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Martin Hellwig: Preisträger, aber kein Ideologe

Feste Arbeitsteilung bei deutschen Hochschul-Volkswirten: Die einen kümmern sich um Grundlagenforschung, die anderen um Politikberatung. In beiden Welten sind nur wenige Ökonomen zu Hause. Einen von ihnen hat der Verein für Socialpolitik nun ausgezeichnet: Den Bonner Martin Hellwig, einen der international renommiertesten Volkswirte des Landes.
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Der Bonner Wirtschaftswissenschaftler erhielt den mit 5 000 Euro dotierten Gustav-Stolper-Preis für herausragende Wirtschaftswissenschaftler, die mit ihrer Forschung die öffentliche Debatte über ökonomische Fragen beeinflusst haben.

Der 60-Jährige ist einer der international renommiertesten Volkswirte des Landes – und spielt derzeit zugleich in der Berliner Wirtschaftspolitik eine Schlüsselrolle: Hellwig leitet den Lenkungsrat des Wirtschaftsfonds Deutschland, der das Bundeswirtschaftsministerium in Sachen Staatshilfen für notleidende Firmen berät. Zuvor, zwischen 1998 und 2006, hatte er sich als Mitglied der Monopolkommission einen Namen gemacht.

Dabei agierte er stets als Anwalt des Wettbewerbs – vehement lehnte er zum Beispiel die per Ministererlaubnis genehmigte Übernahme von Ruhrgas durch den Stromkonzern Eon ab. Schon seit 2000 forderte er mehr Wettbewerb auf dem Briefmarkt. Allerdings ist Hellwig kein marktgläubiger Ideologe, der staatliche Eingriffe in Märkte grundsätzlich ablehnt. So machte er zum Beispiel 2001 Schlagzeilen, weil er eine Lockerung der Regulierung auf den Märkten der Telekommunikation und der Post für nicht vertretbar hielt – mit dem Argument, ein funktionsfähiger Wettbewerb sei auf diesen Märkten noch nicht vorhanden.

Hellwigs wissenschaftliches Markenzeichen ist die theoretische Mikroökonomie. Lange vor dem Ausbruch der Finanzkrise hat Hellwig in theoretischen Arbeiten auf die Instabilität des globalen Finanzsystems hingewiesen. Im Juli kritisierte er gemeinsam mit der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro die bisherige Bankenrettung seitens der Bundesregierung harsch. Der Staat lasse sich zur Geisel der Finanzindustrie machen und agiere mit einem „Sammelsurium von Einzelfallmaßnahmen“.

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