarbeit mit der Volkswirtschaftslehre zwar fruchtbar, beide Wissenschaften müssten jedoch ihre Rechte wahren. Man könne als BWLer zum Beispiel nicht mit mikroökonomischen Modellen der Nationalökonomie in den internationalen Top-Journals die Betriebswirtschaft erklären.

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