Handelsblatt-Umfrage unter Top-Ökonomen
Glauben Sie, dass ein Fachbereich ...

...mit den von Uhlig skizzierten Bedingungen international wettbewerbsfähig wäre und ein attraktiver Arbeitgeber für internationale Top-Ökonomen wäre?
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Matthias Döpke (University of California, Los Angeles): So, wie Uhlig sie skizziert hat, wäre die "German School of Economics" auf jeden Fall wettbewerbsfähig, und würde sich in kurzer Zeit als eines der führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungszentren in Europa etablieren. Ein interessanter Vergleichsfall ist übrigens das „Institute of International Economic Studies“ and der Universität Stockholm. Dieses Institut ähnelt in einigen Merkmalen der skizzierten "German School", und wurde aus denselben Gründen eingerichtet. Hauptinitiator war damals Assar Lindbeck, der noch immer an dem Institut tätig ist. Das schwedische Universitätssystem hat einige der gleichen Schwächen, die es auch in Deutschland gibt. Deshalb hat Lindbeck die Gründung dieses Instituts forciert, das zwar an der Universität angesiedelt ist, aber unabhängig ist und sich aber außerhalb der üblichen Organisationsstrukturen bewegt. Wie im Uhlig-Vorschlag gibt es eine groeßere Zahl von Professorenstellen (senior und junior) und eine relativ kleine, professionelle Verwaltung. Die Forschungsunterstützung ist optimal, und das Lehrdeputat gering. Gleichzeitig gibt es durch die Verbindung zur Universität ein Ph.D. Programm. Durch das Institut ist es Schweden gelungen, hochkarätige Forscher (wie zum Beispiel Lindbeck selber, Torsten Persson, Per Krusell oder Lars Svensson) langfristig im Land zu halten. Die Forschungsleistung des Instituts ist hervorragend.

Ein Merkmal des Stockholmer Instituts, das auch in Deutschland interessant sein könnte, ist das umfangreiche Besuchsprogramm. Da Schweden genau wie Deutschland abseits des Zentrums des ökonomischen Wissenschaftsbetriebes liegt, war es wichtig, durch ein Besuchsprogramm intensiven Kontakt herzustellen. Daher sind am Institut jederzeit eine Zahl ausländischer Wissenschaftler zu Gast, so dass der wissenschaftliche Austausch ähnlich gut wie in den USA funktioniert. In Deutschland könnte es auch sinnvoll sein, Mittel für langfristige Besuche zu haben (also ein Semester bis ein Jahr). Es gibt zum Beispiel unter den deutschen Forschern in den USA einige, die für eine feste Stelle in Deutschland auch bei guten Bedingungen nicht mehr zu gewinnen wären (z.B. aus familiären Gruenden), die aber sicher gerne mehr Zeit in Deutschland verbringen würden. Am Stockholmer Institut war das Konzept, mit relativ wenigen festen Stellen und vielen Besuchsstellen anzufangen, wobei sich das Gewicht im Laufe der Jahre nach und nach in Richtung fester Stellen verschoben hat. Das wäre auch in Deutschland ein guter Ansatz; es wird nicht möglich sein, 25 „tenured professorships“ in ein bis zwei Jahren hochkarätig zu besetzen. Man könnte also kleiner anfangen, und die freien Mittel für Besucher einsetzen, um von Anfang an ein hohes wissenschaftliches Niveau zu erzielen.

Lars Ehlers (Montreal): Ja.

Steffen Huck (University College London): 25 Prozent mehr Gehalt als an amerikanischen Top-Universitaeten und Berliner Mieten? Na klar, hätte man da ein ausgezeichnetes Bewerberfeld. Aber sehr kreativ finde ich das nicht.

Ulrich Kaiser (Odense): Wenn der Vorschlag umgesetzt würde und die von mir genannten Schwächen umgangen werden könnten, dann auf jeden Fall.

Bettina Klaus (Maastricht): Eine genaue Umsetzung würde meiner Meinung nach die gewünschte Topqualität garantieren. Dabei dürfen allerdings keine Kompromisse gemacht werden. Es würde meiner Meinung nach schwierig genug sein, die entsprechenden Toptalente anzuwerben. Die Personalentscheidungen dürften auch nicht in deutscher Hand liegen. Das jetzige System ist zu geschlossen und eventuell nicht objektiv genug.

Felix Kübler (University of Pennsylvania): Das ist schwer zu sagen. Es hinge davon ab, es gelingt, eine „Grundlage“ an guten Leuten zu schaffen.

