Humankapital
Der Mitarbeiter, die unbekannte Größe

Sachkapital kann man messen - doch gilt dasselbe auch für Humankapital? Diese Frage ist unter Wissenschaftlern umstritten. Einige Personalökonomen haben nun Ansätze zur Messung von fachlichem Wissen und sozialem Potenzial entwickelt - und streiten heftig über die richtige Methode.
  • 0

KÖLN. Seit Sprachwissenschaftler es 2004 zum Unwort des Jahres gekürt haben, gilt das Wort Humankapital als anrüchig. Es degradiere Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen, lautete die Begründung der Jury.

Die Kritik können Ökonomen nicht verstehen. Denn sie verwenden den Ausdruck Humankapital, weil sie sich für Menschen und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg interessieren. Sie wollen Mitarbeiter nicht als reine Kostenfaktoren betrachten.

Seit aber einige von ihnen versuchen, Humankapital zu messen - also Wissen und Fähigkeiten von Menschen zu bewerten -, sind die Personalökonomen gespalten. Die einen lehnen solche Rechnungen kategorisch ab, weil sie wissenschaftlich nicht haltbar seien. Die anderen streiten darüber, auf welche Weise gemessen werden sollte.

Aber warum wollen Forscher überhaupt Humankapital messen? Weil sie das fachliche Wissen und soziale Potenzial von Mitarbeitern als eine wichtige Triebkraft erfolgreicher Unternehmen erkannt haben.

Gleichzeitig sind sich die Ökonomen bewusst, dass viele Betriebe vor allem auf ihre Personalkosten schauen: Werden Leute entlassen, ist das zunächst gut für die Bilanz. Oft steigen die Aktienkurse nach Firmenmitteilungen über einen geplanten Personalabbau. Später stellen die Unternehmenschefs aber häufig fest, dass die Erträge sinken oder Innovationen ausbleiben, und fragen sich, ob sie an der falschen Stelle gespart haben.

"Humankapital ist ein wichtiger Frühindikator für den späteren Unternehmenserfolg", ist Erich Barthel überzeugt. Der Professor für Unternehmenskultur und Personalführung an der Frankfurt School of Finance & Management hat noch eine zweite, sportliche Antwort auf die Frage, warum Ökonomen Humankapital berechnen wollen: "Uns treibt der Ehrgeiz, etwas messbar zu machen, was bisher als unmessbar gilt."

Und so streiten sich die Personalexperten nicht nur darüber ob, sondern auch wie Humankapital zu messen sei. Einige Forscher berechnen das Humankapital in Euro und Cent. Andere entwickeln Indikatoren, mit denen sie die Güte des Humankapitals auf einer Skala abbilden können.

Für die erste Variante hat sich der BWL-Professor Christian Scholz entschieden und die "Saarbrücker Formel" erdacht. Auch die Unternehmensberatung Boston Consulting Group misst Humankapital mit einem Ansatz namens "Workonomics" ebenfalls in Euro und Cent. Das Kölner Marktforschungsinstitut YouGov Psychonomics hat sich dagegen für den zweiten Weg entschieden.

Die Saarbrücker Formel von Christian Scholz ist nach wie vor die bekannteste Methode - und die umstrittenste. Mit ihrer Hilfe wird nicht das Humankapital eines einzelnen Menschen berechnet, sondern das von Abteilungen oder ganzen Unternehmen. Die Formel berücksichtigt die Zahl der Mitarbeiter und was sie verdienen. Entscheidend sind aber nicht die tatsächlichen Gehälter, sondern Referenzlöhne aus einer Datenbank, die mit Informationen von Statistikämtern und aus Gehaltsstudien gefüttert wird.

Seite 1:

Der Mitarbeiter, die unbekannte Größe

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Humankapital: Der Mitarbeiter, die unbekannte Größe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%