IWH-Präsident tritt zurück
Top-Forschungsinstitut stürzt in Führungskrise

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle zählt zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen in Deutschland. Es ist auch für die Bundesregierung tätig. Interne Querelen könnten seinen Ruf jetzt schwer beschädigen.
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Halle/DüsseldorfDie Querelen um das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) haben jetzt auch personelle Konsequenzen: Wie die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, haben der Präsident des IWH, Ulrich Blum, und der Geschäftsführer Frowin Gensch dem Vorstandsrat des IWH ihre Rücktritte angeboten.

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) bestätigte gegenüber der Zeitung den Vorgang: „Professor Blum und Herr Gensch als Vorstand des IWH haben dem Vorstandsrat ihre Rücktritte angeboten“, sagte Wolff. „Wir haben das mit Respekt zur Kenntnis genommen.“ Aus formalen Gründen gab es noch keine Entscheidung des Gremiums, die soll im Oktober folgen.

Das IWH steht seit Jahren in der Kritik der Leibniz-Gesellschaft, die für die Vergabe der Fördermittel an das Institut zuständig ist. Kritisiert wurden Mängel in der wissenschaftlichen Arbeit. Eine Bewilligung der Fördermittel für die kommenden drei Jahre erfolgte nur unter der Maßgabe, dass es im IWH zu strukturellen und personellen Veränderungen kommt.

Nun steht der gute Ruf des Instituts auf dem Spiel - mit unabsehbaren Folgen. Denn die Expertise des IWH wird auch von der Bundesregierung in Anspruch genommen. Zusammen mit dem Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (Ifo), der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, dem  Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW),  dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, dem Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), dem Wiener Institut für Höhere Studien (IHS) sowie der Kiel Economics Research & Forecasting GmbH & Co. KG beteiligt sich das Hallenser Institut an der so genannten Gemeinschaftsdiagnose. Das ist eine Konjunkturanalyse und -prognose, die jeweils im Frühjahr und im Herbst eines Jahres unter dem Titel "Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft" erstellt wird. Auftraggeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Also "renomiert" ist das IWH ja eben gerade nicht, deshalb hat die Leibniz-Gesellschaft ja auf personelle und organisatorische Neuausrichtung gedrungen.

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