Kosten von Konjunkturzyklen
Rezession – na und?

Alle Welt hat Angst vor dem Abschwung. Aber wie schlimm sind Konjunkturflauten wirklich? Darüber streiten international führende Makro-Ökonomen seit Jahren. Ein Nobelpreisträger ist sogar der Ansicht: Alles halb so wild.

Es gibt ökonomische Fragen, auf die ein Fachfremder so im Traum nicht kommen würde, weil sie einfach nur absurd wirken und die Antwort auf der Hand zu liegen scheint. Es kommt vor, dass an den besten Universitäten der Welt hochkarätige Volkswirte exakt über eine solche Frage streiten – jahrzehntelang und ohne eine eindeutige Antwort.

„Wie schlimm sind eigentlich Rezessionen?“ ist ein Beispiel dafür. In Politik, Unternehmen und Presse herrscht breiter Konsens darüber, dass scharfe Wirtschaftsabschwünge möglichst verhindert werden müssen. In der internationalen Makroökonomie aber tobt eine heftige Debatte darüber, ob Rezessionen einer Wirtschaft mittel- bis langfristig überhaupt schaden. Diese akademische Diskussion, die seit mehr als 20 Jahren läuft, bekommt vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Weltwirtschaftskrise plötzlich eine ungeahnte Aktualität.

Losgetreten hat die Debatte der spätere Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Lucas. 1987 veröffentlichte der Professor der Universität Chicago eine Studie mit einem spektakulären Ergebnis: Die gesamtwirtschaftlichen Kosten einer Rezession, so das Ergebnis der Arbeit von Lucas, sind so winzig, dass die Wirtschaftspolitik sie getrost vernachlässigen kann – weil eine Volkswirtschaft die in einem Abschwung verlorene Wirtschaftsleistung später durch höheres Wachstum wieder aufhole.

Lucas hat in seinem Modell den Nutzen berechnet, den ein repräsentativer Amerikaner aus dem tatsächlichen, schwankenden Konsum in den USA seit der Nachkriegszeit hatte – und wie hoch sein Nutzen gewesen wäre, wenn er stattdessen einen konstanten Konsumzuwachs ohne Konjunkturschwankungen gehabt hätte. Die Differenz betrachtete er als Kosten von Rezessionen. Lucas rechnete zudem aus, wie viel von dem Konsum ein rationaler Akteur in seinem Leben aufzugeben bereit wäre, wenn es dafür keine Konjunkturschwankungen mehr gäbe.

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