Graduiertenausbildung: Besserer Weg zum Doktortitel

Graduiertenausbildung
Besserer Weg zum Doktortitel

Neue Graduierten-Schulen machen die klassische Promotion für Ökonomen zum Karriere-Risiko.

HB KÖLN. Eigentlich hatte Vivien Procher Deutschland längst abgeschrieben. Nach zwei Semestern Volkswirtschaftslehre an der Uni Passau ging die heute 27-Jährige an die renommierte London School of Economics, wechselte später an die Haute Ecole de Commerce in Paris. Vor der Promotion verglich die gebürtige Düsseldorferin eine Reihe von Graduiertenprogrammen – vor allem in England und den USA. Gelandet ist sie in Essen.

Seit Oktober 2005 gehört Procher zum zweiten Jahrgang der im September 2004 gegründeten Ruhr Graduate School in Economics (RGS). In Kleinstgruppen mit nur sieben handverlesenen Doktoranden ackert sie durch ein dichtes, anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm zu Ökonometrie, Mikro-, und Makroökonomie.„Die individuelle Betreuung und der Zugang zur interdisziplinären Forschung waren für mich ein Grund, zurück nach Deutschland zu kommen“, sagt sie. Ein weiterer Pluspunkt der RGS ist das generöse Stipendium: Während des dreijährigen Programms bekommt jeder Doktorand 1 000 Euro pro Monat.

Die Graduiertenausbildung für Wirtschaftswissenschaftler befindet sich in einem massiven Umbruch. Der Trend geht weg von der klassischen Promotion an einem Lehrstuhl, in der der Doktorand vom Wohlwollen seines Doktorvaters abhängig ist. Mehr und mehr setzen sich straff organisierte Graduiertenprogramme nach angelsächsischem Vorbild durch. Erst nach einem Jahr anspruchsvoller Kurse in Ökonometrie, Mikro- und Makroökonomie schreiben die Doktoranden ihre Dissertation.

Die klassische deutsche Doktorandenausbildung steht schon lange in der Kritik. Wer nach dem alten Prinzip promoviert, ist oft ein wissenschaftlicher Einzelkämpfer, der jahrelang im stillen Kämmerlein an einem Buch arbeitet und auf Gedeih und Verderb auf seinen Doktorvater angewiesen ist. Wie qualifiziert und wie fördernd dieser tatsächlich sein wird, kann auch der beste Student im Vorfeld kaum beurteilen. „Wer heute noch allein an einem Lehrstuhl promoviert, wird keine Spitzenjobs in der Forschung bekommen“, sagt Ernst-Ludwig von Thadden. Der international renommierte Ökonomieprofessor ist Absolvent der Bonn Graduate School of Economics und wissenschaftlicher Direktor des Centers for Doctoral Studies in Economics and Management an der Uni Mannheim. Die Lehrstuhlpromotion werde es zwar weiter geben, sie führe aber in die Zweitklassigkeit.

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