Graduiertenschulen
Von Amerika lernen heißt forschen lernen

Graduiertenschulen sind in Deutschland dank der Exzellenzinitiative auf dem Vormarsch. Denn wer auf internationalem Niveau forschen möchte, darf nicht vom Wohlwollen und Wissen eines einzelnen Doktorvaters abhängen. Doch die Hürden für einen Promotionsplatz an Graduiertenschulen sind hoch.
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KÖLN. Für Urs Schweizer ist klar: Wenn die deutschen Volkswirte in Zukunft international konkurrenzfähig forschen wollen, müssen mehr Menschen so denken wie er. „Wir müssen einfach in die Köpfe der Leute reinkriegen, dass akademische Forschung auf höchstem Niveau nur mit einer fundierten Graduiertenausbildung geht“, sagt der Professor aus Bonn. Mit der Bonn Graduate School of Economics (BGSE) leitet Schweizer die bekannteste Institution Deutschlands, die ihre angehenden Forscher nach US-Vorbild ausbildet.

Die Botschaft von Professoren wie Schweizer ist einfach, aber nicht für jeden leicht verdaulich. Die in Deutschland noch immer vorherrschende Art, seinen Doktortitel zu bekommen, ist nicht konkurrenzfähig. Wer auf internationalem Niveau forschen möchte, darf nicht vom Wohlwollen und Wissen eines einzelnen Doktorvaters abhängen.

Als Alternative gewinnt das Modell der Graduiertenschulen an Bedeutung. Dabei entscheidet nicht ein einzelner Professor über Aufnahme oder Ablehnung von Bewerbern, sondern ein ganzes Gremium wählt aus. Auch Ausbildung und Betreuung verlaufen nach klaren Regeln: Eine einheitliche methodische Grundausbildung ist Pflicht. In den USA ist diese Form der Doktorandenausbildung der Normalfall.

Ohne mindestens ein Jahr noch einmal ökonomische Grundlagen, Statistik und Forschungsmethoden gebüffelt zu haben, beginnt keiner der Doktoranden seine Forschungsarbeit. Häufig besteht diese dann auch nicht aus einem einzigen Buch, sondern aus mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Zurzeit befinden sich einige Graduiertenschulen im Aufbau. Und die Politik beflügelt mit ihrer Exzellenzinitiative den Trend, weiß Schweizer. „Daher sind zurzeit die Chancen außergewöhnlich gut, die dürfen wir nicht verstreichen lassen.“

Und Graduiertenschulen sind auch offen für Quereinsteiger aus anderen Fächern – Gregor Schwerhoff zum Beispiel, seit 2007 an der BGSE, hatte seinen Master in Mathematik gemacht. „Deshalb waren mir die VWL-Grundlagenkurse wichtig“, erinnert sich der 27-Jährige.

Die Hochschulen versprechen sich im Wettbewerb um die besten Forscher Vorteile durch die Graduiertenschulen. Kalle Hauss vom Institut für Forschungsinformationen und Qualitätssicherung (IFQ) in Bonn glaubt, dass die strukturiertere Ausbildung und die strengen Auswahlverfahren wissenschaftliche Exzellenz fördern. „Für die Universitäten sind die Graduiertenschulen deshalb auch ein Weg, besonders gute Forscher anzuziehen und an sich zu binden.“

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  • Über den obigen Handelsblatt-Artikel kann ich nur den Kopf schütteln.

    Man kann Falsches sehr effizient machen. ich möchte hierbei auf den Artikel parallel zu diesem verweisen: "Nobelpreisträger Krugman will alte VWL-Weisheiten „beerdigen“".

  • im Aufsatz wird der begriff 'Akademische Forschung' ohne inhaltsdefinition verwendet. Hier sollten aber angesetzt werden, um 'wissenschaftlich-methodisches Herangehen' an anwendungsorientierte Themen abzugrenzen von Elfenbeinturmgelehrsamkeit. Dies gilt auch für die Grundlagenforschung. Dissertationen über technische und/oder wirtschaftliche Themen sollten grundsätzlich von einem Gutachter aus der industrie bewertet werden. Die These 'von Amerika lernen heißt forschen lernen' bedarf der Weiterentwicklung angesichts der tw. größeren Wirtschaftsdynamik wichtiger branchen in anderen Ländern. Die Frage nach dem Umfeld in dem der Doktorand arbeitet muss zuerst die Frage nach den Forschungszielen sein: Dissertationen wofür - für den bücherschrank, für das Türschild oder die Praxis. Die meisten Nobelpreise gingen an Forscher aus den USA; deren Forschungsergebnisse unumstritten sind. Gerade deswegen drängt sich die Frage auf, warum dort die Wirtschaftskrise heranreifen und der Automobilbau globale Trends weitgegend verschlafen hat. Die Erlangung des höchsten akademischen Grades muss also breiteren Anforderungen genügen. Dies setzt aber ein aufgeschlossenes Umfeld für Neues voraus. Kennen Sie die Extreme? Es soll Wissenschaftler geben, die über Nichts alles wissen und solche, die über Alles nichts wissen. Promovierende müssen von einem Umfeld bewahrt werden, das solche Extreme heranzieht

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