Dirk Krüger (University of Pennsylvania): Ja, aber nur, wenn es nicht verwässert würde.

Rosemarie Nagel (UPF Barcelona): Ja, aber vielleicht kann man mehrere gute Fachbereiche produzieren, wie ich in meiner zweiten Antwort skizziere.

Axel Ockenfels (Köln): Ja.

Albrecht Ritschl (London School of Economics): Ja. Immer wieder werde ich auf Tagungen in Amerika von jungen, aber auch von prominenten, nicht mehr so jungen Deutschen angesprochen, die die Chancen auf eine Rückkehr ausloten. Jede Neugründung wird allerdings nur dann funktionieren, wenn sie die beste Eigenschaft der amerikanischen Universität kopiert, und das ist die enorme Internationalität ihrer Professorenschaft. Errichtet man eine solche Einrichtung an einem attraktiven Standort, wird es Bewerbungen nur so regnen.

Klaus M. Schmidt (München): Auf jeden Fall.

Stephanie Schmitt-Grohe (Duke University): Es ist ziemlich schwierig, ein Top-Department aus dem nichts heraus zu gründen. Wenn jemand mit der Kragenweite von Harald Uhlig an der Spitze stünde und wenn er es schaffen würde, gleich eine Reihe von Top-Leuten auf einen Schlag einzustellen, dann hätte die Einrichtung eine gute Chance, erfolgreich zu sein. Bei den meisten Detailvorschlägen bin cih mit Harald Uhlig einer Meinung.

Friedrich Schneider (Linz, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik): Ja.

Hans-Werner Sinn (Ifo-Institut, LMU München): Ja, da hat er im Prinzip recht. Wenn man entsprechende Gehälter zahlt, kann man die besten Leute der Welt zusammensammeln. Forschungsprofessuren mit einer geringen Belastung in der Lehre machen auch Sinn. Nur würde ich diesen Fachbereich nicht auf der grünen Wiese zu schaffen versuchen, was bestimmt nicht funktioniert, sondern ihn aus einem der bestehenden Fachbereiche entwickeln. Allerdings kann man das nicht einfach anordnen. Ein Erfolgsrezept für Amerika ist der Wettbewerb unter den Fakultäten. Auch in Deutschland brauchen wir diesen Wettbewerb. Im Grundsatz, denke ich, ist die Vedichtung auf einige Eliteunis, die dann in Konkurrenz stehen, genau der richtige Weg, und den geht Deutschland ja. Ein Problem ist nur, dass die Mittel für die Eliteunis im Vergleich zu den amerikanischen Unis mickrig sind und nur für fünf Jahre zur Verfügung stehen. Mit ihnen kann man keine attraktiven Berufungen realisieren. Aber das könnte man ja ändern. Der internationale "Wissenschaftsmarkt" wird dann schon zeigen, wer die Nummer 1 in Deutschland wird.

Dennis Snower (Kiel): Ich glaube, dass der Fachbereich unter den skizzierten Bedingungen des Wettbewerbs fähig wäre. Besonders attraktiv wäre er nicht, wenn es im Umfeld nicht andere hervorragende VWL-Abteilungen gäbe, mit denen man sich austauschen will. Daher bleibt uns nichts anderes übrig als eine Reform des Universitätswesens in Deutschland durchzuführen.

Daniel Sturm (London School of Economics): Ein Modell, das die derzeitigen Defizite in behebt, wäre ein sehr attraktiver Standort für viele deutsche Ökonomen, die derzeit im Ausland arbeiten.

Matthias Sutter (Innsbruck): Ja zu beiden Fragen.

Klaus F. Zimmermann (DIW, IZA, Uni Bonn): Das kommt auf die Lösung der institutionellem Fragen an.

Alle Fragen, alle Antworten:

Teilen Sie die Analyse von Harald Uhlig zur derzeitigen Situation der deutschen VWL-Fakultäten?


Wie beurteilen Sie den Lösungsvorschlag von Uhlig? Wo sehen sie Stärken und Schwächen der Idee?

Glauben Sie, dass ein Fachbereich mit den von Uhlig skizzierten Bedingungen international wettbewerbsfähig wäre und ein attraktiver Arbeitgeber für internationale Top-Ökonomen wäre?

Stellen Sie sich vor, dieser Fachbereich würde existieren und Ihnen eine Stelle als "tenured Professor" anbieten. Was würden Sie tun?

Wie beurteilen Sie die Umsetzungschancen des Konzepts?

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