Nachrichten
IFD: Deutscher Finanzmarkt macht deutliche Fortschritte

Der deutsche Finanzmarkt wird sich dank einer stärkeren Differenzierung und einer deutlicheren ...

Der deutsche Finanzmarkt wird sich dank einer stärkeren Differenzierung und einer deutlicheren Orientierung hin zu den Kapitalmärkten zu einem der attraktivsten Standorte Europas entwickeln. Davon geht die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) in ihrem ersten umfassenden Report zum hiesigen Standort aus.
"Beinahe mit rasender Geschwindigkeit ändern sich derzeit Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren am Finanzstandort Deutschland", so Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz und Dresdner Bank, der dem Volkswirte-Kreis der IFD vorsitzt. "Die Nachfrage nach innovativen Finanzierungslösungen und zusätzlicher Vorsorge steigt - und der deutsche Finanzmarkt kann dank einer ausgezeichneten technischen Infrastruktur und gut ausgebildeter Mitarbeiter darauf reagieren. Zudem hat der politische Reformwille deutlich zugenommen. All dies anerkennen übrigens auch immer mehr ausländische Wettbewerber, die verstärkt auf den deutschen Finanzmarkt drängen."
Wenn alle Potenziale des Finanzmarkts hierzulande aktiviert würden, so Heise weiter, wäre ein Wachstumsimpuls von etwa 100 Mrd. Euro oder gut 4,5% Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt bis 2015 zu erwarten.
"Unser Ziel sind jährliche Umsatzzuwächse im Finanzsektor von 4 bis 5% - Wachstum, das wesentliche Impulse für das gesamtwirtschaftliche Wachstum geben wird", so die IFD-Studie. Die IFD stellte zum ersten Mal ihren "Finanzstandort-Bericht" vor, der von nun an jedes Jahr die Fortschritte und den Verbesserungsbedarf am Finanzstandort Deutschland beschreiben soll. Der Bericht versteht sich nicht zuletzt als kritischer Begleiter der Maßnahmen, die von der IFD angeregt, entwickelt und erfolgreich auf den Weg gebracht worden sind. So wird er in den nächsten Jahren vor allem auch die Impulse unter die Lupe nehmen, die z.B.vom Eigenvorsorge-Report, der IFD-Ratingskala oder der Einführung von REITs ausgehen. Der Finanzstandort-Bericht wird damit zu einer wichtigen Grundlage, um bereits laufende Maßnahmen weiterzuentwickeln und neue Maßnahmen anzustoßen.
Die IFD wurde im Sommer 2003 gegründet, um quer über alle Bereiche der deutschen Finanzwirtschaft kundengerechte Lösungen zur Behebung von Schwachpunkten zu erarbeiten. IFD-Mitglieder sind Kreditinstitute und Unternehmen der Versicherungswirtschaft gemeinsam mit Verbänden der Finanzwirtschaft, der Deutschen Börse, der Bundesbank und dem Bundesministerium der Finanzen. Mehr als 200 Experten aus den IFD-Mitgliedshäusern widmen sich Themen um die Schwerpunkte "Stärkung des Wachstums", "Förderung von Innovation" sowie "Mitgestaltung der Europäischen Finanzmarktintegration".
Starke Wachstumsimpulse wird der deutsche Finanzmarkt von der deutlicheren Orientierung hin zu kapitalmarktorientierten Finanzierungslösungen erfahren, so die IFD-Volkswirte. Zwar bleibe der klassische Kredit auch in Zukunft gerade für kleinere Unternehmen die wesentliche Quelle der Fremdfinanzierung. Aber: "Finanzierungskonzepte jenseits des Kredits wie Mezzanine-Kapital und Private Equity werden weiter an Gewicht gewinnen", so der Report.
"Die niedrige Eigenkapitalausstattung ist die Achillesferse vieler deutscher Unternehmen", so die Autoren des Berichts weiter, "eine stärkere Diversifizierung der Kapitalbeschaffung tut not." Die IFD hat mit dem Hessen Fonds einen Pilotfonds für die Bereitstellung von Beteiligungskapital geschaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Verbreiterung der Finanzierungsbasis von Mittelständlern geleistet.
Die Diversifizierung der Finanzierungskanäle muss jedoch nicht zu Lasten des Kredits gehen. Bei anspringenden Investitionen wird auch das Kreditvolumen in Deutschland wieder steigen. Und auch der Kredit selbst dürfte von der Kapitalmarktorientierung profitieren: Die rasante Entwicklung der Märkte für Kreditrisiken wird zu einem effizienteren Pricing von Krediten beitragen; zudem wird die zunehmende Möglichkeit der Verbriefung von Kreditportfolien die Kreditvergabe attraktiver machen. Insgesamt bilden Kredit- und Kapitalmarktgeschäft in der Unternehmensfinanzierung keinen Gegensatz mehr, sondern gehen Hand in Hand.
Kapitalgedeckte Altersvorsorge als weiterer Treiber von Wachstum Ein entscheidender Wachstumstreiber wird in den nächsten Jahren in Deutschland auch der große Bedarf an kapitalgedeckter Altersvorsorge sein. Die betriebliche Altersversorgung und die private Altersvorsorge sind mit der Bildung von Kapitalreserven in sehr viel geringerem Maße "demographieanfällig" als das Umlageverfahren.
Ähnliches gilt im Übrigen auch für die private Krankenversicherung, die aufgrund des Kapitaldeckungsverfahrens weit besser in der Lage ist, die demographische Herausforderung zu bewältigen, als die umlagefinanzierten gesetzlichen Krankenkassen. Trotz schwieriger Wirtschaftslage nimmt die Akzeptanz der kapitalgedeckten Altersvorsorge in Deutschland eindeutig zu. "Ein ähnlich hoher Lebensstandard wie der eines heutigen Rentners ist in Zukunft nur dann gesichert, wenn sich der verfügbare Kapitalstock auf rund 1200 Mrd. Euro verdoppelt", so der Bericht. Die IFD beschäftigt sich unter dem Titel "Kapitaldeckung für die alternde Gesellschaft" mit den Bedingungen zum Aufbau eines solchen Kapitalstocks. "Die Bilanz der bisherigen Reformmaßnahmen ist positiv, aber inwieweit die Bereitschaft der Bevölkerung, rechtzeitig Vorsorge zu betreiben, auch in konkretes Handeln mündet, ist entscheidend von politischen Weichenstellungen abhängig", schreiben die IFD-Autoren. Nur wenn es der Politik gelingt, einfache, transparente und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen in der Steuer- und Sozialpolitik zu schaffen, kann die kapitalgedeckte Altersvorsorge zumindest in der jetzt noch verbleibenden Zeit auch in Deutschland wirklich in dem Maße zu einem universell akzeptierten gesellschaftlichen Trend werden, wie es notwendig ist, damit sich die größten sozialpolitischen Verwerfungen durch den demographischen Wandel noch abmildern lassen.
Der Finanzstandort Deutschland stand in den vergangenen Jahren im Zeichen größerer struktureller Änderungen im Finanzsystem, die zu strategischen und operativen Kurskorrekturen zwangen. Inzwischen können die deutschen Marktteilnehmer wieder "mit Zuversicht in die Zukunft schauen". Überwunden wurde insbesondere die ausgeprägte Ertragsschwäche der deutschen Banken.
Diese wieder gewonnene Stärke werde sich positiv auf die Volkswirtschaft auswirken. Denn ein effizienter und leistungsstarker Finanzstandort ist notwendige Voraussetzung für Investitionen und Innovationen, krisenfeste Unternehmen und Neugründungen. Eine bessere Performance des Finanzstandorts schafft nicht nur Wachstum und Beschäftigung im Finanzsektor selbst, sondern ist auch eine der Triebfedern für wirtschaftliche Dynamik insgesamt, so die Volkswirte der IFD.
Es ist höchste Zeit, dass der Finanzstandort Deutschland seine Schlüsselrolle für mehr Wachstum und Beschäftigung nutzt. In etlichen Bereichen der Finanzwirtschaft hat er seine Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft bereits unter Beweis gestellt:

