Nachrichten
IDW: Unbefriedigende Abgrenzung von Eigenkapital und Fremdkapital nach IFRS

Seit dem 1. 1. 2005 haben kapitalmarktnotierte Unternehmen ihren Konzernabschluss nach den von der ...

Seit dem 1. 1. 2005 haben kapitalmarktnotierte Unternehmen ihren Konzernabschluss nach den von der EU angenommenen International Financial Reporting Standards (IFRS) aufzustellen. Für die übrigen Unternehmen besteht ein Wahlrecht zur Konzernrechnungslegung nach den IFRS. Es ist zu beobachten, dass zunehmend auch mittelständische Unternehmen diese Möglichkeit nutzen und ihre Konzernabschlüsse freiwillig nach den IFRS aufstellen. Das IDW erwartet, dass sich dieser Trend in Zukunft verstärkt. Hierfür spricht zum einen, dass das Interesse der Marktteilnehmer an IFRS-Abschlüssen auch von mittelständischen Unternehmen steigt. Zum anderen erwarten mittelständische Unternehmen spezifische Vorteile aus der Umstellung, wie z.B. die Angleichung von internem und externem Rechnungswesen, oder haben den Wunsch, sich mit einem IFRS-Abschluss als ein internationales Unternehmen am Markt zu präsentieren.
Für viele Unternehmen wird dieser Weg jedoch dadurch unmöglich gemacht, dass sie nach den IFRS ein deutlich reduziertes, ggf. sogar kein Eigenkapital mehr in ihrer Bilanz ausweisen könnten. Der Grund liegt in den Regelungen der IFRS zur Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital. Nach IAS 32 liegt Eigenkapital nur dann vor, wenn der einzelne Kapitalgeber keinen individuellen Rückzahlungsanspruch auf das von ihm investierte Kapital hat.
Diese Regelung kann dazu führen, dass gesellschaftsrechtliches Eigenkapital in der IFRS-Bilanz als Fremdkapital auszuweisen ist. So haben Gesellschafter von Personenhandelsgesellschaften ein gesetzliches Kündigungsrecht. Dieses darf zwar durch den Gesellschaftsvertrag ausgestaltet, aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Die gegen die Gesellschaft gerichteten Ansprüche auf Rückzahlung der Kapitaleinlagen bei Ausscheiden der Gesellschafter können dazu führen, dass die Gesellschaft nach den Kriterien des IAS 32 kein Eigenkapital ausweisen darf. Zu ähnlichen Problemen führen Kündigungsrechte bei Genossenschaften und GmbH.
Betroffen von den Abgrenzungsregelungen des IAS 32 ist auch das so genannte Mezzanine Kapital, z.B. Genussrechtskapital. Unter bestimmten Voraussetzungen wird dieses handelsrechtlich dem Eigenkapital zugeordnet. Nach den IFRS liegt bei Kündbarkeit stets Fremdkapital vor.
Das International Financial Reporting Interpretations Committee (IFRIC) hat im November 2004 eine Interpretation zu IAS 32 veröffentlicht, die jedoch der Praxis nicht entscheidend weiterhilft. Sie regelt lediglich den gesonderten Ausweis von gesellschaftsrechtlichem Eigenkapital im Rahmen des Fremdkapitals.
Die Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital in der Bilanz hat erhebliche materielle Bedeutung: Eigen- und Fremdkapital fließen ein in zahlreiche Kapitalkennziffern, die von Analysten und Ratingagenturen verwendet werden. Eine als zu niedrig empfundene Eigenkapitalquote kann dazu beitragen, dass das Rating eines Unternehmens negativ beeinflusst wird, was höhere Eigen- und Fremdkapitalkosten nach sich ziehen kann.
Bei Banken ist die Möglichkeit der Kreditvergabe von Eigenkapitalgrößen abhängig. Lehnt sich die bankaufsichtsrechtliche Bestimmung des Eigenkapitals unmittelbar an den Ausweis in der Bilanz an und folgt dieser in verschiedenen Ländern unterschiedlichen Regelungen, könnten Wettbewerbsverzerrungen auf internationaler Ebene die Folge sein.
Im Gegensatz zum Eigenkapital ist das Fremdkapital nach den IFRS an jedem Abschlussstichtag zu bewerten. Wird kündbares Eigenkapital in der Bilanz dem Fremdkapital zugeordnet, kann dies zu einer verzerrten Abbildung der Vermögens- und Ertragslage führen. Hat der Kapitalgeber einen Rückzahlungsanspruch in Höhe des anteiligen Unternehmenswerts, steigt die auszuweisende Verpflichtung des Unternehmens, wenn die Ertragsaussichten und damit der Unternehmenswert sich verbessern. Gleichzeitig belastet ein entsprechender Aufwand das auszuweisende Jahresergebnis. Ebenso sind Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter als Aufwand zu erfassen.
Um solche ökonomisch nicht nachvollziehbaren Effekte zu vermeiden, muss nach Auffassung des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) bei der Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital nach IFRS auf den wirtschaftlichen Gehalt des Eigenkapitals abgestellt werden. Daher sollte die Erfüllung der Haftungsfunktion des Eigenkapitals die Grundlage des Abgrenzungskriteriums bilden. Eigenkapital liegt vor, wenn die Mittel zur Verlustdeckung herangezogen werden können. Dies ist dann der Fall, wenn künftige Verluste bis zur vollen Höhe mit dem Eigenkapital zu verrechnen sind. Im Insolvenzfall des Unternehmens darf ferner eine Rückzahlung durch den Eigenkapitalgeber nicht geltend gemacht werden können. Bei Liquidation werden zunächst die bestehenden Gläubigeransprüche bedient. Die Eigenkapitalgeber haben somit lediglich einen Residualanspruch. Eine solche Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital trägt nicht nur den gesellschaftsrechtlichen Gegebenheiten in Deutschland Rechnung, sondern führt international zu einer betriebswirtschaftlich sachgerechten Vorgehensweise.
Die Regelung des IAS 32 wird von vielen Seiten kritisiert. Das IASB setzt sich daher wieder mit der Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital auseinander. Das IDW hat dem IASB seine Position zu diesem Thema bereits mehrfach verdeutlicht. Derzeit unterstützt das IDW das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) bei seinen Bestrebungen, eine sachgerechte Regelung in IAS 32 zu erreichen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 15.03.2005

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%