Humankapital
Das Rätsel der Integration

Trotz der Kritik an Thilo Sarrazins Thesen - in einem Punkt herrscht Einigkeit: Bei der Integration von ethnischen Minderheiten läuft einiges schief. Für Forscher stellt sich daher vor allem eine Frage: Was sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Integration? Ökonomen glauben nun entschlüsselt zu haben, warum Migranten oft außen vor bleiben.
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KÖLN. Wenn der Harvard-Ökonom Roland Fryer über die Integration von Minderheiten doziert, dann weiß er aus erster Hand, wovon er spricht. Fryer ist schwarz - und kommt aus der amerikanischen Unterschicht. Die Mutter verließ die Familie, als er zwei Jahre alt war. Der Vater wanderte ein paar Jahre später ins Gefängnis. Etliche seiner Verwandten sind jung gestorben oder sitzen hinter Gittern.

Eigentlich war auch für Fryer ein Leben am unteren Rande der Gesellschaft vorgezeichnet. Doch heute, mit 30 Jahren, ist er ein Star der internationalen Wissenschaftswelt: Roland Fryer ist der jüngste Schwarze, den Harvard je zum Professor berufen hat.

Seine Biografie macht ihn zum Experten für ein Thema, das Stoff für heftige Kontroversen liefert. Gerade hat Thilo Sarrazin in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" die Integration von Muslimen in der Bundesrepublik für gescheitert erklärt. Zudem verdumme die deutsche Gesellschaft durch die Zuwanderung, behauptet Sarrazin.

Ökonomen sehen Leistungslücke

Trotz der Kritik an seinen Thesen herrscht in einem Punkt Einigkeit: Bei der Integration von ethnischen Minderheiten läuft einiges schief. Für Forscher stellt sich daher vor allem eine Frage: Was sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Integration?

Bisher wandten sich vor allem Soziologen der Frage zu, doch inzwischen tun dies auch immer mehr Ökonomen. Mit Regressionsanalysen, mathematischen Modellen und anderen ökonomischen Methoden entschlüsseln sie, was über eine gelungene Integration von ethnischen Minderheiten entscheidet.

Ökonomen wie Roland Fryer sprechen nicht von Parallelgesellschaften oder gefühlter Ausgrenzung, sondern von einem "achievement gap". Damit meinen sie die Leistungslücke zwischen weißen und schwarzen US-Bürgern.

Und diese Kluft tut sich schon früh auf. In den USA hinken schwarze Kinder ihren weißen Altersgenossen schon im Kindergartenalter hinterher. Ihre Mathematik- und Sprachkenntnisse sind deutlich unterentwickelt, stellte Fryer fest. Je älter die Kinder werden, desto größer wird diese Diskrepanz. Die schlechteren Schulleistungen schwarzer Kinder erklären die Ungleichheit bei Löhnen und Jobchancen zwischen Weißen und Afro-Amerikanern fast vollständig, zeigt der Harvard-Ökonom in einem zweiten Schritt.

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  • Der Einsatz von Gastarbeitern schadet unseren Land allein ihn diesen Jahr kosten uns die Gastarbeiter über 50 MRD Euro, dabei kann keiner den Nutzen erkennen. Wir können nicht den "Teufel mit den beelezbub" austreiben.

    Wir haben eine schrumpfende bevölkerung aber die Lösung heißt mehr Kinder und nicht mehr Gastarbeiter. Man kann nicht zwei verschiedene Probleme miteinander verbinden!!!

    Dabei sollten wir nicht vergessen das die Reproduktionsrate der Gastarbeiter (insgesamt bei 1,57 weiter sinkend) Wir haben also eine Gesellschaft mit einer "alten Deutschen bewölkerung" und eine "alternde Gastarbeiterpopulation" und wir gleiche es durch den import von immer neuen Gastarbeitern aus?????

  • Was meine Vorredner hier zu konstruieren versuchen scheint weniger auf ökonomische denn vielmehr auf die vielbesungene kulturelle Debatte hinauszulaufen - einem Sarrazin gar nicht so unähnlich. Ein Exportweltmeister Deutschland sollte seine im Grundgesetz festgeschriebene Toleranz leisten. Zumal Einwanderung in der Vergangenheit richtig und wichtig war - bei einer weiter schrumpfenden und alternden Gesellschaft (die auch den Grund für die relative Abhnahme der "Deutschen" bildet) wird uns wohl auch künftig nichts anderes übrig bleiben. Ziel muss wohl sein die bRD für halbwegs qualifizierte Migranten attraktiv zu machen und -da halte ich es mit den Autoren- v.a. die bestehenden bildungsunterschiede zu glätten.

  • Deutschland und Europa verändern ihr Gesicht. Wir sind Zeuge einer millionenfachen Einwanderung und Landnahme durch Menschen völlig fremder Ethnien und Kultur, die – von unserem in Jahrhunderten erarbeiteten Wohlstand angezogen – zu uns strömen. ihre traditionellen Geburtenraten tun ein übriges: Wie von Thilo Sarrazin treffend analysiert werden im Jahre 2050 im Abendland die heimischen Völker nicht mehr die Mehrheit stellen; dann wird der Europäer nur noch ein Randdasein in jener Welt fristen, die er einst erschaffen hat. Doch warum ergibt sich die westliche Welt und allen voran Deutschland angesichts ihres drohenden Untergangs einer tödlichen Gleichgültigkeit? Es ist ein grundloser Selbsthass, den die „Eliten“ Deutschland und Europas seit der 68er-Revolte kultiviert haben, der uns lähmt!

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