Harold James und Max Otte

„Europa sollte zurück in die Zeit vor 1648“

Der Ökonom Max Otte plädiert für einen Schuldenschnitt in Griechenland und sieht die Einführung des Euro als Fehler. Der britische Wirtschaftshistoriker Harold James hält im Gespräch mit Handelsblatt Online dagegen.
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Der Wirtschaftshistoriker Harold James (links) ist ein Verfechter des Euro. Der Ökonom Max Otte (rechts) hält die Gemeinschaftswährung hingegen für einen Fehler. Er  plädiert für einen Euro-Austritt Griechenlands. Quelle: Oliver Schmauch für Handelsblatt

Der Wirtschaftshistoriker Harold James (links) ist ein Verfechter des Euro. Der Ökonom Max Otte (rechts) hält die Gemeinschaftswährung hingegen für einen Fehler. Er plädiert für einen Euro-Austritt Griechenlands.

(Foto: Oliver Schmauch für Handelsblatt)

KölnAuf dem Tisch liegt das Handelsblatt-Interview mit Helmut Schmidt. Harold James schwärmt von Schmidts Rede bei der Abschiedsfeier für EZB-Chef Jean-Claude Trichet. „So vital – und auch in der Botschaft sehr, sehr klar.“ Max Otte schaut seinen Gesprächspartner verschmitzt an: „Klar, aber falsch“, entgegnet er. Schon sind sie in der Diskussion.

Herr James, Herr Otte, die Allianz der Euro-Retter aus IWF, EZB und EU bekommt Risse: Die EU-Kommission will den IWF loswerden. Soll er sich zurückziehen?
James: Unbedingt! So schnell wie möglich.

Warum?

James: Die Euro-Zone als Ganzes hat keine Probleme mit dem Kurs der Währung oder der Zahlungsbilanz. Es geht um ein innereuropäisches Problem, das die Europäer selbst lösen sollten.

Otte: Ich war immer dafür, den IWF einzubeziehen. Er bringt Sachverstand in die Debatte und entpolitisiert sie ein bisschen. Außerdem moderiert er zwischen Frankreich und Deutschland.

James: Inzwischen gibt es eine paradoxe Entwicklung: Der IWF ist in einigen Krisenländern populär geworden, weil er den Schuldenschnitt befürwortet. Das ist ein Novum für den IWF…

Hätte man schon 2010 einen Schuldenerlass für Griechenland machen müssen, wie der IWF inzwischen selbstkritisch einräumt?

James: Nein. Die historische Erfahrung zeigt: Man kann Krisen nicht auf einen Schlag lösen. Schauen Sie nach Lateinamerika. Wenn dort in der Krise 1982 die brasilianischen und mexikanischen Schulden sofort erlassen worden wären, hätte das zum Kollaps des globalen Finanzsystems geführt.

Man darf also nicht zu schnell einen Schuldenschnitt machen?

James: Nein. In Lateinamerika hat man fünf Jahre gewartet. Der Schuldenschnitt kam dann 1987.

Ist die Zeit in Griechenland also bald reif für einen neuen Schnitt?

James: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch. Allerdings wäre das kompliziert, denn dieses Mal müssten auch Europas Steuerzahler Verluste tragen.

Otte: Einen Schuldenschnitt brauchen wir auf jeden Fall. Eine weitere Option wäre ein Euro-Austritt von Griechenland.

„Oft haben viele kleine Banken Krisen ausgelöst“
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51 Kommentare zu "Harold James und Max Otte: „Europa sollte zurück in die Zeit vor 1648“"

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  • völlige Zustimmung.

    Der wichtigste Satz:

    "Die derzeitige Politik ist gegen die Bürger gerichtet."

    Wir werden bekämpft - auf allen Ebenen - wie Ratten.

    Und viele dejrenigen, die heute noch dem System dienen, werden vielleicht schon morgen selbst von ihm zerquetscht werden.

    Die westlichen Demokratien mutieren zu Diktaturen.

    Und der SMART-PHONO-PHILE glotzt aufs Display.

  • Kritisches zur EU:

    Querdenker Jürgen Elsässer mit Compact Magazin

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/

    Für eine dezentrale direkte Demokratie wie in der Schweiz mit Volksabstimmungen und Plebisziten - Schweizer Volksrechte auch für Deutschland!

