Gesundheitsmanager
Halbmanager in Weiß

Das deutsche Gesundheitswesen muss sparen - und setzt dafür auf betriebswirtschaftliche Methoden. Gesundheitsmanager durchleuchten Kliniken und Praxen, um Abläufe effizienter zu gestalten oder neue Anreizsysteme für Mediziner zu entwickeln. Die Spezialisten könnten in Deutschland bald sehr gefragt sein.
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NEW YORK. Wenn Katharina Janus in Krankenhäusern vorspricht, um Teilnehmer für ihre wissenschaftlichen Studien zu gewinnen, ahnt sie zuweilen schon das Ergebnis der Befragung: „Manche Dinge liegen wirklich in der Luft.“ Muss sie einen Spalier von Ärzten abschreiten, die sich nach Rang geordnet aufgestellt haben, kreuzen junge Mediziner im Fragebogen den Wunsch nach mehr Freiraum an. Ist die Begrüßung locker, und es gibt Kaffee und Kuchen, loben sie die Kollegialität der Abteilung.

Mit ihren Studien zur Arbeitszufriedenheit und Motivation von Ärzten gehört die Deutsche, die derzeit an der Columbia-Universität in New York lehrt, zu den Pionieren ihres Fachs. Janus vertritt einen Zweig der Betriebswirtschaftslehre, der in Deutschland eine recht junge Disziplin ist: Gesundheitsmanagement.

Dabei werden Führungstechniken, Steuerungsinstrumente und Organisationsprinzipien, die in Unternehmen selbstverständlich sind, auf Krankenhäuser und Arztpraxen übertragen. Es ist ein klassischer mikroökonomischer Ansatz: Nicht das System steht im Vordergrund, sondern die individuellen Organisationen und ihre Entscheidungsträger.

In den USA hat sich diese Richtung seit den 80er-Jahren herausgebildet, im Zuge der Einführung von „Managed Care“. So nannte man den Versuch, im Gesundheitswesen Kosten zu sparen und die Qualität zu verbessern, indem Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser besser zusammenarbeiten und nach ihrer Leistung bezahlt werden.

Die Verzahnung der verschiedenen Ärzteschaften war zwar nur begrenzt erfolgreich, doch der Forschungsansatz hat sich erhalten. Er trägt dazu bei, dass viele US-Mediziner und Krankenhausdirektoren ihr Geschäft hochprofessionell managen und teamorientiert arbeiten.

Das deutsche Gesundheitswesen hinkt dieser Entwicklung hinterher. „Im Praxis- und Zeitmanagement sowie bei Führungsstrategien besteht Nachholbedarf“, sagt Janus. Zu diesem Befund passt, dass hierzulande bislang erst wenige Hochschulen Studiengänge zum Gesundheitsmanagement anbieten, oft als berufsbegleitende Weiterbildung oder Masterstudiengang. Daneben gibt es die Gesundheitsökonomie, die meist eine volkswirtschaftliche Perspektive einnimmt. Manchmal überlappen sich die Inhalte auch. Doch Gesundheitsmanagement liegt im Trend: So bauen die Universitäten in Ulm und Hamburg entsprechende Lehrstühle auf.

Spezialisten im Gesundheitsmanagement sind in den USA die University of California Berkeley, die Wharton School of Business, die University of Michigan und die Harvard Business School (HBS), die 2005 eine interdisziplinäre Initiative zu dem Thema ins Leben gerufen hat. HBS-Dekan Jay O. Light ist überzeugt: „Der Gesundheitssektor ist eine Branche, in der Managementfertigkeiten extrem wichtig sind und große materielle Unterschiede ausmachen können.“

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