Heiko Schäfer im Gespräch
„Bezahlung in der Wirtschaft viel attraktiver“

Das Handelsblatt sprach mit dem Ökonomen Heiko Schäfer und stellte ihm fünf Fragen zu den Karrieremöglichkeiten von Volkswirten.

Herr Schäfer, Sie haben in Mannheim bei Christian Homburg promoviert. Warum haben Sie sich danach gegen eine wissenschaftliche Karriere entschieden und sind zur Unternehmensberatung Boston Consulting gegangen?

Das hat mehrere Gründe: Ich schätze das direkte Feedback, das ich bei meiner Arbeit bekomme. In Unternehmensberatungen wird Leistung mit dem „Up-or-out“-System schnell honoriert – entweder werden Sie befördert, oder Sie verlassen das Unternehmen. Auch bin ich in der Praxis nicht so abhängig von Netzwerken und einzelnen Personen. Ich arbeite gerne im Team – Wissenschaftler sind da eher Einzelgänger.

Welche Rolle spielten die besseren Verdienstmöglichkeiten?

Natürlich ist auch die Bezahlung in der freien Wirtschaft viel attraktiver. Die Mühe und die Zeit die man als junger Professor investieren muss, um erfolgreich zu sein, stehen in keinem Verhältnis zu dem Geld, das man bekommt. Viele junge deutsche Forscher gehen deshalb in die USA.

Profitieren Sie heute von Ihrer wissenschaftlichen Arbeit an der Uni?

Am Lehrstuhl war strukturiertes Arbeiten gefordert. Das habe ich behalten: Ich setze mir immer klare Strukturen, bevor ich mit einem Projekt beginne. Und ich habe gelernt, auf der Basis von vorhandenen Theorien Hypothesen abzuleiten, anstatt einen Rundumschlag zu machen.

Was fehlt Ihnen in der Praxis am meisten im Vergleich zur Arbeit in der Wissenschaft?

Manchmal vermisse ich die Ruhe der Forschung: Sich einfach mal die Zeit nehmen, um in einem Wust von Publikationen zu waten und ein Thema in allen Bereichen zu ergründen. Das gibt es in der Praxis nicht.

Haben Sie jemals daran gedacht, zurück an die Universität zu gehen und eine akademische Karriere einzuschlagen?

Die Wissenschaft habe ich nie so ganz losgelassen. Gelegentlich schreibe ich zusammen mit Kollegen vom Lehrstuhl Homburg Bücher und lese wissenschaftliche Publikationen wie das „Journal of Marketing“. Aber zurückgehen ist keine Alternative.

Die Fragen stellte Astrid Dörner.

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