Getreide-Markt

Die Rohstoff-Zocker

Neue Studien lassen vermuten, dass Spekulanten Lebensmittelpreise nach oben treiben und damit mitschuldig an Hungersnöten sind.
29 Kommentare
Die gehandelte Menge an Getreide ist um ein Vielfaches höher als das, was tatsächlich geerntet wird. Quelle: dapd

Die gehandelte Menge an Getreide ist um ein Vielfaches höher als das, was tatsächlich geerntet wird.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Protest, er wächst täglich: Rund 165.000 Menschen haben inzwischen eine Onlinepetition unterzeichnet, die die Finanzindustrie zum Ausstieg aus spekulativen Geschäften mit Lebensmitteln auffordert. Adressat des Aufrufs ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der auch Vorsitzender des weltweiten Bankenverbands IIF ist.

Die Aktivisten machen Geldhäuser und Börsen für die enorm gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel verantwortlich - und damit für die Welthungerkrise der Jahre 2007 und 2008. Innerhalb von zwei Jahren hatten sich damals die Preise für Weizen, Mais und Reis mehr als verdoppelt. Zwar fielen sie danach wieder, doch heute liegen sie erneut auf einem gefährlich hohen Niveau. Weltweit hungern jetzt eine Milliarde Menschen, schätzen die Vereinten Nationen.

Doch was ist dran an dem Vorwurf, die Finanzinvestoren hätten Spekulationsblasen erzeugt und Hungersnöte mitverursacht? Mehrere Forscherteams haben jetzt Studien vorgelegt, die die Spekulanten in Erklärungsnöte bringen.

So kommen drei Volkswirte der Universität Münster zu dem Schluss: Spekulanten haben den Weltmarkt für Getreide in den vergangenen zehn Jahren deutlich instabiler und schwankungsanfälliger gemacht. Die Ökonomen Philipp Adämmer, Martin Bohl und Patrick Stephan werteten die Börsenkurse für Weizen und Mais der letzten 25 Jahre aus. Der Anteil der Akteure, die nur aus Spekulationszwecken auf dem Markt agieren, ist in dieser Zeit deutlich gestiegen.

Parallel dazu wichen die Preise immer häufiger von dem fundamental gerechtfertigten Wert ab, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. „Unsere Ergebnisse zeigen genau an den Zeitpunkten Spekulationsblasen, wo man sie erwartet hätte“, sagt Patrick Stephan - 2008 und 2011, den Jahren mit besonders hohen Nahrungsmittelpreisen.

Die Arbeit stützt die Ergebnisse eines Forscherteams der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad), das die Preisbildung nicht nur für Nahrungsmittel, sondern für Rohstoffe insgesamt untersuchte. Die Wissenschaftler kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass die fundamentalen Faktoren von Angebot und Nachfrage für die Preisbildung an Bedeutung verloren haben und Finanzspekulationen die Preisausschläge verstärken.

Gehandelte Menge ist höher als die Ernte
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Getreide-Markt - Die Rohstoff-Zocker

29 Kommentare zu "Getreide-Markt: Die Rohstoff-Zocker"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Von einer Zeitung wie dem Handelsblatt sollte man doch erwarten, dass sie nicht allen Quatsch den irgendwelche selbsternannten Forscher von sich geben, übernimmt.

    Wäre es nicht eine schöne Aufgabe des HB die genaue Funktion, die Zusammenhänge zwischen Preis und Ernte zu erläutern?

  • Haben wir schon mitbekommen: Spekulanten retten Leben. Jetzt fühl ich mich natürlich besser:

    Auf die Freiheit!

  • Zumindest beweisen wir beide, dass sich nie etwas ändern wird und kann, wenn wir zwei arme Schlucker, die nicht aus Deutschland rauskommen :-), schon so unterschiedlicher Meinung sind. Aber Unwissende - was ja alle sind, die spekulieren - wie mich, fragt ja zum Glück keiner. So lebe ich mit meiner Meinung meistens lang alleine und halte einmal Industriemetall, ein andermal eben nicht! Wie hoch der Preis noch steigen wird, wird sich zeigen, aber auch, wie tief er fällt. Gut, dass ich den Zeitpunkt nicht kenne, nur erahnen kann.

    Sollte ich mal 'nen Rat benötigen, wende ich mich hier an dieses Blog. Mal schau'n, ob mir auch künftig nominale Gewinne sicher sind.

  • Wo findet man die Literaturquellen?

  • Alles schön, was Sie da erzählen. Allerdings zeigen Sie deutlich, dass Sie keine Ahnung davon haben, wie Angebot und Nachfrage funktionieren. Glauben Sie ruhig weiter, dass sie für alles die böse Spekulation verantwortlich ist. Dann hat die Politik genau das erreicht, was sie möchte. Nämlich ahnungslosen Pseudointelektuellen glauben zu machen, dass sie alles durchschaut hätten. Leider reicht bei den meisten Akademikern (und vor allem auch Technikern, Ingenieuren usw.) das ökonomische Verständnis nicht aus, um das zu beurteilen, auch wenn sie in ihrem Fachgebiet sehr gut sind. Alleine aus Deutschland raus zu kommen (was übrigens nicht nur Ihnen vorbehalten ist), reicht dazu auch nicht.