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/buch-info-erfolgsmodell-schweiz/

    Volksinitiative

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/grundsatzerklaerung/


    BGA - Neue Linke - Contra zentralistische Brüsseler EU

    http://www.ahriman.com

    Kopp News des Kopp Verlages mit Udo Ulfkotte und Eva Hermann

    http://info.kopp-verlag.de/index.html

    Zuerst!

    http://www.zuerst.de

    Die EU hat keine Zukunft - ein Rückbau ist geboten

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1494

    BLOG

    http://www.freiwirte.de

    Manfred Julius Müller: Vorbild Dänemark

    http://www.europaeische-union-eu.de/

    http://www.grundeinkommen-buergergeld.de/publikationen.html

    http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

    http://www.neo-liberalismus.de

    http://www.anti-globalisierung.de

  • Bürgerbewegung Solidarität für ein Europa der Republiken

    http://www.bueso.de

    Nachrichtenagentur EIR

    Aus der Schweiz

    http://www.zeit-fragen.ch

    EFTA als EU Alternative? siehe Archiv und ältere Ausgaben...

    Volksprotest - die wahren Zahlen

    http://www.volksprotest.de

    Lösungen und Alternativen siehe Forum...

    VWL, Währungen und Geopolitik

    http://www.steinbergrecherche.com

  • margit117888

    Unsere Eliten sind nicht dekadent- sie sind nur korrupt. Von den multikulturalisitischen Linken, die Europa allein wegen ihres antiweißen Rassismus in einen nördlichen Vorposten Afrikas verwandeln wollen abgesehen, handeln die restlichen politischen Eliten im Dienste und Interesse von mächtigen und finanzstarken Wirtschafts- und Großkapitalobby-Gruppen - die Masseneinwaderung, Auflösung der Nationalstaaten und "Untergrabung der nationalen Homogenität" der europäischen Staaten wollen.

    http://www.blu-news.eu/2012/07/14/ethnische-homogenitat-untergraben/

    Wir haben es also mit einer Allianz aus Irren und Gierigen zu tun, aus linken Multikultis, die ihrer irren Ideologen und Hass auf den "weißen Mann" verhaftet sind, und internationalen Kapitalisten, die nach noch mehr Kapital und Macht streben

    Unsere Eliten sind nicht dekadent sie sind viel eher verrückt - was die linken Teile angeht, und korrupt - was die bürgerlich-liberalen Kräfte angeht.

  • Die Südländer wollen also aus der Ferne - aus dem geliebten Brüssel - regiert werden. Herr James sollte gelegentlich mal sein Studierstübchen verlassen und im richtigen Leben vorbeischauen.
    Der Euro ist ein Projekt von Visionären und Romantikern. In dem Fall hat Helmut Schmidt mal recht, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

  • Schön wärs! Wird aber leider ein Traum bleiben!
    In Zukunft wird jeder der aufmuckt von Drohnen eliminiert werden, egal wo er wohnt! Vielleidcht werden in weiser Voraussicht dessen auch schon Sprengsätze in Smartphones verbaut! Dann braucht der Führer nur noch auf den Knopf zu drücken um den Querulant loszuwerden! NWO lässt grüssen!

  • asklepion
    Und das römische Reich ist nicht untergegangen, weil seine Bürger su doof waren.
    Es ist untergegangen an der Dekadenz seiner Eliten und auch einer völligen Übefremdung.
    Haben wir schon im Geschichtsunterricht gelernt
    Daran sollte man vielleicht unsere Politiker mal erinnern

  • karstenberwanger
    es fehlt niht ur der zündende Funke, sodnern es fehlt eine intellektuelle Elite die es mal anstößt
    Revolutionen gehen immer von Intellektuellen aus.
    Und genau das fehlt hier

  • Wir brauchen doch gar nicht bis 1648 zurück gehen.
    Es genügt doch völlig wenn wir in die Zeit Napoleons zurück kehren. Der wollte auch einen zentralistischen europ. Staat unter seiner Herrschaft.
    Geendet hat das mit Krieg, wie wir wissen.
    1813 mit der Völkerschlacht um Leipzig war sein Traum vom zentralistischen Europa dann vorbei.

  • Max Otte... Der Name zieht natürlich in einer Schlagzeile. Jedoch hat Herr Otte wohl auch schon bessere Zeiten gesehen, sowohl, wenn ich mir die Bilder ansehe (ist er krank...?), aber vor allem, wenn ich mir dieses Interview durchlese. Also Inhalt finde ich da praktisch Null. Also irgendeinen Inhalt, der mich aufhorchen ließe, meine ich. Dieses Interview hätte man sich getrost sparen können.

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