Holger Ernst
Vom Erklärer zum Ideen-Erforscher

Auch komplizierte Modelle müssen vor allem praktisch umsetzbar sein, meint Holger Ernst - und sieht keinen Widerspruch zwischen exzellenter Forschung und Praxis. An seinem Lehrstuhl für Innovationsmanagement an der WHU in Vallendar kann er beides vereinen.
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VALLENDAR. Die Welt von Holger Ernst verdichtet sich auf Armeslänge. Wichtiges ist griffbereit. Ein gerahmtes Bild, das seine ältere Tochter ihm gemalt hat, hängt direkt unter dem „Best-Teacher-Award“, den er zweimal gewann. Der Computer ist sein Fenster zu den Kollegen in den USA. Auf seinem Schreibtisch türmt sich ein hoher Stapel der britischen „Financial Times“, die für ihn jeden Morgen Pflichtlektüre ist. Wäre der Professor für Technologie- und Innovationsmanagement der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar bei Koblenz nicht so groß gewachsen, er würde hinter dem Papierstapel verschwinden.

Ernst ist einer der forschungsstärksten BWL-Professoren im deutschsprachigen Raum. Der 43-Jährige genießt seinen Job, auch weil er so „vielschichtig“ sei. „Mir ist gute Forschung ebenso wichtig wie gute Lehre“, sagt Ernst. „Und gute Forscher machen auch gute Lehre“, ist er überzeugt.

Er sieht auch keinen Widerspruch zwischen exzellenter Forschung und der Praxis. Im Gegenteil, beides gehöre zusammen. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die Frage, „wie eine Firma aus einer Idee ein Geschäft macht“. Dazwischen liegt das große Feld für Technologie- und Innovationsforscher, das sich zwischen Personalfragen und Marketingideen, zwischen internen Organisationsproblemen und externen Einflussfaktoren aufspannt.

Als Ernst seine akademische Karriere startete, war „Innovation“ in der BWL noch kein großes Thema, und als Student wollte er eigentlich noch Volkswirt werden. Dass er nicht im Kabelwerk seiner Eltern arbeiten würde, war ihm nach dem Abitur relativ schnell klar. Der Weg zum Hochschullehrer für BWL aber war keineswegs vorgezeichnet. Eigentlich wollte Ernst nach dem Studium in die Praxis. Dabei war er schon während des Studiums unter seinen Kommilitonen als „der Erklärer“ bekannt, wie sein Studienkollege Jürgen Griebsch erzählt, heute Bereichsleiter Wäschepflege bei Bosch Siemens Hausgeräte. Griebsch erinnert sich noch gut daran, wie schnell Ernst Kompliziertes mit einfachen Worten erklären konnte. „Davon habe wir anderen Studenten damals sehr profitiert.“

Zwei Professoren, die seinen Weg kreuzten, haben ihn für eine wissenschaftliche Karriere begeistert. Manfred Willms ermunterte ihn, im Ausland zu studieren, und so wechselte Ernst nach dem Grundstudium als Austauschstudent an die Universität of Illinois in Urbana/Champaign. Und Klaus Brockhoff, einer der deutschen Pioniere der Innovationsforschung, weckte sein Interesse für das Thema und eine Hochschulkarriere. „Brockhoff ist mein akademisches Vorbild“ betont Ernst, der nach seinem US-Aufenthalt von den Volks- zu den Betriebswirten wechselte.

Den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern liegt auch Ernst heute besonders am Herzen – und seine Bilanz kann sich sehen lassen: Der 30-jährige Ulrich Lichtenthaler, bei der aktuellen Forschungsleistung laut Handelsblatt-Ranking derzeit auf dem zweiten Platz, ist ein Schüler von ihm. Ernst hat auch keine Probleme damit, hinter exzellenten Habilitanden zurückzutreten: Wenn die bei gemeinsamen Studien die Hauptarbeit gemacht haben, werden sie auch als erster Autor genannt.

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