  • Fortsetzung ist natürlich gemeint gewesen! :-)

  • - Hochleistungssorten verbrauchen eine Unmenge an Wasser unter Beigabe von viel Dünger, was den Boden außerordentlich beansprucht
    - nur 30% des Bodens in Asien, 20% in Lateinamerika und weniger als 11% in Afrika verkraften den Anbau von solchen Pflanzen
    - sie sind sehr anfällig für Schädlinge, was extrem viel Schädlingsbekämpfungsmittel erfordert oder versucht wird durch Gentechnik auszugleichen (unbekannte Gefährdung aller Menschen und Tiere zugunsten eines kurzfristigen Gewinnes für transnationale Konzerne und deren Besitzer!)
    - hoher Energieeinsatz ist erforderlich (höher als der mögliche Gewinn!) ...
    = mehr Abhängigkeit der Armen gegenüber den Reichen, was durch Anschaffungskredite zum absoluten Untergang der Massen führt

    Aber gut: Trotteln wird das alles als fördernde Spekulation verkauft - und sie glauben das auch noch. Blöd, wenn man aus Deutschland nicht rauskommt!


  • - Hochleistungssorten verbrauchen eine Unmenge an Wasser unter Beigabe von viel Dünger, was den Boden außerordentlich beansprucht
    - nur 30% des Bodens in Asien, 20% in Lateinamerika und weniger als 11% in Afrika verkraften den Anbau von solchen Pflanzen
    - sie sind sehr anfällig für Schädlinge, was extrem viel Schädlingsbekämpfungsmittel erfordert oder versucht wird durch Gentechnik auszugleichen (unbekannte Gefährdung aller Menschen und Tiere zugunsten eines kurzfristigen Gewinnes für transnationale Konzerne und deren Besitzer!)
    - hoher Energieeinsatz ist erforderlich (höher als der mögliche Gewinn!) ...
    = mehr Abhängigkeit der Armen gegenüber den Reichen, was durch Anschaffungskredite zum absoluten Untergang der Massen führt

    Aber gut: Trotteln wird das alles als fördernde Spekulation verkauft - und sie glauben das auch noch. Blöd, wenn man aus Deutschland nicht rauskommt!

  • @ Liberty

    "... Im nächsten Jahr ist das Angebot höher und kann die Nachfrage besser bedienen. Weniger Hunger! ..."

    Klingt gut für dich? Das freut mich doch! Nur, dass ein höheres Angebot nicht zu weniger Hunger führt, sondern kurzfristig zu niedrigeren Preisen, weswegen keiner mehr zu sich nimmt als zuvor. Dafür wird mehr weggeworfen, damit die Preise wieder steigen oder auch weniger produziert, was natürlich auch eine Form der Spekulation darstellt. Jeder Bäckermeister kennt das Problem mit dem Vernichten der Lebensmittel am Ende eines Tages - nur Spekulanten ignorieren es. Eine größere Nutzung der Bodenfläche richtet allgemein und langfristig auch mehr Gesamtschaden an. Das gleiche gilt für die neueren Geräte, weil sie und mit ihnen zu produzieren auch bedeutet, den Verbrauch an Bodenrohstoffen zu erhöhen (einzige, aber dumme Ausrede: mehr Arbeitsplätze, was hauptsächlich die Reichen unterstützt; bei mehr Gemeinsinn würde zunehmend ausbeuterische Produktion und der ihr inhärente, sinnlose Ressourcenverbrauch allerdings zugunsten geringerer Muss-Arbeitsstunden verschoben, wodurch Probleme langfristig nur für die Hyperreichen entstünden, nicht für das zuerst [von genannten Protagonisten solches Systems] bekämpfte Volk) und dadurch die Umwelt immer ärger zu belasten. Das mit dem teureren Saatgut ist auch so eine Geschichte, weil es die Gesamtarmut erhöht (lerne das gymnasiale Kapitel über die "Grüne Revolution" in Indien! - verwende nicht das Internet, weil es verblödet und nur für Überblicksinformation tauglich ist!).

  • Hallo.
    Das hätte ich vom Handelsblatt nicht erwartet,nämlich die
    Behauptung,dass Spekulanten Hungersnöte verursachen können.
    Angebot und nachfrage am Spotmarkt bestimmen langfristig die Preise und entscheiden ob der Spekulant verdient oder
    verloren hat.
    Gäbe es keine Spekulanten,müssten sie noch erfunden werden.
    Gruss E. Wellerding

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%