Globale Krise
Chinas Exportwunder stößt bald an Grenzen

Und selbst wenn die chinesische Regierung der Exportindustrie noch mehr mit Subventionen helfen würde, als sie es bisher tut, rechnen die Forscher vor, dass das Wachstum an Grenzen stößt. Denn dann würden die exportorientierten Branchen ihre Überkapazitäten, die sie schon vor den gewaltigen Konjunkturprogrammen aufgebaut hatten, weiter aufblähen. Dadurch würden die Gewinne der Industrien zusätzlich erodieren und stiege die Gefahr, dass die Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

Schon jetzt habe China Schlagseite: Die Nettoexporte und die Investitionen, von denen ein großer Teil in den Ausbau der Exportwirtschaft floss, haben von 2001 bis 2008 rund 60 Prozent des chinesischen Wachstums ausgemacht. Bei den Wirtschaftsmächten der G7 betrug dieser Anteil nur 16 Prozent, in der Euro-Zone 30 Prozent.

Darum halten Kai Guo und Papa N'Diaye einen wirtschaftspolitischen Strategiewechsel für unabdingbar. China müsse die Inlandsnachfrage stärken und die Wirtschaft neu ausbalancieren. Der Staat müsse in Gesundheit, Bildung und ein Rentensystem investieren und es damit den Chinesen ermöglichen, ihre enorm hohe Sparquote zu senken und mehr zu konsumieren.

In einer zweiten Studie beschäftigen sich die beiden Ökonomen mit den Auswirkungen eines solchen Strategiewechsels auf den chinesischen Arbeitsmarkt. Darin kommen sie zu dem Schluss, dass ein Ausbau des Dienstleistungssektors langfristig die Erwerbstätigenzahl steigern würde. In der Übergangszeit drohe allerdings die Arbeitslosigkeit zu steigen. Die exportorientierten Unternehmen müssten ihre Überkapazitäten abbauen und Arbeitskräfte entlassen. Diese würden erst nach und nach von neuen Unternehmen im Dienstleistungssektor absorbiert.

China würde auch damit die Entwicklung Japans und Südkoreas nachvollziehen. Doch die schiere Größe des Landes macht aus seinem Aufstieg ein einmaliges Experiment.Die chinesische Bevölkerung ist rund zehn Mal so groß ist wie die japanische. Um nur die Hälfte des Pro-Kopf-Einkommens der USA zu erreichen, müsste China bis 2040 einen Weltmarktanteil von 20 Prozent erobern.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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