  • - Im Zahlungsverkehr gehört Deutschland zu den größten und modernsten Märkten der Welt. Im Bereich der elektronischen Zahlungen, Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen, rangiert er in der EU an erster Stelle, Ausdruck der hohen Effizienz und des hohen Automatisierungsgrads.
  • - Die deutschen Erst- und Rückversicherer sind weltweit führend. Deutschland behauptete seinen globalen Spitzenplatz bei der Rückversicherung, deren wirtschaftliche Bedeutung weiter zunehmen wird.
  • - Der Terminmarkt Eurex ist der weltweit führende Marktplatz für den Handel und das Clearing von Terminkontrakten und weist die beste Liquidität sowie den technisch modernsten Standard auf.
  • - Im relativ neuen und boomenden Markt der verbrieften Derivate für Privatanleger (Zertifikate und Optionsscheine) ist Deutschland mit großem Abstand globaler Marktführer.


Insgesamt resümieren die IFD-Volkswirte, dass die deutsche Finanzwirtschaft die Weichen gestellt hat, um künftig eine noch bedeutendere Rolle in der deutschen Volkswirtschaft und im internationalen Kontext zu spielen. "Der Finanzstandort bringt für diese Wachstumsstory die notwendigen Voraussetzungen mit. Die IFD wird weiterhin mit ihren Maßnahmen und Vorschlägen wichtige Impulse geben."
Die IFD ist im Mai 2003 als Zusammenschluss von Instituten aus allen Bereichen der deutschen Kreditwirtschaft, der Versicherungen, der Deutschen Börse, der Deutschen Bundesbank, des Bundesministeriums der Finanzen sowie der Spitzenverbände der deutschen Finanzwirtschaft gegründet worden. Ihr Ziel ist es, mit konkreten Produkten und Maßnahmen Nutzen für Privatkunden und Unternehmen zu stiften. Weiter leistet die IFD einen Beitrag zur politischen Diskussion mit Entscheidungsträgern auf verschiedenen Ebenen. Die Initiative wird getragen von Marktpraktikern aus allen Bereichen der Finanzbranche sowie Fachleuten aus vier großen Verbänden der Finanzbranche sowie aus der Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium. Über alle Wettbewerbsgrenzen hinweg arbeiten in den IFD-Arbeitsgruppen Experten aus den teilnehmenden Häusern an pragmatischen und umsetzbaren Lösungen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 23.06.2005

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%