Interview mit Nobelpreisträger Edmund Phelps
„Europas Ökonomen sind zu nah an ihrer Wirtschaft“

Vor einem Jahr erhielt der US-Amerikaner Edmund Phelps den Nobelpreis für Ökonomie, den er als erster Preisträger seit 1999 nicht mit jemanden teilen musste. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert sich Phelps über Fehler in der Weltwirtschaft, notwendige Strukturen und zukünftige Nobelpreisträger.

Handelsblatt: Vor einem Jahr haben Sie den Nobelpreis für Ökonomie bekommen. Wie hat er seither ihr Leben verändert?

Phelps: Es war eine große Freude, ihn entgegen zu nehmen – vor allem, weil ich ihn schon so lange erwartet hatte. Und es war eine ganz besondere Ehre, dass ich ihn im vergangenen Jahr als Einziger erhalten habe.

Sie hatten damit gerechnet? Auch damit, den Preis als Einziger zu erhalten?

Sagen wir es so: Ich habe viele Jahre lang gedacht, dass ich ihn als Einziger erhalten müsste. Aber nachdem ich ihn überhaupt nicht bekommen habe, begann ich langsam zu denken, das sei zu viel des Guten.

Dann waren Sie also gar nicht überrascht, als im Oktober 2006 das Telefon klingelte und Ihnen die Nachricht überbracht wurde?

Doch sicher, diesen Moment werde ich nie vergessen. Das Telefon klingelte zwei Minuten nach sechs am Morgen, meine Frau nahm ab und sagte: „Der Anruf ist für Dich, ein Anruf von der anderen Seite des Atlantiks.“ Und obwohl sie Sprachwissenschaftlerin ist, erkannte sie nicht den starken schwedischen Akzent. Ich war sehr überrascht, ich dachte nicht, es sei mein Jahr. Bereits zwei Jahre zuvor hatte ein Makroökonom den Preis erhalten. Ich hatte einen Ökonometriker erwartet und nicht geglaubt, dass ich an der Reihe sei.

Ist es denn vorhersehbar, aus welchem Themengebiet der oder die Preisträger kommen werden?

Ja, in gewisser Weise ist es vorhersehbar, es gibt ein gewisses Muster. Ich glaube – das ist allerdings absolut keine Information aus erster Quelle – dass das Nobelpreis-Komitee insbesondere zwei Faktoren sehr aufmerksam betrachtet: Den Zeitpunkt, zu dem ein Wissenschaftler die Hauptarbeit erbracht hat und sein gegenwärtiges Alter. Mich hat es beispielsweise nicht gewundert, dass Amartya Sen...

...der 1998 den Ökonomie-Nobelpreis für seine Beiträge zur Wohlfahrtstheorie bekam...

. . . vor mir zum Zuge kam. Er ist zwei Jahre älter als ich. Und Robert Mundell, der ihn ein Jahr nach Sen bekam, ist ein Jahr älter.

Können Sie denn anhand Ihrer Regeln prognostizieren, wer dieses Jahr den Preis bekommen müsste?

Oh, das ist schwer.

Seite 1:

„Europas Ökonomen sind zu nah an ihrer Wirtschaft“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%