Justus Haucap
Weltverbesserer ohne steifen Kragen

In den Vorlesungen von Justus Haucap trifft Bier auf Wettbewerbstheorie. Und auch an der Spitze der Monopolkommission gelingt es dem VWL-Professor, sich ohne Attitüde durchzusetzen. Seit Oktober leitet der 40-Jährige Deutschlands erstes Institut für Wettbewerbsökonomie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und glaubt fest daran, das Leben der Menschen verbessern zu können.
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DÜSSELDORF. Als letzter und fünf Minuten zu spät, kommt Justus Haucap in den Hörsaal und schmeißt die Tür zu. Er rückt die schwarze Hornbrille zurecht (seit Jahren das gleiche Modell) und verkündet das Kapitel der heutigen Vorlesung: Preisdifferenzierung im Monopol, plastisch dargestellt am Beispiel einer Dorfdiskothek. „Die einzige weit und breit“, wie Haucap, der selber aus einem „Nest“ namens Quakenbrück stammt, noch einmal betont.

Und dann geht’s los. Mit vollem Körpereinsatz springt er zwischen Stehpult und Tafel hin und her, erklärt und berechnet erst den gewinnmaximalen Eintrittspreis, dann den Bierpreis; dabei greift er immer wieder zur Kreide und schleudert Formeln und Diagramme an die Tafel. Kurzer Hand beamt er sich und die Studenten in eine Parallelwelt der Nachfrage- und Kostenkurven – und natürlich in die Dorfdiskothek. Ein Prost auf die Wettbewerbstheorie.

Wer den VWL-Professor in Aktion erlebt, der weiß, was Rudolf Richter meint, wenn er sagt, sein einstiger Doktorand habe das nötige „wissenschaftliche Feuer“. Er ahnt jedoch nicht, dass hinter dem Mann in Jeans und buntgestreiftem Hemd der steckt, den die Öffentlichkeit zur illustren Gruppe der ,Hüter des Wettbewerbs‘ zählt. Erst sein Lebenslauf verrät es: Promotion mit 28, Habilitation mit 34, Mitglied der Monopolkommission mit 37, zwei Jahre später deren Vorsitzender. An der Spitze des fünfköpfigen Expertengremiums mit Sitz in Bonn unterstützt Haucap die Bundesregierung bei allen Fragen der Wettbewerbspolitik und Regulierung. Dazu gehört vor allem die Berichterstattung über netzgebundene Industrien wie Telekommunikation, Post, Bahn, Strom und Gas.

Viel Verantwortung und viel Geld

„Einige hatten Bedenken wegen seines Alters“, weiß Peter-Michael Preusker, seit 2004 Mitglied der Monopolkommission. „Er ist schon der typische Professor: etwas zerstreut und linkisch; aber vor allem ist er qualifiziert und nicht konfliktscheu.“ Haucap meldet sich häufiger als seine Vorgänger in den Medien zu Wort. Erst jüngst brandmarkte er in einem Interview die öffentlichen Hilfen für Opel als Verschwendung. Längst sind auch die Wirtschaftsführer auf ihn aufmerksam geworden. Und das, obwohl die Monopolkommission nur eine beratende Funktion hat und nicht wie das Kartellamt Entscheidungen trifft. Erst am Morgen hat der Chef eines großen Versorgers persönlich zum Dialog geladen, er möchte über das im August veröffentlichte Sondergutachten zum Energiemarkt reden. „Er ist wohl an der ein oder anderen Stelle anderer Meinung als ich“, sagt Haucap und verzieht gespielt den Mund.

Der 40-Jährige kämpft aber nicht nur in Bonn für mehr Konkurrenz auf deutschen Märkten, sondern seit Oktober auch an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Hier entsteht Deutschlands erstes Institut für Wettbewerbsökonomie und passend dazu ein neuer Fachbereich VWL. Alles unter Führung von Justus Haucap. 40 Millionen Euro, die private Spende zweier Unternehmerfamilien, machen es möglich. Viel Verantwortung und viel Geld. „Wir haben einen prominenten und sehr gut vernetzten Wettbewerbsökonomen gesucht und gefunden“, berichtet Rektor Hans Michael Piper.

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