Konferenz
Auf der Suche nach den richtigen Boni

Kaum ein Thema erregte die Gemüter im vergangenen Jahr wie Boni-Zahlungen an Manager. Auf einer Konferenz wurde nun über die Boni diskutiert. Gleich mehrere Studien belegen, dass die Zahlungen manchmal sogar kontraproduktiv wirken.
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HANNOVER. Es gibt wissenschaftliche Fragen, die in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur Ökonomen und Personalchefs umtreiben, sondern jeden interessieren. Zum Beispiel diese: Wie kann man Erfolg von Managern belohnen und Mitarbeiter motivieren, ohne falsche Anreize zu setzen? Sollte man Boni ganz abschaffen?

Denn offenbar förderten zu hohe, am kurzfristigen Erfolg orientierte Boni ein eigennütziges Denken der Akteure, die die Finanzkrise anstießen. Auf einer Konferenz des Instituts zur Zukunft der Arbeit und der Bertelsmann-Stiftung in Hannover ging es am Dienstag genau um solche Fragen.

Dabei "klaffen Theorie und Praxis nirgendwo so weit auseinander" wie bei der erfolgsabhängigen Bezahlung, urteilt Margit Osterloh, Professorin für Organisation und Unternehmenstheorien an der Universität Zürich. So werden in den Unternehmen vor allem die Topmanager nach ihrem Erfolg bezahlt. Dabei zeigten empirische Studien: Das sei nicht sinnvoll, weil man ihren Erfolg gar nicht so leicht zurechnen könne und die Manager sich oft selbst die Ziele steckten, die sie dann natürlich auch leicht erreichen könnten. Mit dem Unternehmenserfolg müsse das aber nicht immer etwas zu tun haben.

Transparenz von Vergütungssystemen ist ein zweischneidiges Schwert

Gleich mehrere Studien belegten zudem, dass manche Boni sogar kontraproduktiv wirken - nämlich dann, wenn eine hohe Motivation für den Job durch eine hohe Motivation für die Boni abgelöst werde. Osterloh mahnte deshalb zur Vorsicht bei Boni. Sie propagiert eher höhere Fixgehälter mit festen Gewinnbeteiligungen für Manager.

Doch bei Vergütungssystemen steckt der Teufel oft im Detail, zeigte Dirk Sliwka, der an der Universität zu Köln zu Anreizsystemen forscht. Er mahnte auf der Konferenz die Personalverantwortlichen vor einem zu schnellen Urteil über Vergütungssysteme. Normalerweise geben sich die Unternehmen zugeknöpft, wenn es um Löhne und Gehälter geht. In einer aufwendigen Studie konnte Sliwka aber mit zwei Kollegen einen tiefen Einblick in die erfolgsabhängige Bezahlung von Führungskräften eines großen Konzerns nehmen und kam zu spannenden Erkenntnissen.

So ist die "Transparenz von Vergütungssystemen ein zweischneidiges Schwert", sagt Sliwka. Wenn sich die Mitarbeiter leicht vergleichen können, steige die Unzufriedenheit enorm, auch wenn sie nur einige Prozent weniger als den Referenzwert bekommen. Kennen Mitarbeiter dagegen nicht so viele Details über die Boni, sind sie zufriedener.

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