Handelsblatt VWL-Ranking
Deutsche Ökonomen stürmen die Königsdisziplin

Ob Keynes oder Friedman – die größten Makroökonomen kommen aus den USA oder England. In Deutschland fristete das Fach lange ein Schattendasein. Das ändert sich nun, wie das Handelsblatt Ökonomen-Ranking zeigt.
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DüsseldorfDer an der US-Universität Chicago lehrende deutsche Makroökonom Harald Uhlig hat einen Traum. Er wünscht sich eine Spitzenfakultät nach US-Vorbild in Deutschland. Mit einem Budget wie dort, mit Gehältern und Arbeitskonditionen wie dort und einer Größe wie dort. Vor sechs Jahren hat er im Handelsblatt für einen solchen Vorschlag geworben. Daraus ist bisher nichts geworden.

Dennoch hat sich in der deutschen VWL einiges getan – gerade in der Makroökonomie. Das Fach, bei dem es um die großen wirtschaftlichen Fragen etwa in der Geldpolitik oder Wachstumstheorie geht, gehörte lange Zeit nicht gerade zu den Paradedisziplinen deutscher VWL-Fakultäten. Obwohl die Makroökonomie eigentlich als Königsdisziplin der VWL gilt, forschten die Ökonomen hierzulande lieber über das Verhalten von Haushalten oder Unternehmen. Sprich: Sie machten eher in der Mikroökonomie von sich reden. Das lag vor allem an der herausragenden Stellung der Universität Bonn, die ihren Schwerpunkt in der Mikroökonomie hat. Durch die Internationalisierung des Faches bekommt die Makroökonomie nun jedoch neuen Schwung, wie das aktuelle Handelsblatt Ökonomen-Ranking zeigt. Das Ranking gibt einen Überblick über die forschungsstärksten Volkswirte in Deutschland und die besten deutschen Volkswirte im Ausland.

„Deutsche Unis haben in der makroökonomischen Forschung aufgeholt,“ sagt der Mannheimer Geldtheoretiker und Leiter der dortigen Doktorandenschule, Klaus Adam. Er führt dies einerseits darauf zurück, dass durch die Finanzkrise das Interesse an makroökonomischen Fragen gestiegen sei. Außerdem gebe es mehr gut ausgebildete Makroökonomen, da seit Ende der 90er-Jahre immer mehr deutsche Studenten im Ausland studieren und promovieren.     

Im aktuellen Handelsblatt Ökonomen-Ranking liegen bei den unter 40-Jährigen gleich sieben Makroökonomen in den Top-ten. Zum Beispiel die Italienerin Ester Faia (Platz vier) von der Universität Frankfurt, die zur Geldpolitik forscht. Der Gießener Ökonom Peter Tillmann (Platz fünf), der sich neben Geldpolitik auf empirische Makroökonomik und Finanzmärkte spezialisiert hat. Oder Harald Badinger (Platz sechs), dessen Spezialgebiete die angewandte Ökonometrie, internationale Makroökonomik und Außenwirtschaft sind.

Kommentare zu " Handelsblatt VWL-Ranking: Deutsche Ökonomen stürmen die Königsdisziplin"

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  • Viele Leser hier scheinen die Grundlagenforschung an Universitäten zu verwechseln mit den Konjunkturprognosen und Politikberatungsaktivitäten der Wirtschaftsinstitute. Das eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie Astronomie mit Astrologie.

    Die in den Medien präsenten Ökonomen verfolgen natürlich oft eine politische Agenda, da spielen Ideologie, Eloquenz und Vernetzung eine große Rolle.

    In der akademischen Grundlagenforschung, insbesondere in der Mikroökonomik, sieht das jedoch ganz anders aus.
    Das Handelsblattranking bewertet ja die Qualität der wissenschaftlichen Forschung. Hier geht es um anspruchsvolle, seriöse Studien, die von Fachzeitschriften anonym begutachtet werden. Oft kann, wie in anderen Wissenschaften (z.B. Mathematik, theoretische Physik) auch, nur eine kleine Zahl von Wissenschaftlern diese Arbeiten im Detail verstehen. Die weltweit besten Wissenschaftler sind Herausgeber der am höchsten angesehenen Fachzeitschriften, die oft nur 5% aller eingereichten Arbeiten akzeptieren. Um in einem Top-5 Journal zu publizieren, muss man oft Jahre lang arbeiten; in so einem 20-seitigen Artikel steckt hoch komprimiert weitaus mehr Arbeit als in traditionellen Fachbüchern die zehn mal so lang sind.

    Kaum ein aus den Medien bekannter Ökonomie-Dampfplauderer (egal ob links oder rechts) wird einen Artikel in einem der unter echten Wissenschaftler am höchsten angesehenen Fachzeitschriften unterbringen. Hier geht es nämlich um formale Präzision und rigorose Analyse. Ein echter Wissenschaftler wird niemals behaupten, in die Zukunft sehen zu können oder ein Patentrezept zur Lösung aller Probleme zu haben, sondern eingestehen, dass wir noch sehr wenig wissen und nur in kleinen Schritten Erkenntnisse hinzugewinnen können.

    Das Handelsblatt-Ranking ist ein großartiger Service für die Wirtschaftswissenschaft, weil es die wirklich seriösen Forscher benennt, die in der akademischen Forschung am aktivsten sind.

  • VWl ist eine empirische Sozialwissenschaft. Dessen muß man sich immer bewußt sein und darum kann man sie auch nicht mit den Naturwissenschaften vergleichen - trotz der vielen schönen mathematischen Modelle.

    Behält man dies im Gedächtnis kann man auch in der VWL sinnvolle Forschung betreiben. Man sollte sich jedoch davor hüten, dem Verlangen der Politik nachzukommen und ewige Wahrheiten zu verkünden und Patentrezepte für aktuelle Probleme zu anzubieten. Eine kritische Selbstreflexion ist für VWLer stets angebracht.

    P.S. der Kritik an der Klimaforschung kann ich nur zustimmen. Wissenschaft existiert immer in einem politischen und sozialen Umfeld. Die Klimaforschung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wissenschaftler sich von wissenschaftlichen Grundsätzen verabschiedet haben, weil sie eine "Mission Weltrettung" für sich entdeckt haben und/oder durch die Politik korrumpiert werden können.

    Eines dürfen wir nämlich nie vergessen: Auch Wissenschaftler haben persönliche Bedürfnisse und benötigen - auch für ihre Forschung - den Zugriff auf Ressourcen. Die Klimaforschung zeigt sehr schön, was passiert, wenn das außer Kontrolle gerät.

  • "Mit Leistung hat dies nicht unbedingt etwas zu tun."

    Es hat etwas mit einem geistigen Pachtvertrag zu tun.
    Wer meint die Wahrheit gepachtet zu haben, weiß auch wem der diese Pacht überweisen muss.
    Und das haben diese ominösen Alternativen sehr gut verstanden :).
    Die restlichen Pächter der einzigen Wahrheit natürlich auch.

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