Interdisziplinären Denkfabrik
Gemeinsam sind wir stark

Wie Ökonomen in Jerusalem mit Wissenschaftlern aus einem Dutzend anderer Disziplinen forschen.

JERUSALEM. Wie rational sind Bienen? Organisieren sie das Sammeln von Nektar optimal? Sind sie lernfähig? Seit mehr als einem Jahrzehnt geht der Jerusalemer Botaniker Avi Shmida solchen Fragen auf den Grund – in einem Speziallabor mit künstlichen, elektronischen Blumen, in dem sich das Verhalten der Bienen genau beobachten lässt. Der Ökologieprofessor, der in Bonn bei Ökonomie-Nobelpreisträger Reinhard Selten promovierte, arbeitet gemeinsam mit Ökonomen, Mathematikern, Philosophen und Forschern aus fast einem Dutzend weiterer Disziplinen.

Willkommen im „Center for Rationality“ an der Hebrew University in Jerusalem – einer interdisziplinären Denkfabrik, die weltweit ihresgleichen sucht. Seit 1991 forschen dort an die 50 Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammen zur „interaktiven Entscheidungsfindung“ und zum rationalen Verhalten. Ihre Klammer ist die Spieltheorie. Egal, ob es um medizinische, juristische oder psychologische Fragestellungen geht – „die Spieltheorie liefert für die anderen Disziplinen die Analysewerkzeuge“, sagt Robert Aumann, Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2005 und einer der Gründer des Forschungszentrums.

Auch der Biologe Shmida arbeitet auf der Grundlage der Spieltheorie: In seinem Labor mit dem Spitznamen „Beehave“ hat er elektronische Kunstblumen installiert – diese unterscheiden sich in Bezug auf ihren Nektargehalt und erfassen genau, ob die jeweilige Blüte von einer Biene angesteuert wird und wie lange sich das Insekt dort aufhält.

Getreu den Prinzipien der Spieltheorie modelliert er sein Problem als eine strategische Interaktion von Blumen, die sich fortpflanzen wollen und dafür Bienen anlocken, und Bienen, die mit möglichst wenig Flugstunden möglichst viel Nektar sammeln wollen.

Dabei geht es dem Rationalitätsforscher letztlich nicht um die Bienen, sondern um verbesserte Erklärungsansätze für das Verhalten der Menschen. Inwieweit lässt es sich evolutorisch erklären? Hier trifft er sich mit dem Rest der Rationalitätsforscher: Immerhin sollte rationales Verhalten der Tiere durch die Selektion im Verlauf des Evolutionsprozesses belohnt, suboptimales Verhalten ausgesondert werden.

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