Handelsblatt-Studie
Das Handelsblatt Ökonomen-Ranking BWL

Sie müssen einigen Spott ertragen: Professoren der Betriebswirtschaftslehre (BWL), die sich als Wissenschaftler verstehen, schlägt manchmal sogar Häme aus den eigenen Reihen entgegen.

HB FRANKFURT. „Ich halte die Mainstream-BWL für dumm, weil sie glaubt, eine harte Wissenschaft zu sein, in einem Bereich, der weicher kaum sein kann“, sagt Fritz B. Simon, BWL-Professor an der privaten Universität Witten/Herdecke. Seine Kollegen täten so, als ließen sich alle Unternehmensentscheidungen berechnen. „Könnte man das, brauchte man einen guten Computer und keine Führungskräfte.“

Noch vor fünf Jahren hätten BWL-Professoren kaum Munition gehabt, dieses Urteil zu entkräften. Bis dahin veröffentlichten die weitaus meisten Ordinarien ihre mit bescheidenem methodischem Aufwand abgeleiteten Erkenntnisse fast nur auf Deutsch – in Büchern und wissenschaftlich drittklassigen Zeitschriften. Denn als die ältere Generation deutscher Betriebswirte sich an den Hochschulen etablierte, baute man seine Reputation noch durch Veröffentlichungen von Lehrbüchern und Monografien auf.

 Tabelle der klügsten Köpfe der BWL

Damit ist seit einigen Jahren Schluss: Wohlwollen eines akademischen Mentors und gute Vernetzung zählen nicht mehr viel. Nachwuchswissenschaftler, die sich auf einen Lehrstuhl bewerben, haben ohne eindrucksvolles internationales Veröffentlichungsverzeichnis schlechte Karten. Renommierte Zeitschriften drucken aber nur einen Bruchteil der angebotenen Manuskripte – nachdem fachkundige Gutachter über die methodische und inhaltliche Qualität geurteilt haben. Eine Wissenschaft ist die moderne deutsche BWL also allemal, ohne dabei den Kontakt zur Praxis zu verlieren.

So quantifiziert der Frankfurter Marketing-Professor Bernd Skiera anhand realer Daten, wie Preissetzungsentscheidungen von Unternehmen langfristige Kundenbindung, Erlöse und letztlich den Shareholder-Value eines Unternehmens beeinflussen. Der Kölner Personal-Spezialist Dirk Sliwka untersucht, wie Arbeitnehmer auf unterschiedliche Vergütungssysteme reagieren, und leitet daraus konkrete Empfehlungen ab.

Beide sind noch keine vierzig Jahre alt – und das ist kein Zufall. Welcher Umbruch in Gang gekommen ist, zeigt die Handelsblatt-Rangliste der führenden deutschen Betriebswirte nach Veröffentlichungen in renommierten, im Ausland wahrgenommenen Zeitschriften: Vor allem die junge Professoren-Generation arbeitet grenzüberschreitend und dominiert die Spitzenplätze. Vor zehn Jahren ließen sich die nach internationalen Wissenschaftsstandards arbeitenden Betriebswirte hier zu Lande an zwei Händen abzählen. Heute veröffentlichen einige Dutzend deutsche Hochschullehrer regelmäßig Forschungsergebnisse in den besseren und besten englischsprachigen Fachzeitschriften. „Seit wenigen Jahren gibt es in unserem Fach einen dramatischen Wandel hin zu mehr Internationalisierung“, sagt der Kieler BWL-Professor Andreas Drexl, der als einer der wenigen schon seit mehr als 15 Jahren global publiziert. „Früher haben mich einige Kollegen deswegen fast ein bisschen komisch angeguckt.“

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