Interview
Nobelpreisträger Phelps fordert Steuererhöhung

Edmund Phelps plädiert für höhere Steuer in den USA - in Form einer neuen landesweiten Mehrwertsteuer und höherer Sätze bei der Einkommensteuer. Im Interview verrät er weitere Rezepte gegen die Krise.
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Ihr Harvard-Kollege Ken Rogoff empfiehlt im Kampf gegen die Krise eine etwas höhere Inflationsrate. Was halten Sie davon?

Angesichts einiger Arbeiten, für die ich den Nobelpreis bekommen habe, bin ich nicht sicher, ob das funktionieren würde. So ließe sich die reale Last der Staatsverschuldung zwar reduzieren, aber der Effekt wäre recht gering. Würden wir die Inflationsrate für fünf Jahre von zwei Prozent auf fünf Prozent anheben, würde die reale Schuldenlast um 16- 17 Prozent sinken. Das würde uns nicht entscheidend weiterbringen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass viele Sozialansprüche und andere Verbindlichkeiten des Staates an die Inflationsrate gekoppelt sind.   

Was ist die Alternative, um der Staatsverschuldung Herr zu werden?

In den USA brauchen wir deutlich höhere Steuern, quer durch die ganze Wirtschaft.

Das ist keine besonders populäre Botschaft.
Nein - wenn Ihnen der Arzt sagt, Sie sind krank und müssen operiert werden, ist das nicht angenehm.

An welche Steuern denken Sie?

Es gibt zwei Wege, um die Steuereinnahmen deutlich zu erhöhen - wir müssen sie wahrscheinlich beide gehen. Erstens die Einführung einer landesweiten Mehrwertsteuer, und zweitens höhere Steuersätze bei der Einkommensteuer. 

Viele Ökonomen warnen, höhere Steuern würden das Wachstum schwächen, weil sich Leistung weniger lohnt.
Dabei wird eines übersehen. Je länger wir diese hohen Defizite haben, und je näher wir dem Jahr 2020 kommen, ab dem die staatlichen Sozialleistungen in den USA in die Höhe schießen werden, desto schlimmer wird die Situation.  
Aber es scheint in den USA derzeit unmöglich, politische Mehrheiten für Steuererhöhungen zu organisieren.

Das ist leider wahr. Die Veränderungen im politischen System blockieren höhere Steuern. Im guten alten Zwei-Parteien-System war das einfacher möglich. Jetzt haben wir mit der Tea Party de facto eine dritte Partei, die eine ganz eigene Agenda verfolgt.

Also richtet die Tea Party wirtschaftlichen Schaden an?

Ja, solange die Tea Party in der Lage ist, Steuererhöhungen zu blockieren, befinden wir uns in einer Sackgasse. Je länger das der Fall ist, desto schlimmer wird es.  

Wie hoch sollten die Steuererhöhungen ausfallen?
Sie müssen höher ausfallen, als den meisten Menschen derzeit bewusst ist. Die derzeitige Diskussion beruht auf der Annahme, dass es genügt, die Haushaltsdefizite abzubauen. Das reicht aber nicht. Wir stehen wahrscheinlich vor einem Jahrzehnt mit niedrigem Wirtschaftswachstum. Um dafür gewappnet zu sein, brauchen wir Haushaltsüberschüsse.

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Kommentare zu " Interview: Nobelpreisträger Phelps fordert Steuererhöhung"

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  • Diese Kommentare von Phelps enttäuschen mich. Ich hätte nicht gedacht, dass er so denkt. Vor allem verstehe ich nicht warum er die Ausgaben des Federal Government nicht anspricht.

  • Dr. Norbert Leineweber
    Phelps hat vollkommen recht. Staatsschulden täuschen ein free lunch vor, das es realwirtschaftlich nicht geben kann. Man kann langfristig nicht mehr konsumieren als die Nettowertschöpfung. Durch Konsum auf Pump wird dieses Gesetz ausgehebelt bis die Rechnung präsentiert wird.Das ist jetzt der Fall. Man hätte in den letzten Dekaden den Bürgern durch höhere Steuern den Konsumverzicht auferlegen müssen, was makroökonomisch lediglich eine neutrale Nettoposition gewesen wäre. Je länger man das hinausschiebt, desto schlimmer sind die Folgen. Der Konsumverzicht muss nun über Sparhaushalte nachgeholt werden. So einfach ist das.
    Inflation kann das Problem nicht beheben, weil das die Realeinkommen nicht in dem richtigen Sinn beschneiden kann, wie dies Steuerhöhungen tun. Die Last würde ganz einfach den Inflationsverlierern aufgebürdet. Das wäre eine ungerechte Umverteilung. Ganz abgesehen davon überlebt die Wirtschaft momentan noch wegen der niedrigen Inflationserwartungen. Sollten diese steigen und damit die Zinsen, ist die ganze Welt bankrott. Höhere Zinsen wären real gar nicht zu erwirtschaften. Rogoff sollte Havard verlassen oder meine Dissertation lesen um dazu zu lernen.

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