Im Profil
Holger Görg, Ökonom mit Liebe zum Detail

Holger Görg ist einer der forschungsstärksten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Seine Leidenschaft: Die Globalisierung. Dem Forschungsfeld nähert er sich mit ungewöhnlichen Methoden. Und mit Ergebnissen, die oft zum Nachdenken anregen. Ein Porträt.
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Eigentlich sollte das Ökonomiestudium an der Fachhochschule in Worms für Holger Görg nicht mehr sein als Mittel zum Zweck. Danach wollte er eine Karriere als Banker machen. Doch dann war er von der Wirtschaftswissenschaft so fasziniert, dass er die Pläne über den Haufen warf und eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug. Die richtige Entscheidung, wie sich heute zeigt.

Der 39-Jährige, der 2008 nach 14 Jahren in Irland und Großbritannien eine Professur an der Uni Kiel annahm, ist einer der forschungsstärksten deutschsprachigen Ökonomen seiner Generation. Gestern verlieh ihm der Verein für Socialpolitik den angesehenen Gossen-Preis. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung geht an international erfolgreiche deutsche Ökonomen, die nicht älter sind als 45 Jahre.

Görgs großes Forschungsthema ist die Globalisierung. In dutzenden Forschungsarbeiten hat der Ökonom alle möglichen Facetten und Konsequenzen der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung untersucht – in der Regel nicht aus der makroökonomischen Vogelperspektive, sondern mit detaillierten Daten aus Unternehmen. Dieser Forschungsansatz ist vergleichsweise jung. Bis vor wenigen Jahren haben sich Außenwirtschaftsexperten nicht mit einzelnen Firmen im Detail beschäftigt, sondern sich auf gesamtwirtschaftliche Größen konzentriert und dabei wichtige Zusammenhänge übersehen.

So untersuchte Görg zum Beispiel, welche Folgen die Verlagerung von Dienstleistungsjobs in Niedriglohnländer für die Beschäftigten in den Industrienationen hat. Das überraschende Ergebnis: Die Verlagerung habe zwar negative Auswirkungen, diese seien aber gering. „Das Thema wird in der Öffentlichkeit überschätzt“, betont Görg. Ähnlich überraschend sind seine Forschungsergebnisse zu den Bestimmungsländern von ausländischen Direktinvestitionen. Höhere Steuersätze, so stellte er fest, schrecken Unternehmen nicht unbedingt ab – wenn der höheren Steuerlast auch bessere staatliche Leistungen gegenüberstehen.

Detailliert hat Görg die Exportaktivitäten einzelner Unternehmen analysiert und dabei festgestellt, dass die ökonomische Forschung einen wichtigen Aspekt bislang weitgehend übersehen hat: Dass nämlich das Exportverhalten eines Unternehmens stark von Kosten abhängt, die in der Vergangenheit angefallen sind und nicht mehr rückgängig gemacht werden können. So stellte er staatlichen Subventionen für die Exportwirtschaft denn auch kein gutes Zeugnis aus: Ausfuhr-Förderprogramme hätten keine positiven Wirkungen.

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