„Lügner und Versager“:
Wie Krugman sich an Bush abarbeitet

Die Entscheidung, Paul Krugman den Ökonomie-Nobelpreis zu verleihen, ist nicht nur eine Auszeichnung für einen renommierten Wissenschaftler. Es ist auch ein Politikum. Denn der Princeton-Professor ist einer der schärfsten Kritiker des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.

Es gibt wahrscheinlich keinen anderen Ökonomen, der Bush häufiger in der Öffentlichkeit einen Lügner oder einen kompletten Versager, einen Betrüger oder einen absoluten Blindgänger genannt hätte. Hartnäckig und ohne Rücksicht auf Verluste rechnet Krugman seit Jahren auf der Meinungsseite der „New York Times“ mit der Bush-Regierung ab – auf 130 Zeilen, montags und freitags, beißend, boshaft, unterhaltsam. Das Monatsmagazin „Washington Monthly“ kürte den Ökonomen vor ein paar Jahren bereits zum „wichtigsten politischen Kolumnisten Amerikas“.

Krugmans Kommentare tragen Überschriften wie „Der Schwindel-Haushalt“, „Die Politik derer, die die geringste Ahnung haben“ oder „Gruselkino in Washington“. Es ist nicht nur der Ökonom, der sich darin äußert, sondern auch der Anhänger der demokratischen Partei.

Krugman hört und sieht ganz genau hin, wenn der republikanische Präsident Zahlen präsentiert oder neue Pläne vorstellt. Der Professor rechnet nach und vergleicht, er legt den Finger jedes Mal in die Wunde, ihm entgeht keine Ungereimtheit, kein Detail, nichts, was zu seiner düsteren These passt: Der Präsident, der Amerika regiert, ist einer der unfähigsten, die das Land jemals hatte. Und nicht nur das: Die Regierung ist in den Händen religiös-reaktionärer Politiker, die das Land radikalisieren, die Ungleichheit drastisch verschärfen und dem Ansehen Amerikas schaden.

Seit Jahren plädiert Krugman daher für einen Politikwechsel nach links, den er in seinem Buch „Nach Bush“ begründet. Darin wünscht er sich ein sozial ausgeglicheneres Amerika aus der Ära des New Deal unter Franklin D. Roosevelt.

Detailliert und mit vielen Zahlen unterlegt zeichnet Krugman nach, wie Amerika sich danach verändert hat, seitdem „neokonservative Ideologen das Ruder übernommen haben“. Es ist ein düsteres, bedrohliches Bild, das der Ökonom malt. Einige Kritiker vergleichen Krugmans Thesen bereits mit der Polemik des Regisseurs Michael Moore, der die amerikanischen Verhältnisse in seinen Filmen schon mal überzeichnet. Der Ökonom entgegnet in solchen Fällen ganz gelassen: „Ich will nicht wie ein Verschwörungstheoretiker klingen, aber es wäre dumm zu glauben, dass es keine rechte Verschwörung gibt, nur weil die Indizien in diesem Fall so offensichtlich sind.“

Seit Monaten arbeitet sich Krugman nicht mehr nur an Bush ab. Der Ökonom hat sich auch den republikanischen Präsidentschaftsbewerber John McCain vorgenommen. Krugmans Urteil: „Sollte McCain Präsident werden, wird alles noch schlimmer als unter Bush.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%