Hans-Werner Sinn wird 60
Happy Birthday, Hans-Wörnör

Er ist einer der bekanntesten Ökonomen in Deutschland - und hat als einer der wenigen auch bei seinen angelsächsischen Kollegen einen guten Namen: Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Am 7. März 2007 feierte er seinen 60. Geburtstag. Lesen Sie mehr über Sinns kleine Geheimnisse - unter anderem, dass der große Fürsprecher der Marktwirtschaft früher mal ein Linker war.
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Seine angelsächsischen Freunde nennen ihn jovial „Hans-Wörnör“, er selbst unterschreibt E-Mails knapp mit „HWS“, seine Mitarbeiter sprechen ehrfürchtig von „dem Sinn“. Kaum ein deutscher Ökonom hat so viele Facetten wie Hans-Werner Sinn, der am heutigen Freitag 60 Jahre alt wird. Unter den Ökonomen seiner Generation ist er eine große Ausnahme: Er schaltet sich nicht nur in tagespolitische Debatten ein – gleichzeitig bewegt sich seine Forschung auf internationalem Niveau; und Sinn hat auch in der angelsächsischen Ökonomenszene einen sehr guten Namen.

„Hans-Werner Sinn ist ohne Zweifel eine der intellektuellen Führungspersonen – in der deutschen Ökonomie wie auf dem Gebiet der Finanzwissenschaft allgemein“, sagte Harvard-Professor Martin Feldstein dem Handelsblatt. Feldstein leitet das renommierte amerikanische National Bureau of Economic Research (NBER), dem Sinn als einer der ganz wenigen deutschen Volkswirte angehört. „Er hat aus dem Ifo-Institut eine nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bedeutende ökonomische Forschungseinrichtung gemacht.“

Wie kaum ein anderer Wissenschaftler hat Sinn die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland über Jahre geprägt. Weniger Staat und mehr Markt – das propagiert er seit Jahren. Unermüdlich macht Sinn sich für Lohnzurückhaltung stark, für längere Arbeitszeiten und einen tiefgreifenden Umbau des Sozialsystems. Ohne schmerzhafte Reformen, lautet seine Kernbotschaft, hat Deutschland im internationalen Wettbewerb auf Dauer keine Chance. Der in Brake bei Bielefeld geborene Sinn argumentiert stets pointiert und geschliffen, eine gewisse Portion westfälischer Sturheit kann er aber nicht verbergen.

All dies bringt ihm jede Menge Kritik ein – vor allem aus dem linken politischen Spektrum. Dabei war er in seinen Studentenjahren „selbst ein bisschen links“, gestand er vor einigen Jahren im Gespräch mit dem Handelsblatt. 1967 schrieb er sich in Münster für Volkswirtschaftslehre ein, „mit dem geistigen Rüstzeug eines Spiegel-Lesers“, wie er selbst sagt. Als Student demonstrierte er gegen den Vietnam-Krieg und sah den Kapitalismus kritisch. Einen seiner ersten wissenschaftlichen Aufsätze schrieb er 1975 über das „Marxsche Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“. Nach und nach habe er verstanden, „dass die Anarchie der Märkte gar keine Anarchie ist, sondern dass es eine Selbstregulierung gibt und der Markt die Antwort auf viele Probleme ist.“ Heute sieht er sich „als pragmatischen Ökonomen“, der versuche, „sich von Vorurteilen freizumachen“.

Sinn hat vor allem über finanzwissenschaftlichen Fragen geforscht. Derzeit beschäftigt er sich mit der Ökonomie des Klimawandels. Er hält die Klimaschutz-Politik der EU für falsch, weil sie sich nur auf die Nachfrage beschränke und die Angebotsseite ausklammere. „Mit seinen sowohl mutigen als auch sehr kontroversen Thesen reizt er viele deutsche Volkswirte zum Nachdenken, zum Widerspruch und zur Kritik – gerade davon lebt ja die Wissenschaft“, sagt Friedrich Schneider, Chef des Vereins für Socialpolitik (VfS).

Große Verdienste hat sich Sinn um die deutsche Volkswirtschaftslehre erworben – er trieb die internationale Öffnung des Fachs massiv voran. Als VfS-Vorsitzender baute er den verknöcherten Honorationen-Club in eine moderne Wissenschaftsvereinigung um.

Zu seinem 60. Geburtstag machen Ifo-Institut und Münchener Uni ihrem Übervater nun ein Geschenk, über das sich nur Wissenschaftler freuen können – eine internationale Tagung. Und natürlich widmet sich die „Hans-Werner Sinn Geburtstagskonferenz“ einem seiner Lieblingsthemen – der Rolle der Wirtschaftspolitik in der globalisierten Welt.

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