Konjunkturtheorie
Die Nicht-Ölkrise

Immer mehr Ökonomen kommen inzwischen zu dem Schluss, dass die Wirtschaftswissenschaft die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Energiepreise jahrzehntelang überschätzt hat.

DÜSSELDORF. Die „neue Ölkrise“ hat es in die Boulevard-Blätter und Illustrierten geschafft. „Der neue Ölpreis-Hammer, es wird teurer, teurer, immer nur teurer“, klagt die „Bild“-Zeitung. Der „Stern“ sieht das „Volk am Tropf“ und berichtet über Angst, „die steigenden Energiepreise könnten die flotte Konjunktur abwürgen“.

Willkommen im Herbst des Jahres 2000. Schon vor knapp sechs Jahren hielt die Entwicklung der Rohstoffpreise die Republik in Atem. Kein Wunder, hatte sich der Ölpreis doch innerhalb von weniger als 24 Monaten verdreifacht – von 10 auf 30 US-Dollar pro Barrel. Der Liter Normalbenzin kostete 1,96 D-Mark, aus Protest blockierten Autofahrer vereinzelt sogar Tankstellen. „Das geht ans Eingemachte“, stöhnte ein Pendler im „Spiegel“. Volkswirte zogen Parallelen zu den siebziger Jahren und taxierten die Schmerzgrenze für die Konjunktur auf etwa 40 Dollar pro Barrel.

Heute, sechs Jahre später, kostet das Barrel Rohöl über 65 Dollar, der Liter Normalbenzin 1,33 Euro – umgerechnet also rund 2,60 DM. Die Konjunktur läuft trotzdem gut. Keine Spur von einer „Stagflation“ wie in den siebziger Jahren – einer Situation, in der die Arbeitslosigkeit hoch ist, die Inflation aber im Zuge steigender Ölpreise anzieht. Eine Entwicklung, die kaum ein Experte vorausgeahnt hat – die Volkswirte der Deutschen Bank sprechen inzwischen vom „Ölpreis-Rätsel“.

Immer mehr Ökonomen kommen inzwischen zu dem Schluss: Die Wirtschaftswissenschaft hat die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Energiepreise jahrzehntelang überschätzt. „Ölpreisschocks haben nur moderate Folgen für die gesamtwirtschaftliche Produktion“, lautet das Fazit einer OECD-Studie.

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