Globale Krise
Chinas Exportwunder stößt bald an Grenzen

Chinas Bedeutung in der Weltwirtschaft wächst unaufhörlich. Die gegenwärtige globale Krise wird den Aufstieg des Reichs der Mitte zur führenden Wirtschaftsmacht beschleunigen. Wann China an den USA vorbeizieht, scheint nur noch eine Frage der Zeit - oder? Zwei Ökonomen sind da nicht so sicher.

DÜSSELDORF. Zwei Ökonomen melden Zweifel an, dass die klassische Exportüberschuss-Strategie, mit der auch Deutschland und Japan den Aufstieg zu Wirtschaftsmächten schafften, die Chinesen noch weit tragen wird. Es gebe sogar gute Gründe, anzunehmen, dass diese Strategie schon bald an ihre Grenzen stoße, argumentieren der Harvard-Ökonom Kai Guo und der Asienexperte des Internationalen Währungsfonds (IWF), Papa N'Diaye, in einer jüngst als IWF-Papier veröffentlichten Studie.

Wenn China weiterhin vor allem durch einen Ausbau der Exportwirtschaft den Wohlstand steigern wolle, dann müsse das Land in einem enormen Tempo die Weltmarktanteile in wichtigen Branchen steigern - und das in einer Phase, in der die globale Nachfrage noch auf Jahre hinaus schwach bleiben dürfte. Das wäre nach Ansicht der Forscher nur mit Hilfe massiver Preissenkungen möglich, die die Gewinne der chinesischen Exportunternehmen binnen weniger Jahre auffressen würden.

Kai Guo und Papa N'Diaye haben den Aufstieg Chinas mit den erfolgreichen exportorientierten Wachstumsstrategien Japans und Südkoreas verglichen. Die Parallelen sind augenfällig: Auch Japan und Korea haben mit Branchen wie der Textilindustrie begonnen und sich nach und nach in Technologiesektoren hochgearbeitet. In Japan begann jedoch der Niedergang, nachdem das Land einen Weltmarktanteil von zehn Prozent erreicht hatte.

China habe daraus gelernt und überdies bisher die Blasenbildung im Immobilien- und Finanzsektor vermieden, die Japan zu Fall brachte. Wenn das weiterhin gelingt, trauen die Autoren China zu, die Erfolge der kleineren asiatischen Konkurrenten noch zu übertreffen.

Südkorea hat drei Jahrzehnte gebraucht, um das Pro-Kopf-Einkommen von rund einem Achtel auf die Hälfte des US-Niveaus zu steigern. Bei einem Achtel ist auch China jetzt. Damit das Milliardenvolk mit seiner Exportüberschuss-Strategie einen ähnlichen Aufstieg hinlegt, müssten die Ausfuhren in der kommenden Dekade preisbereinigt um 15 Prozent pro Jahr steigen. Am Ende der Aufholjagd, im Jahr 2040, käme China damit auf einen Weltmarktanteil von 20 Prozent.

Anhand einiger führender Exportbranchen spielen Kai Guo und Papa N'Diaye durch, ob das realistisch ist - und kommen dabei zu ernüchternden Resultaten. In der Stahlbranche zum Beispiel wäre eine Preissenkung von 45 Prozent bis 2020 nötig, damit der Weltmarkt die zusätzlichen chinesischen Exporte verdauen kann. Doch solch ein ruinöser Kurs würde die Gewinne der chinesischen Hersteller innerhalb von nur zwei Jahren auffressen. Im Werkzeugmaschinenbau, in dem China derzeit die Nummer drei hinter Japan und Deutschland ist, würden die Margen vier Jahre lang halten, im Schiffbau immerhin sieben Jahre. Und dabei liegt dem Modell die Annahme zugrunde, dass die Konkurrenten nicht ihrerseits die Kapazitäten ausbauen.

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