Handelsblatt Ranking Volkswirtschaftslehre (VWL) - Porträtserie "Jugend forscht"
Armin Falk: Der sanfte Revolutionär

Armin Falk erforscht Fairness und Vertrauen – und ist damit international extrem erfolgreich.
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Was für eine absurde Idee! Eine Diplomarbeit über die „Ökonomie des Vertrauens“? Nein, mit so einem esoterischen Thema hatte Armin Falk in den frühen 90er-Jahren keine Chance bei den Volkswirten der Uni Köln. „Ich habe keinen Lehrstuhl gefunden, der das Thema angenommen hätte“, erinnert sich Falk. Zähneknirschend schreibt er seine Diplomarbeit 1994 über ein Standard-Thema: neue Instrumente der Geldpolitik.

Was damals weder seinen Professoren noch ihm selbst bewusst ist: Armin Falk ist seiner Zeit eine Dekade voraus. Heute ist die Rolle, die Vertrauen für das wirtschaftliche Verhalten von Menschen spielt, in internationalen Ökonomenzirkeln eine der heiß diskutierten Fragen. Regelmäßig erscheinen in den besten Fachzeitschriften der Welt Arbeiten darüber. Manchmal stammen sie von Falk, seit 2004 Professor an der Uni Bonn und Forschungsdirektor des Instituts zur Zukunft der Arbeit. So erklärt er zum Beispiel im „Quarterly Journal of Economics“, warum Beschäftigte, denen der Chef misstraut, im Job weniger motiviert sind und sich weniger engagieren.

38 Jahre ist Falk heute alt und einer der international erfolgreichsten heimischen Ökonomen. Seit 1996 haben nur zwei Deutsche mehr in den fünf besten Journalen der Welt veröffentlicht als er. „Armin Falk besitzt eine enorme Kreativität beim Erkennen interessanter Fragen, bei der Entwicklung von experimentellen Designs und anderen Methoden“, sagt sein Doktorvater Ernst Fehr von der Uni Zürich. „Ich prognostiziere ihm noch eine sehr erfolgreiche Zukunft. Es gibt wenige wie ihn.“

Zum VWL-Studium musste sich Falk erst überreden lassen – von einem Philosophen in seiner Heimatstadt Bergisch Gladbach bei Köln. „Der hat mir ans Herz gelegt: Wirtschaft passt besser zu dir als Philosophie.“ Ein starker „sozialer Impetus“ habe ihn damals angetrieben, als Schüler engagierte er sich in der Friedensbewegung. Als Kompromiss schrieb er sich auch für Philosophie und Geschichte ein. „Nach ein paar Semestern war mir klar, dass mir VWL mehr liegt.“

Heute ist Falk keiner, der politische Dogmen wissenschaftlich verbrämt. Ihm ist es wichtig, „entideologisierte Forschung“ zu betreiben. Sein ökonomisches Selbstverständnis ist differenziert. Einerseits ist er überzeugt, dass der Markt oft die besten Lösungen liefert. Andererseits glaubt er nicht, „dass der Markt alle Probleme löst“.

Als Wissenschaftler hat Falk dazu beigetragen, die VWLnäher an das tatsächliche Verhalten von Menschen heranzuführen. Bis vor kurzem postulierten Ökonomen, der Mensch handele nur egoistisch und denke nicht an Mitmenschen. Mit Experimenten wiesen Falk und Co. nach: Dieser „homo oeconomicus“ ist in der Realität eher die Ausnahme als die Regal. Auch bei ökonomischen Entscheidungen agieren die meisten Menschen als soziale Wesen, legen Wert auf Fairness und denken nicht nur an sich selbst – sie haben, wie Falk sagt „soziale Präferenzen“. Jean Tirole, VWL-Koryphäe aus Toulouse, betont: „An Falks Arbeiten schätze ich besonders die tiefgründige Analyse menschlicher Motivation und die Sorgfalt, mit der seine Experimente designt sind.“

Auf die experimentelle Wirtschaftsforschung stieß Falk durch Zufall. Nach dem Diplom in Köln wollte er bei Bruno Frey in Zürich promovieren und bewarb sich dort auf gut Glück. Frey hatte keine Stelle vakant und verwies Falk an „diesen neuen Kollegen“, der gerade nach Zürich gekommen war: Ernst Fehr, damals ein unbekannter Österreicher, heute Superstar seines Fachs. „Als Doktorand bei Ernst Fehr habe ich meine Liebe zur Grundlagenforschung entdeckt“, erzählt Falk. Doch ihn interessieren nur Themen, die „praktische Implikationen für die Gesellschaft“ haben – von Fragen der Unternehmensorganisation bis hin zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Derzeit untersucht Falk: Reagieren Menschen, die unfair behandelt werden, darauf mit Stress-Symptomen wie Bluthochdruck oder einer höheren Herzfrequenz? Die ersten Ergebnisse deuteten darauf hin. Für Unternehmen folge daraus: Wer seine Mitarbeiter unfair behandele, stresse sie und handele sich im Zweifel einen höheren Krankheitsstand und höhere Kosten ein. „Fairness ist nicht nur moralisch geboten, sondern erhöht auch die Effizienz.“

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