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Geringe Eigenkapitaldecke, mangelhafte Transparenz und Fehlanreize

Die Finanzmarktkrise hat sich ausgeweitet, nachdem die Banken gegenseitig das Vertrauen verloren. Zuvor waren sie unüberschaubare Risiken eingegangen, die auch von den Ratingagenturen nicht richtig eingeschätzt wurden. Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln plädiert dafür, künftig die Bankenaufsicht international besser zu koordinieren.

Die Finanzmarktkrise, die im Frühsommer 2007 erstmals deutlich sichtbare Spuren hinterließ, hat im September und Oktober dieses Jahres ein Ausmaß erreicht, das vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hätte. Die großen Investmentbanken, die bis dahin als die Ikonen der modernen Finanzindustrie galten, verschwanden quasi über Nacht von der Bildfläche, entweder durch Übernahme, durch Insolvenz oder indem sie ihren Sonderstatus als Investmentbank aufgaben und zu „normalen“ Geschäftsbanken mutierten. Große Kreditinstitute bzw. Kreditversicherer wie AIG und Hypo Real Estate konnten nur durch massive staatliche Kredite bzw. durch eine staatliche Übernahme gerettet werden. Mit Island drohte sogar einem souveränen Staat die Insolvenz. Nachdem sich die Anzeichen für einen allgemeinen Flächenbrand immer mehr verdichteten, sahen sich die Regierungen der wichtigsten Industrienationen schließlich gezwungen, in Windeseile umfangreiche Rettungspakete zu schnüren, um einen drohenden weltweiten Kollaps des Bankensystems zu verhindern.

Als Ursachen für die Finanzmarktkrise lassen sich vorrangig drei Fehlentwicklungen ausmachen: die zu gering bemessene Eigenkapitaldecke, die fehlende Transparenz und Fehlanreize.

Zu gering bemessene Eigenkapitaldecke

Auf den verschiedensten Ebenen wurde mit minimalem Eigenkapitaleinsatz gearbeitet. Das Bestreben, mit möglichst geringem Eigenkapitaleinsatz hohe Risiken einzugehen, ist in der Zielsetzung, hohe Eigenkapitalrenditen zu erzielen, begründet. Wer Eigenkapitelrenditen von 15%, 20% und mehr erzielen möchte, dem stehen zur Umsetzung dieser Zielsetzung grundsätzlich drei Strategien offen:

- Man kann versuchen, hohe Überschüsse zu erzielen durch überlegene Produkte, durch ein überlegenes Know-How oder durch besondere Kosteneffizienz in der Produktion von Finanzdienstleistungen.

- Höhere erwartete Renditen lassen sich erzielen, indem auf der Aktivseite entsprechend hohe Risiken eingegangen werden.

- Die erwartete Eigenkapitalrendite lässt sich zusätzlich steigern, indem der Leverage-Effekt genutzt wird, d.h. indem der Eigenkapitalanteil reduziert wird. Damit steigt allerdings auch das Risiko, das die Eigenkapitalgeber zu tragen haben.

Fehlende Transparenz

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