Innovationsmanagement
Gute Ideen allein sind nicht viel wert

Um auf dem Weltmarkt zu bestehen, suchen Unternehmen händeringend nach neuen Ideen. Darum boomt kaum ein Forschungszweig in der BWL so sehr wie die Innovationsforschung. Eine Innovation ist heute aber weit mehr als nur eine schöne Idee in der Produktentwicklung. Alles Neue muss sich im Unternehmen und auf dem Markt bewähren.
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KÖLN. 150 Ideen in 30 Minuten. Mit solchen Versprechen buhlen Agenturen und selbst ernannte Profis um das Vertrauen innovationshungriger Unternehmen. Und die zahlen gut für die vage Hoffnung auf Denkanstöße – sei es durch Trommelworkshops oder Meditationsseminare. Anscheinend glauben immer noch einige Unternehmer, dass innovative Ideen vom Himmel fallen, wenn man nur lange genug trommelt und meditiert.

Wissenschaftler können darüber nur mit dem Kopf schütteln – sie wissen es längst besser: „Innovationen sind das Ergebnis von komplexen Prozessen, bei denen die Unternehmenskultur und die Einbindung verschiedener Unternehmensbereiche eine entscheidende Rolle spielen“, sagt Holger Ernst, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement der WHU in Vallendar.

Ernst, einer der forschungsstärksten BWL-Professoren im Land, steht stellvertretend für die wachsende Bedeutung der noch jungen Wissenschaftsdisziplin. Noch vor 20 Jahren war Innovationsforschung an deutschen Hochschulen ein Fremdwort. Heute befassen sich die meisten angesehenen Wirtschaftsfakultäten mit dem Management von Innovationen und neuen Technologien. An den renommierten US-Business-Schools gehört der Forschungszweig längst zum Standardprogramm.

Traditionellen Bereichen wie Personal und Organisationen macht die neue Disziplin nach und nach den Rang streitig: „Bei der Academy of Management, einer der größten wissenschaftlichen Gesellschaften der Welt, wächst die Division Innovationsforschung mit Abstand am schnellsten“, sagt Ernst.

Ausgangspunkt aller Forschung ist die Erkenntnis: Eine Innovation ist weit mehr als nur eine schöne Idee. „Auf die Umsetzung kommt es an“, sagt Bernd Kriegesmann, Chef des Bochumer Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI). Erst wenn ein neues Produkt oder ein neuer Organisationsablauf auf dem Markt etabliert sei, könne man von einer Innovation sprechen. Es geht also nicht nur um Forschung und Entwicklung, den Unternehmensbereich, den viele mit neuen Produkten assoziieren.

Die Innovationsforscher versuchen herauszufinden, was gute von schlechten Innovationsideen unterscheidet und wie es Unternehmen gelingt, zum Vorreiter in ihrer Branche zu werden. Das Interesse an den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist groß, denn die Praxis zeigt: Nur jedes achte Innovationsprojekt schafft es bis zur Marktreife. Jedes zweite davon erweist sich nach kurzer Zeit als Flop und verschwindet wieder. „Die Erfolgsquote steigt, wenn von Anfang an verschiedene Unternehmensbereiche in die Entwicklung eingebunden werden“, sagt Ernst.

Darum müssten Marketing und Vertrieb früh Marktforschung betreiben, um die Chancen zum Verkauf zu prüfen; die Produktionsabteilung sei entscheidend für die Realisierung der Idee. Oft würden die Firmenchefs übersehen, dass auch die Personalabteilung eine Schlüsselrolle für die Innovationskraft ihres Unternehmens spielt. „In Bewerbungsgesprächen haben Individualisten meist schlechte Karten“, sagt Ernst. Dabei seien es gerade sie, die neue Ideen ins Unternehmen bringen.

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