Handelsblatt-Umfrage unter Top-Ökonomen
Wie beurteilen Sie... die Umsetzungschancen des Uhlig-Konzepts?

... die Umsetzungschancen des Uhlig-Konzepts?
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Henning Bohn (University of Santa Barbara): Egal wie Reformen organisatorisch durchgeführt werden – in einem neuen oder in existierenden Fachbereichen – das Wichtigste ist, dass den deutschen Hochschulpolitikern klar gemacht wird, wie weit die Forschungsbedingungen an den deutschen Universitäten von der international Spitze entfernt sind. Das Konzeptpapier leistet dazu einen exzellenten Beitrag.

Matthias Döpke (University of California, Los Angeles): Da sehe sich leider die einzige Schwäche des Vorschlags. Uhlig hat zwar Recht, dass die Investition nicht teuer ist relativ zu z.B. zu den existierenden Wirtschaftsforschungsinstituten und dass sie sich in vielerlei Hinsicht auszahlen würde. Trotzdem habe ich große Zweifel, ob in der heutigen politischen Landschaft so ein Projekt wirklich in Angriff genommen wird.

Lars Ehlers (Montreal): Falls die Politik mitspielt – das heißt, falls sie den finanziellen Rahmen schafft und sich weitestgehend aus den Angelegenheiten der Fakultät heraushält – sind die Chancen gut. Sicher braucht das eine gewisse Zeit. Die Einstellungskriterien sollten nicht zu strikt gehandhabt werden. Es ist schwierig, Professoren aus den Top-20 Fachbereichen im Ausland mit mindestens zwei Top-Publikationen anzuwerben. Dies sind nun mal die Besten und die werden eher an einer renommierten Uni bleiben als zu einem neuen Fachbereich zu wechseln. Es muss eine gewisse Kontinuität vorhanden sein. In der Aufbauzeit ist es wichtig, junge gute Leute mit viel versprechenden Ideen anzustellen, die dann den Ruf der Fakultät verbreiten..

Steffen Huck (University College London): Wenn es mal so revidiert ist, dass es wenigstens im Prinzip implementierbar wäre? Dann wäre die Umsetzungschance vielleicht von null verschieden.

Ulrich Kaiser (Odense): Null – alles Geld geht in Nano und Bio. Nicht nur in Deutschland, überall. Was meiner Meinung nach schon kurzfristig helfen würde: Die Universitäten bei den Berufungsverfahren entmündigen – wie kann es sein, dass Leute wie Martin Peitz oder Roland Strausz jahrelang keine ordentliche Stelle bekommen? Zudem wäre eine deutliche Lehrentlastung durch das Einstellen von hauptberuflichen Unterrichtern auf dem BA-Niveau wichtig. Mittelfristig wäre eine komplette Umstellung der Stellenstruktur nötig, wie es Dänemark vor 20 Jahren vorgemacht hat. Damals wurden hier alle administrativen Aufgaben an hauptberufliche Verwalter transferiert.

Bettina Klaus (Maastricht): Gut. Man kann von den USA lernen. Mit guten Arbeitsbedingungen und Gehältern kann man Qualität kaufen und erhalten. Allerdings denke ich nicht dass es klug wäre nur in einen Fachbereich zu investieren.

Dirk Krüger (University of Pennsylvania): Sehr gering. Wer in Deutschland hat ein Interesse, sich auf so etwas einzulassen? Die in Deutschland verbliebenen Professoren bestimmt nicht, und der Politik dürfte die Sache zu teuer sein.

Felix Kübler (University of Pennsylvania): Ehrlich gesagt: Sehr gering.

Rosemarie Nagel (UPF Barcelona): Da schon drei sehr gute Universitäten vorhanden sind, sollte es nicht sehr schwer sein, einen sehr guten Anfang zu machen. Dies kann aber tatsächlich nur geschehen, wenn ein Department breit ausgebaut wird. Tröpfchenweise Top-Professoren aus dem Ausland anzuheuern ist sehr schwer und meistens nur zu erreichen, wenn diese ein starkes persönliches Interesse haben zu kommen.

Axel Ockenfels (Köln): Gering.

Albrecht Ritschl (London School of Economics): Bislang nahe null. Solange in weiten Kreisen der deutschen Wirtschaft der Irrglaube herrscht, die deutschen Universitaeten muessten nur gut genug sein, um die amerikanischen Forschungsergebnisse nachvollziehen zu koennen, wird sich nicht viel tun. Vielleicht bedarf es erst noch ein paar weiterer internationaler Finanzkrisen, bis die Einsicht reift, dass man Kernkompetenzen der Geldpolitik und Finanzmarktanalyse im Land selbst braucht und es nicht ausreicht, sie bloss offshore in London oder New York zu nutzen.

