Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik
Georg Nöldeke: Theoretiker mit Sinn für die Praxis

Der Baseler Volkswirt Georg Nöldeke, der sich auf mikroökonomische Theorie spezialisiert hat, bekommt in diesem Jahr den renommierten Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik. Wer ist dieser Mann? Ein Porträt des in Bonn ausgebildeten Forschers von Dorit Heß.

Erst das Ausschluss-Prinzip hat ihn zur Ökonomie gebracht: Als Schüler wollte der Basler VWL-Professor Georg Nöldeke eigentlich Politik studieren. Dafür sei er mathematisch zu begabt, riet seine Politiklehrerin ab. Dann also Mathematik? Dafür sei er zu dumm, schmetterte ihm sein Vater, ein Physiker, entgegen.

Die logische Schlussfolgerung für Nöldeke: "Ich entschied mich für VWL, weil ich mir davon versprach, wirtschaftspolitische Fragen mit der Sprache der Mathematik diskutieren zu können". Dass die Wahl auf Bonn fiel und damit eine der besten VWL-Fakultäten der Republik, lag an der räumlichen Nähe: Nöldeke stammt aus dem Nahbarstädtchen Bad Honnef.

Der pragmatische Startschuss für Ökonomie fiel in Nöldekes Leben 1983. Heute, mit 42 Jahren, zählt er zu den international erfolgreichsten deutschen Volkswirten. Dafür bekam er gestern den Gossen-Preis, eine der angesehensten Auszeichnungen für Ökonomen hier zu Lande. Einmal jährlich verleiht ihn der Verein für Socialpolitik (VfS) für junge Ökonomen unter 45 Jahren, die international stark beachtet werden.

"Nöldeke hat mit seiner Grundlagenforschung entscheidende Erkenntnisse über wesentliche ökonomische Sachverhalte geliefert“, sagt der Vorsitzende des VfS, Friedrich Schneider, dem Handelsblatt. Mit Nöldeke hat die Jury erstmals seit 2004 wieder einen Theoretiker gewählt, nachdem 2005 und 2006 mit Simon Gächter und Axel Ockenfels Experimentalökonomen ausgezeichnet wurden.

In diesem Jahr kommen zwei weitere Auszeichnungen hinzu: Der Stolper-Preis für Wissenschaftler, die sich besonders um den Dialog mit der Öffentlichkeit verdient gemacht haben sowie der Selten-Preis für das beste bei der Jahrestagung eingereichte Papier eines maximal 32 Jahre alten Ökonomen. Der erste Preisträger des Stolper-Preises wird am Donnerstag, der des Selten-Preises am Freitag bekannt gegeben.

Mit Nöldeke hat die Jury erstmals seit 2004 wieder einen Theoretiker gewählt, nachdem 2005 und 2006 mit Simon Gächter und Axel Ockenfels wurden Experimentalökonomen ausgezeichnet wurden. "Ich stehe am reinen Theorieende", sagt Nöldeke selbst über seine Forschung. Er glaube an Arbeitsteilung - "und meine komparativen Vorteile liegen nun einmal nicht darin, meine Forschungsergebnisse Praktikern zu vermitteln, das merke ich jede Woche im Hörsaal", sagt er.

Daraus zu schließen, Nöldekes Forschungsinteressen seien praxisfern, wäre jedoch ein Fehler. Einer seiner meist zitiertesten Aufsätze, den er gemeinsam mit dem Münchener Ökonom Klaus Schmidt 1995 publiziert hat, befasst sich etwa mit der Frage, wie Partner langfristiger Verträge Erpressungen vermeiden können. Die Detailfrage, ob ein Zulieferer etwas nicht liefert oder ein Auftragnehmer die Annahme der Ware verweigert, sei in vorherigen Modellen als unwichtig bei Seite geschoben worden. "Dieses Detail hat aber entscheidenden Einfluss auf die Frage, wer erpressbar ist und wer nicht", erklärt Nöldeke.

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