Hans-Jörg Bullinger
„Deutschland fehlt die Dynamik“

Der Ex-Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft wirft der deutschen Forschung mangelnde Dynamik vor. Sie müsse sich dem internationalen Leistungsdruck stellen – und dort forschen, wo deutsche Firmen produzieren.
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Herr Bullinger, Sie haben zehn Jahre den wichtigste Forschungspartner der deutschen Wirtschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft geleitet. Wo stehen Sie heute?
Viele Länder beneiden uns. Selbst Präsident Obama steckt nun eine Milliarde Dollar in die Produktionsforschung – nach dem Vorbild von Fraunhofer. Auch in Frankreich werden solche Institute eingerichtet. Wir sind die am schnellsten wachsende Forschungsorganisation: In einem Jahrzehnt haben wir das Personal auf 20 000 Leute und den Umsatz auf knapp zwei Milliarden Euro verdoppelt. Selbst in der Krise 2008/09 haben wir 3000 Forscher eingestellt. Wir erwirtschaften zwei Drittel durch Fremdaufträge: der Bedarf der Wirtschaft ist ungebrochen.

Und nun?
...müssen wir unter anderem an der besseren Verwertung unserer Patente und Lizenzen arbeiten. Und uns schnell international aufstellen. Wir sind zwar seit 17 Jahren in USA aktiv und forschen dort für deutsche und amerikanische Unternehmen, aber das ist nur ein Anfang.

Sie verdienen jeden fünften Euro im Ausland – gemessen an anderen Instituten und Unis ist das viel.
Nicht genug. Wenn sich die Wirtschaft globalisiert, ist es naiv zu glauben, die Wissenschaft könne zurückbleiben. Wenn deutsche Unis und Forschungseinrichtungen wirklich so gut sind, wie wir uns dauernd gegenseitig bescheinigen, müssen sie sich fragen, warum niemand weltweit bei ihnen forschen lässt. Konzerne wie Daimler oder Bosch lassen zunehmend im Ausland forschen. Wir müssen über den nationalen Tellerrand hinausblicken und uns dem internationalen Leistungsdruck stellen. Fraunhofer ist dabei, sich in eine europäische Gesellschaft zu wandeln. Unsere Kunden sind international aktiv, also müssen wir es auch sein.

Deutsche Forschung ist teuer…
Wir müssen natürlich raus und dort forschen wo deutsche Firmen produzieren. Wenn wir vor Ort mit Einheimischen zu örtlichen Preisen deutsche Forschungsqualität liefern, sind wir unschlagbar. Das kann auch eine Universität: Die TU München forscht neuerdings in Saudi-Arabien und hat dort sogar einen Auftrag gegen Harvard gewonnen. Damit ist sie aber absoluter Pionier.

Jeder für sich allein?
Nein. National müssen wir das Wissenschaftssystem besser vernetzen. Die Probleme werden immer komplexer, da kann keiner mehr Alleinlösungsanspruch erheben. Die Exzellenzinitiative hat segensreich gewirkt, braucht aber eine intelligente Anschlusslösung. Dringend nötig ist auch die blockierte Verfassungsänderung, damit der Bund Unis direkt fördern kann. Und wir brauchen bessere Kriterien, um Forschung zu messen. Für Unis ist noch immer die Zahl der Veröffentlichungen das Nonplusultra. Aber viele Aufsätze werden von den referierten Fachzeitschriften erst Jahre nach Annahme gedruckt – da ist in der Wirtschaft das Produkt längst fertig.

Kommentare zu " Hans-Jörg Bullinger: „Deutschland fehlt die Dynamik“"

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  • Warum? LaRouche ist kein Humanist und nicht progressiv, sondern ein Träumer. Besonders lustig fand ich seine Wahlwerbespots in den 80ern mit seiner Frau.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wo er Recht hat, hat er Recht.

    Es nützt überhaupt NICHTS, wenn Wissenschaftler und Institute ständig "beweihräuchern" und "gegenseitig über den Klee loben", aber Kunden die Forschungseinrichtungen nicht beauftragen. Auch an einer Theorieforschung auf Papierveröffentlichungsniveau ist keine Firma wirklich interessiert.
    Produkte müssen innovativ besser werden - nur das interessiert.Es interessiert sich im Markt durchzusetzen, das zählt.

    NICHT DIE BOHNE interessiert es aber den Kunden, welcher Name, Titel oder hierachische Rang die Innovation einbrachte. NOCHMAL deutlich... das interessiert NIEMANDEN. Keine Kunde zahlt dafür.

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