Interview zum Nobelpreis
Mechanismus-Design-Theorie: „Die Fortschritte sind gewaltig“

Um welche Erkenntnisse wären wir ohne die Arbeit der Ökonomie-Nobelpreisträger 2007 ärmer? Der Experimental-Ökonom Axel Ockenfels erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, was sich hinter der "Mechanismus-Design-Theorie" verbirgt, warum die Erfahrung, dass etwas nicht funktioniert, wertvoll ist und wer die Nobelpreisträger der Zukunft sein könnten.
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HB: Herr Professor Ockenfels, Ihre US-Kollegen Leonid Hurwicz, Eric Maskin und Roger Myerson werden mit dem Nobelpreis 2007 für ihre Mechanismus-Design-Theorie ausgezeichnet. Was steht hinter diesem kryptischen Wortgeschöpf?

Axel Ockenfels: Die Drei haben sich mit der Frage beschäftigt, was in Situationen passiert, in der jemand etwas weiß, was sein Gegenüber nicht weiß. Sie haben untersucht, wie Regeln gestaltet werden müssen, um in einer solchen Lage effiziente oder sonstige wünschenswerten Ergebnisse zu erzielen. Denn die Vorstellung, dass der Markt oder Verhandlungen immer schon allein für ein optimales Ergebnis sorgen kann, ist natürlich trügerisch.

Das klingt noch immer abstrakt. Können Sie das anhand eines Beispieles erklären?

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie wohnen in einer lauten Straße. Sie sind sich mit Ihren Nachbarn einig, dass eine Mauer zur nahegelegen Straße für alle vorteilhaft wäre, weil sie den Lärm dämpft. Aber obwohl alle Anwohner eine Mauer wollen, kann es passieren, dass keine gebaut wird - weil sie sich nicht einigen können. Denn jeder Anwohner hat einen Anreiz, seine eigene Zahlungsbereitschaft zu untertreiben, in der Hoffnung, dass die anderen bereit sind, mehr zu zahlen. Hurwicz, Maskin und Myerson haben unter anderem untersucht, wie in solchen Situationen Effizienz sichergestellt werden kann.

Das funktioniert immer? Wie sehen Regeln aus, die das Zeug haben, jeden Nachbarschaftsstreit zu schlichten?

Da muss ich Sie enttäuschen, unter gewissen Bedingungen existiert überhaupt kein Verhandlungsverfahren, das Effizienz garantiert.

Der Nobelpreis wird also für eine Erkenntnis vergeben, dass etwas nicht funktioniert?

Nicht nur, aber auch dies ist eine bahnbrechende Erkenntnis. Denn die drei zeigen mit ihrer Arbeit, welch große Bedeutung asymetrische Information haben kann.

Wie bedeutend ist die Arbeit der Laureaten für Sie als Auktionsforscher?

Überaus bedeutend. Sie haben für uns ein Gedankengerüst geschaffen, das es uns uns überhaupt erst ermöglicht, bestimmte Fragestellungen zu identifizieren und zu diskutieren. Die Fortschritte, die sie gebracht haben, sind gewaltig. Durch ihre Erkenntnisse konnten anwendungsorientierte Wissenschaftler wiederum wichtige Erkenntnisse gewinnen, die mittel- und langfrisitig auch heiße Kandidaten für den Nobelpreis sind. Dies Entwicklungen sind zwar noch sehr jung, aber sehr, sehr zukunftsträchtig.

Das Gespräch führte Dorit Heß

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