„Gewisse Übertreibung“ an den Märkten
BIZ-Chefökonom warnt vor neuer Finanzkrise

Claudio Borio, Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sieht die Märkte in einer ähnlichen Situation wie vor der Finanzkrise 2008. So werden die billigen Kredite falsch genutzt.
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BerlinDer Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. „In der Tat sehen wir das Risiko, dass die derzeitige Geldpolitik aus globaler Perspektive zu Gefahren für die Finanzstabilität führt“, sagte Claudio Borio, der die Abteilung für Volkswirtschaft und Geldpolitik leitet, der „Welt“.

„Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen“, beklagte er. Er sprach von „gewissen Übertreibungen“ an den Märkten und einer Situation, die der vor der Finanzkrise 2008 ähnlich sei. Die Gefahr von gefährlichen Blasenbildungen gebe es sowohl in Schwellen- wie in Industrieländern.

„Das Kreditvolumen hat stark zugenommen, oft begleitet von stark ansteigenden Immobilienpreisen“, beschrieb Borio ein klassisches Ungleichgewicht, das in einigen Staaten erneut zu beobachten sei. In Industrieländern, die von der Krise besonders betroffen waren, gebe es ein weiteres Phänomen: „Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während an den Finanzmärkten bis vor kurzem hohe Risiken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten.“ Manager hätten billiges Geld lieber für Übernahmen und Aktienrückkäufe genutzt als zu investieren. „Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagte Borio.

An den Finanzmärkten hätten Investoren verzweifelt nach Renditen gesucht, was zu sehr geringen Risikoaufschlägen bei Wertpapieren und historisch geringer Volatilität geführt habe. Insgesamt sieht der BIZ-Chefökonom die Notenbanken in der Pflicht, stärker auf die Finanzstabilität zu achten und die Gefahr von Übertreibungen.

Die BIZ ist die Bank der Notenbanken. Deutschland ist durch die Bundesbank vertreten. Bei der Kooperation der Zentralbanken und der internationalen Bankenregulierung spielt sie eine Schlüsselrolle.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Gewisse Übertreibung“ an den Märkten: BIZ-Chefökonom warnt vor neuer Finanzkrise"

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  • Kluge Worte aus berufenem Munde.
    Nur zu spät für eine klare Wende im Kurs gegen die Wand.

  • Zu einem dritten Weltkrieg wird es wohl nicht kommen, eher, wie das alte Rom, zu einer sehr langen Vorherrschaft der USA (vielleicht die nächsten 200-300 Jahre), die technologisch und von ihrer Waffengewalt her ihres gleichen suchen. Einen gegenseitigen Atomaren Abschlag, so dumm ist auch Putin nicht, würde zu einer Apokalypse führen. Trotzdem sollte die Welt sich auf schwere Zeiten einstellen (in Form vieler kleiner Brandherde), in der sehr viele Menschen wieder Bescheidenheit lernen müssen. Nach einer Flurbereinigung (in Form von Abwertung und anschließender Währungsreform), die Geschichte zeigt es, geht es dann aber wieder bergauf.

  • und weil die Blasen das Finanzsystem zerlegen, beeilt man sich mit dem Beginn vom 3. Weltkrieg, gell?

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