Klaus M. Schmidt (München): In Deutschland hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan. Während der Vorschlag von Herrn Uhlig vor wenigen Jahren noch als naive Utopie belächelt worden wäre, scheint er heute durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Volkswirtschaftslehre in Deutschland in der politischen Diskussion eine viel geringere Rolle spielt und in der Wissenschaft eine geringere Wertschätzung genießt als das in den USA der Fall ist. Während in den USA die meisten Führungskräfte eine ökonomische Ausbildung haben, geben in Deutschland eher die Juristen den Ton an. Economics ist an amerikanischen Unis ein Kernfach, dessen Qualität erheblich auf den Ruf der Universität abstrahlt, während die VWL an Deutschlands Universitäten eher eine untergeordnete Rolle spielt. Darum ist es auch wichtig, in der Öffentlichkeit die Bedeutung von guter Wirtschaftswissenschaft und guten Wirtchaftswissenschaftlern herauszustreichen, wie Herr Uhlig das ja auch sehr gut gemacht hat.

Stephanie Schmitt-Grohe (Duke University): Volkswirtschaftslehre ist - verglichen mit anderen Disziplinen - ein nicht so teures Fach. Außerdem gibt es viele exzellente deutsche Ökonomen in den USA. Daher sollte die Idee im Prinzip einfach umzusetzen sein. Aber ich kenne nicht die politischen Umstände in Deutschland, die am Ende entscheiden, ob das nötige Geld verfügbar ist und das Projekt Realität wird. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es soweit kommt.

Friedrich Schneider (Linz, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik): Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass solch eine Idee umgesetzt wird, nur auf 10 bis 20 Prozent. Es besteht keine politische Einsicht, dies zu tun.

Hans-Werner Sinn (Ifo-Institut, LMU München): Ich halte sie für sehr gering. Das heißt aber nicht, dass ich alles ablehne, was Uhlig sagt. In vielem hat er wirklich recht. Man muss sich die sinnvollen Teile aus seinen Vorschlägen herauspicken und die weniger sinnvollen weglassen.

Dennis Snower (Kiel): Ich glaube die Umsetzungschancen des Konzepts sind sehr gering, denn es setzt einen viel höheren Grad von Wettbewerb und Ungleichheit in der Forschungswelt voraus als in Deutschland derzeit akzeptierbar wäre. Starke politische Führung wäre hier erforderlich, diese Situation zu ändern.

Daniel Sturm (London School of Economics): Ich bin mir nicht sicher, ob Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut oder Klaus Zimmermann vom DIW begeistert zustimmen werden, wenn Ihre Gelder für einen solchen Zweck umgewidmet würden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es sehr viel politischen Willen für so etwas gibt.

Matthias Sutter (Innsbruck): Ich denke, dass es eigentlich nicht am Geld scheitern würde. Diese Hürde ist also schaffbar. Vielmehr fehlt mir der Glaube, dass so etwas gewünscht ist politisch und auch hochschulpolitisch. Im Übrigen muss ich da auf die Einleitungspassage von Uhlig zurückkommen. Die Zeit vor dem Nationalsozialismus war ja nicht deswegen die Blütezeit der deutschen Wissenschaft, weil es EIN tolles department für jeden Fachbereich irgendwo in Deutschland gegeben hat, sondern weil es genau die von Uhlig geforderten Synergien gab, weil eben mehrere Standorte tolle Wissenschaftler hatten. Die Tradition der deutschen Weltklasseuni mit EINEM department wieder aufleben lassen zu wollen, scheint mir deshalb unrealistisch. Wenn jetzt die Politik eine ähnliche Einschätzung hätte (und dafür gibt es gute Gründe), dann würde ich erwarten, dass man mit sehr viel Skepsis an das Konzept von Uhlig herangehen würde. Und das wird die Umsetzungschancen verringern.

Klaus F. Zimmermann (DIW, IZA, Uni Bonn): Fünfzig zu fünfzig.

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Wie beurteilen Sie den Lösungsvorschlag von Uhlig? Wo sehen sie Stärken und Schwächen der Idee?

Glauben Sie, dass ein Fachbereich mit den von Uhlig skizzierten Bedingungen international wettbewerbsfähig wäre und ein attraktiver Arbeitgeber für internationale Top-Ökonomen wäre?

Stellen Sie sich vor, dieser Fachbereich würde existieren und Ihnen eine Stelle als "tenured Professor" anbieten. Was würden Sie tun?

Wie beurteilen Sie die Umsetzungschancen des Konzepts?

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