Harvard-Professor
Freeman erhält Preis in Arbeitsökonomie

Hausfrauen, die nicht länger Heim und Herd hüten wollen, sei die Lektüre von Richard Freeman ans Herz gelegt. Der US-Ökonom liefert jede Menge Munition, warum die Integration von Frauen auf dem Arbeitsmarkt sinnvoll ist. Jetzt erhielt der Harvard-Professor für seine Forschung eine der wichtigsten Auszeichnungen für Wirtschaftswissenschaftler, den IZA-Preis.
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FRANKFURT. Dass die USA Deutschland in den letzten Jahrzehnten in Sachen Beschäftigungsentwicklung weit hinter sich gelassen hat, liegt aus seiner Sicht vor allem daran, dass Frauen dort früher und stärker auf den regulären Arbeitsmarkt drängten. „Wenn Europa das amerikanische Jobwunder nachahmen will, muss sich die Situation der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt dramatisch verändern.“

Was Freeman mit Co-Autor Ronald Schettkat aus Wuppertal erforscht hat, ist nur eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie relevant seine Forschung für das tägliche Leben ist. Dafür wird Richard Freeman mit dem IZA-Preis 2007 ausgezeichnet, wie das von der Deutschen Post-Stiftung gesponsorte Bonner Institut zur Zukunft (IZA) am heutigen Mittwoch bekannt geben wird. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen für Wirtschaftswissenschaftler.

„Dass die Arbeitsmarktforschung zu dem empirischen Teil der Ökonomie gehört, ist im wesentlichen ein Verdienst von Freeman“, sagte Institutsdirektor Klaus Zimmermann dem Handelsblatt. Wie praxisrelevant die Arbeit des Harvard-Professors ist, zeigt auch die Liste der Institutionen, die bislang seinen Rat gesucht haben: Freeman beriet unter anderem die Weltbank, die International Labour Organization (ILO) und die Europäische Union. Am National Bureau of Economic Research (NBER) der USA leitet er den Forschungsschwerpunkt Arbeitsmarkt.

Auch für die deutsche Debatte hat der Amerikaner wichtige Beiträge geliefert: „Er hat die Gewerkschaften daran erinnert, dass sich ihre Strategie nicht darauf beschränken kann, als ,Kartell der Arbeitnehmer’ höhere Lohnabschlüsse zu erwirken“, so Zimmermann. Gewerkschaften müssten als Kommunikationskanal und Moderator zwischen Arbeitnehmern und Management agieren.

Diese Arbeiten Freemans haben laut IZA die Betrachtung des gewerkschaftlichen Handelns grundlegend erneuert. So konnte der Wissenschaftler nachweisen, dass gewerkschaftlicher Einfluss die Fehlzeiten und die Zahl der arbeitnehmerseitigen Kündigungen verringert und langfristige Beschäftigungsverhältnisse stärkt. Die so geschmälerte Mitarbeiterfluktuation senke nicht nur Einstellungs- und Ausbildungskosten, sondern erhöhe auch die Produktivität – weil eine längere Betriebszugehörigkeit die Anreize für Investitionen in Bildung und Fortbildung der Mitarbeiter stärkt.

Freeman verlässt gern bekannte Pfade seiner traditionellen Forscherkollegen. Seine „Kreativität“ und sein „ökonomischer Scharfsinn“ lassen sich laut IZA auch an dem Vorschlag des Wissenschaftlers ablesen, den er im nordirischen Friedensprozess machte: Er riet, der britische Staat möge als Gegenleistung für die Ablieferung von Waffen durch die IRA Geld in eine Stiftung einzahlen, die Krankenhäuser und Schulen in Nordirland finanziell unterstützen sollte. So wollte er ökonomische Anreize setzen, bei Friedensverhandlungen erzielte Vereinbarungen tatsächlich einzuhalten.

„Mit dem IZA-Preis werden vor allem Freemans richtungweisende Studien zur Entwicklung des Wohlfahrtsstaats und zur Rolle der Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt gewürdigt“, kommentiert das Institut.

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