Korruption
Wo Renditen von mehr als 1000 Prozent möglich sind

Korruption ist noch immer weit verbreitet - und für Unternehmen ausgesprochen lukrativ. Wirtschaftsforschern zufolge steigt der Börsenwert nach Auftragsvergabe stark an. Doch Bestechen will gelernt sein.
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KölnDie Buchhalter trauten ihren Augen nicht: Auf ihrem Schreibtisch lag eine Rechnung über 850.000 Euro, eingereicht von einem chinesischen Geschäftspartner. Ausgabegrund: Schmiergeldzahlungen an staatliche Behörden. Erlebt hat das im Frühjahr der Chemiekonzern Evonik. Das war der Anlass, das Gemeinschaftsunternehmen mit den Partnern in China dichtzumachen. Auch wenn wenige Firmen so unverfroren sind wie die chinesischen Evonik-Geschäftspartner - Korruption ist noch immer weit verbreitet - und offenbar auch hoch lukrativ.

Fast jedes zweite Unternehmen verdächtigt laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones seine Konkurrenten, mit unsauberen Mitteln zu kämpfen. Weltkonzerne wie Siemens, Halliburton und Lockheed Martin sind überführte Korruptionssünder. Den Cambridge-Forscher Raghavendra Rau wundert das wenig. Denn Schmiergeld hat eine extrem hohe Rendite, zeigt er in einer aktuellen Studie.

Zusammen mit zwei Kollegen hat Rau eine Datenbank mit 166 Korruptionsfällen aus der ganzen Welt zusammengetragen. Dabei konnten die Forscher naturgemäß nur bekannt gewordene Fälle auswerten. Trotzdem sind die Daten aussagekräftig, denn sie stammen aus 52 Ländern und decken einen Zeitraum von 36 Jahren ab.

Anhand der Aussagen der beschuldigten Manager vor Gericht bestimmten die Forscher, für welchen Vertragsabschluss wie viel Schmiergeld geflossen war. Anschließend analysierten sie, wie weit der Börsenkurs in die Höhe geschnellt war, als das Unternehmen den Vertragsabschluss öffentlich verkündet hatte.

Diesen Wertzuwachs des Unternehmens behandeln sie als Ertrag der Schmiergeldzahlungen, die den Abschluss möglich machten. Das Ergebnis der Autoren: „Jeder Dollar Schmiergeld erhöht den Marktwert eines Unternehmens im Durchschnitt um rund elf Dollar.“ Das entspricht einer Rendite von 1100 Prozent.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war im vergangenen Jahr das US-Justizministerium bei einer Auswertung von Korruptionsfällen, die vor amerikanischen Gerichten verhandelt wurden, gekommen. Diese Zahlen zeigen: Durch Bestechung können sich Firmen häufig sehr lukrative Aufträge sichern. Schmiergeld ist in vielen Fällen extrem ertragreich.

Doch Bestechen will gelernt sein. Erfolgreiche Unternehmen scheinen auch in Sachen Korruption einen Wettbewerbsvorteil zu haben: Firmen, die hohe Gewinne erwirtschaften, bekommen für ihr Schmiergeld eine bessere Rendite als Konkurrenten, bei denen die Geschäfte schlecht laufen, zeigt die Studie. Sie verhandeln geschickter mit den korrupten Beamten und drücken so den Preis, vermuten die Ökonomen.

Die Ergebnisse der Forscher sind für die Bekämpfung von Korruption sehr wichtig. Denn erst wenn bekannt ist, wie viel Unternehmen mit der Zahlung von Schmiergeld verdienen, haben Aufsichtsbehörden ein Maß, an dem sie sich bei Strafzahlungen orientieren können. Nur wenn die potenzielle Strafe höher ist als der durch eine kriminelle Tätigkeit erwirtschaftete Gewinn, entfaltet sie eine abschreckende Wirkung, hat der Nobelpreisträger Gary Becker von der Universität Chicago in einem bekannten Modell zur Ökonomie des Verbrechens gezeigt.

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  • Korruption gehört zu den bezeichnernsten Symptom einer dekadenten Phase. Sie sorgt für Wertevernichtung, wird die Wahl doch nicht durch höchstmöglich angebotene Qualität getroffen und führt daher zwangsläufig zum Verfall der gleichen . Extreme Beispiele sind (wie in Soul passiert) in sich selbst zusammensackende Bauwerke, bei denen durch Korruption an der Materialqualität gespart wurde. Dies fordert nicht selten viele Tote. Auch in Süditalien über Autobahnbrücken (von korrumpierenden Mafiaunternehmen mit minderwertigen Material erbaut) zu fahren ist immer ein Spiel mit dem Schicksal. Fatalerweise kommen die Folgen dieser Dynamik immer erst nach Jahren zum Vorschein, dann aber mit geballter Wucht. Gleiches gilt übrigens auch, wie wir es aktuell sehen, für das Weltfinanzsystem. Leider sind übrigens auch Journalisten nicht frei von Korruption.

  • Am 17.10.2012 findet im Bundestag eine Debatte zur Abgeordnetenbstechung statt.
    Geben Sie Ihre stimme, Abgeordnetenbestechnung muss strafbar sein

    http://blog.abgeordnetenwatch.de/2012/08/10/abgeordnetenbestechung-muss-strafbar-werden-jetzt-hier-unterschreiben/

  • Einige Kommentatoren haben bereits einige wichtige Aspekte der "Korruptionsrealität" aufgezählt.

    Ich möchte das Augenmerk allerdings auf die Meta-Ebene richten: Was ist Korruption? Sobald Gelder unmittelbar für bestimmte Projekte fließen oder geflossen sind, ohne dass diese Zahlungen veröffentlicht wurden?

    Wie sieht es dann mit den zahlreichen "öffentlichen" Beraturngsverträgen aus, oder mit Gesetzen, die von Anwaltskanzleihen quasi als "Arbeitserleichterung" oder "Diskusionsgrundlage" eingereicht wurden und 1 zu 1 übernommen werden?

    Wie sind Vorträge oder Aufsichtsratspositionen zu bewerten, die bei 1-2 Stunden Arbeit im Monat 100k € abwerfen?

    Wie ist es zu bewerten, wenn Bücher von Firmen aufgekauft werden, um Sie Ihren Angestellten zu verschenken? Oder wenn die Tochter eines Beamten ein Stipendium für eine große US Eliteuniversität erhält?

    Die Wahrheit ist: Unrecht ist mitlerweile Gesellschaftsfähig geworden bzw. war es immer. Compliance ist eine Art Disziplinierungsmaßnahme für die Basis - die oberen Reihen können sich Berater und Anwälte leisten, die Gutachten schreiben, damit ihre "Bestechung" legal genannt wird.

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