Inflation und Wirtschaftswachstum
Angst vor dem Epochenende

Wenig Inflation, viel Wachstum – Anfang der achtziger Jahre begann eine neue ökonomische Ära, die Makroökonomen die "Great Moderation" nennen. Jetzt fragen sich immer mehr Volkswirte sorgenvoll: Kommt die Zeit der ökonomischen Achterbahnfahrten zurück?

An der Torrence Avenue im Süden Chicagos bauen Ford-Mitarbeiter seit 1924 Autos. Die Fabrik ist die älteste von Ford, die noch in Betrieb ist, und zählt heute zu den effizientesten in den Vereinigten Staaten.

Just-in-time-Produktion, geringer Energieverbrauch und flexible Jobs – dafür klopfen sich die Ford-Manager auf die Schulter. Und damit bilden sie wie unter einem Brennglas einige der Entwicklungen ab, die Ökonomen für eine wirtschaftliche Ära verantwortlich machen, die sie „Great Moderation“ nennen – zu Deutsch: die „Große Mäßigung“.

Damit bezeichnen Volkswirte die seit den frühen achtziger Jahren andauernde Periode mit relativ geringen Konjunkturschwankungen und niedriger Inflation. Welche Ursachen aber für diese wirtschaftspolitische Epoche verantwortlich sind, darüber können sich Wirtschaftswissenschaftler nicht einigen. Manche sehen bessere Produktionstechnologien wie die „Just-in-time“-Produktion als Hauptmotor der „Great Moderaten“. Andere schreiben sie vor allem der Geldpolitik zu, die die Inflation besser in den Griff bekommen habe, wieder andere machen flexiblere Arbeitsmärkte, Finanzinnovationen oder einfach pures Glück dafür verantwortlich.

Seit einigen Monaten hat diese Debatte eine ganz neue Aktualität erhalten. Schließlich sind die Inflationsraten in den Industrieländern so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Immer mehr Ökonomen fragen sich: Erleben wir das Ende der „Great Moderation“? Oder ist das Aufflammen der Inflation nur ein Ausrutscher?

Wann das neue Zeitalter begonnen hat, ist weitgehend unumstritten: Anfang der achtziger Jahre. In den USA sind seitdem die Ausschläge des Wirtschaftswachstums um rund ein Drittel niedriger als in den beiden Jahrzehnten zuvor, zeigt eine Studie der Makroökonomen James Stock und Mark Watson. Die Schwankungen der Inflationsrate sind sogar um etwa zwei Drittel gesunken – und die Teuerung liegt auf viel niedrigerem Niveau.

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