IWF-Studie Radikales Sparen verstärkt die Rezession

Griechenland hat sich mit seinen Sparbemühungen überlastet. Das legt das Ergebnis einer Studie von IWF-Ökonomen nahe. Ihr Rat zur Haushaltskonsolidierung während einer Rezession: Steuern erhöhen statt Ausgaben kürzen.
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Für jeden Euro, der während eines Abschwung eingespart wird, sinkt die Wirtschaftsleistung um 1,60 bis 2,60 Euro, berechneten Forscher. Quelle: dapd

Für jeden Euro, der während eines Abschwung eingespart wird, sinkt die Wirtschaftsleistung um 1,60 bis 2,60 Euro, berechneten Forscher.

(Foto: dapd)

London.Zwei Jahre mehr Zeit wünscht sich die neue griechische Regierung für die Erfüllung ihrer Sparvorgaben. Darum wird der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras Bundeskanzlerin Angela Merkel morgen in Berlin bitten. "Alles, was wir wollen, ist ein wenig Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Ausgerechnet eine Studie aus der Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) liefert Samaras nun gute Argumente für seine Bitte. Wer mitten in einer Wirtschaftskrise die Staatsfinanzen in Ordnung bringen will, brauche Geduld und eine ruhige Hand, lautet das Kernergebnis der Studie. Das ist pikant, weil der IWF zusammen mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank die Troika bildet, die Griechenland im Gegenzug für Hilfskredite ein hartes Sparprogramm auferlegt hat.

Ein Forschertrio um die IWF-Volkswirtin Nicoletta Batini hat historische Sparprogramme in Industrieländern untersucht und festgestellt, dass ein zu radikaler Sparkurs in ökonomisch schlechten Zeiten kontraproduktiv ist. "Er kann die Rezession verlängern, ohne die erwarteten Einsparungen bei den Staatsfinanzen zu bringen", schreiben die Forscher.

Die Studie legt also die Schlussfolgerung nahe, dass der harte Konsolidierungskurs, zu dem die Griechen gezwungen wurden, die Probleme verschlimmert hat.

Griechenland hat nach Zahlen des Sachverständigenrats so viel gespart wie kein anderes europäisches Krisenland. Zwischen 2009 und 2012 ist das Haushaltsdefizit um neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Zugleich befindet sich die griechische Wirtschaft in einer in Europa beispiellosen Rezession: Die Wirtschaftsleistung brach in den letzten Jahren um mehr als 20 Prozent ein, die Staatsschulden explodierten.

Aggressive Sparprogramme in einer Rezession können in einen Teufelskreis münden, warnen die Forscher: Sinkende Wirtschaftsleistung, schrumpfende Steuereinnahmen und niedrigere Staatsausgaben verstärken sich dann gegenseitig - ein "Schneeballeffekt".

Ohne Wachstum kein Erfolg
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26 Kommentare zu "IWF-Studie: Radikales Sparen verstärkt die Rezession"

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  • @JamieDimon

    Bleiben Sie doch seriös. Die mit den enormen Vermögen der Multimilliardäre verbundene MACHT bedroht auch die "Wohlhabenden" in Deutschland.

    Wir sind auf dem Weg in einen totalitären sozialistischen Staat. Un diese Entwicklung wird von den Reichsten der Reichen forciert. Warum wohl?

  • @ alersa

    "Privatisierung" ist ein Tarnbegriff für "Diebstahl von Volkseigentum"

    Wieso soll das Volk ein Interesse daran haben sein Vermögen zu veräußern, um mit den Erlösen die Banken und deren Eigentümer zu füttern?

  • "Radikales Sparen verstärkt die Rezession"

    das ist eine Titelzeile wie

    "Ertrinken ist ungesund"

  • Auf die Idee kann nur jemand kommen der nicht die geringste Ahnung hat, wie Einkommen und Wohlstand, auch für die Masse, zu Stande kommen.
    Da kann man sich ja gleich selbst ins Knie schießen.

    H.

  • Sie sollten sich näher mit der HRE beschäftigen, bevor sie solche Meinungen kundtun. Die HRE war das drittgrößte private bankhaus in Deutschland mit entsprechend vielen privaten und gewerblichen Einlagen. Banken halten nur sehrwenig eigenes Geld, das meiste Geld, mit dem sie zockten, gehört den Kunden.
    Wenn eine pleite diese Gelder vernichtet, sind nicht nur ein paar Reiche ihr Vermögen los, sondern auch eine erhbliche Anzahl Firmen insolvent.
    Aber das Hauptproblem der HRE war ihr Tochterunternehmen Depfa. Eine Insolvenz der Depfa, die deutsche Staatspapiere auf dne markt bringt, hätte den direkten Bankrott der Bunderepublik zur Folge gehabt.
    Es mag ärgern, das unfähige Banker als Verwalter von fremden Geld mit gerettet wurden. Aber die Rettung diente niemals den Bankern, sondern dem Geld und Einkommen der Bürger.
    Eher sollte man sich im Nachhinein Gedanken machen, ob nicht die Größe der institute beschränkt werdne kann, damit sie keine gesellschaftsweite Bedeutug erlangen können, die um jedne Preis gerettet werden muss.

    H.

  • Was soll uns diese Studie sagen?
    Letztlich ist es ein alter Hut, das radikales Sparen in krisenzeiten gefährlich ist. und das wissen auch alle verantwortlichen.
    Somit gibt diese Studie keine Antworten auf die aktuellen Fragen und ist somit auch nicht von Nutzen.

    Denn neben der Erkenntnis das sparen in der Krise gefährlich ist, gibt es eben noch andere Erkenntnisse z.B. das die Rückführung von Schulden in guten Zeiten ausgeschlossen ist, somit nur die Rückführung in Krisenzeiten bleibt, wenn dsas Bewusstsein für das problem in der Öffentlichkeit vorhanden ist.

    Daraus kann man zweierlei entnehmen. Verschuldung ist grundsätzlich etwas Schlechtes, jedenfalls solange keine befriedigende Antwort darauf gefunden wurde, wie sie zuverlässig wieder abgebaut werden kann.
    2. Ist Verschuldung bereits eingetreten und zur Krise mutiert, bleibt nur ein Drahtseilakt zur Schuldenreduktion zwischen Sparen und nicht abwürgenden Staatsausgaben.

    Die Studie dagegen ist nicht das Papier wert, auf dem sie geschreiben steht, denn sie berücksichtigt keinerlei aktuelle Erfahrungen mit dem Verzicht aufs Sparen.

    H.

  • das ist doch genau das, was ich auch immer sage.
    Das Griechen-bashing geht mir schon lange auf die Nerven.
    Und wenn immer von Griechenland-Hilfe gesprochen wird, ist dies ebenfalls unwahr.
    Der einzelne Grieche bekommt keine Hilfe.
    Helfen tun wir den Banken.
    Der Kardinalfehler von Merkel und ihrem handlanger udn Großmaul Steinrück war, die HRE-Bank zu retten mit vielen Milliarden.
    Die hätte man pleite gehen lassen sollen,d ann hätten wir wohl das ganze heutige Drama nicht
    Aber da begann doch das schöne Märchen vom "Retten" und die Banken konnten weiterzocken

  • weil Politiker nichts aus der Geschichte lernen, das sagte schon Hegel

  • pleiti
    das ist alles schön und gut. Aber unseren Politikern Geld in die Hand geben und glauben, sie gehen ordentlich damit um, ist ungefähr so, als wenn man einem Hund einen Wurstvorrat hinlegt und ihn anweist, darauf aufzupassen

  • Da hat ja die Propaganda in Deutschland wieder einmal ganze Arbeit geleistet, wenn man die vielen Kommentare hier liest. Hier kann ich einfach nur noch Johann Wolfgang Goethe zitieren: „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.
    Denn würde man sich mit der Realität beschäftigen, dann könnte man vielleicht einmal darauf kommen, dass der angebliche Schlendrian, die angebliche Faulheit etc. der Griechen woher kommt? War irgendeiner vor Ort, hat das persönlich überprüft? Wie viele Griechen kennt man in Deutschland in Griechenland persönlich? Wie viele waren überhaupt schon einmal in Griechenland, hat dort gelebt und gearbeitet? Aber solange die Boulevard und Stammtisch Ökonomie in Deutschland die Mehrheit hat, denkt man nicht an die wahren Ursachen der Krise in Europa. Wer so wie Deutschland alles in der Eurozone niederkonkurriert hat, trägt eine Mitschuld an dieser Krise.

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